Bischof Huber: »Wir wollen erkennbar evangelisch sein«
In der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) ist nach Ansicht des scheidenden Ratsvorsitzenden Wolfgang Huber das «geistliche Kerngeschäft» wichtiger geworden. «Wir haben in jedem Fall das Bewusstsein dafür geschärft, wie wichtig Gottesdienst, Bibel und Glaubensfragen sind», sagte der Berliner Bischof in einem epd-Interview.
Huber fügte hinzu: «Diese Entwicklung tut unserer Kirche gut.» In dieser Konzentration zeige sich, «dass wir nicht nur organisatorisch in einer erkennbaren Weise evangelisch in Deutschland sein wollen». Mit dem Ratsvorsitzenden sprachen die epd-Redakteure Rainer Clos und Thomas Schiller über Höhepunkte und Entäuschungen seiner sechsjährigen Amtszeit und seine Pläne.
epd: Ende Oktober wählt die Synode der EKD einen neuen Rat, dem Sie nicht mehr angehören werden. Was waren die drei Höhepunkte Ihrer Amtszeit?
Wolfgang Huber: Ein erster Höhepunkt ist ganz bestimmt der Reformprozess der evangelischen Kirche. Durch diesen Prozess ist viel in Bewegung gekommen. Dafür bin ich sehr dankbar und hoffe auch, dass dies über die sechs Jahre hinaus fortwirken wird. Einen zweiten Höhepunkt sehe ich darin, dass wir mit grundsätzlichen Äußerungen zu wichtigen Fragen von politischer Ethik und Soziallehre vorangekommen sind. Auf diese Weise haben wir sehr viel dazu beigetragen, dass die Position unserer Kirche zu wichtigen gesellschaftlichen und politischen Fragen klar erkennbar geworden ist. Schließlich drittens haben wir die Grundlinien unseres Verständnisses von Gottesdienst, Abendmahl und Taufe vollständig dargelegt. Dies zeigt, dass wir nicht nur organisatorisch in einer erkennbaren Weise evangelisch in Deutschland sein wollen.
epd: Und was waren die bittersten Enttäuschungen?
Huber: Eine Enttäuschung sehe ich darin, dass wir ökumenisch nicht so weiter gekommen sind, wie viele sich das gewünscht haben. In diese sechs Jahre fällt die erneute vatikanische Äußerung zur Frage, wer als Kirche bezeichnet werden kann. Trotzdem haben wir ökumenisch in Deutschland gut und verlässlich zusammengearbeitet; umso mehr tun mir Irritationen leid, die in der allerjüngsten Vergangenheit durch eine inakzeptable Indiskretion entstanden sind. Eine zweite Enttäuschung ist natürlich, dass wir in wichtigen Fragen politisch nicht haben erreichen können, was uns wichtig ist: in Fragen des Religionsunterrichts, in Fragen der Patientenverfügung und des Umgangs mit den Grenzen menschlichen Lebens. Da hätten wir uns klarere Positionen vonseiten der Gesetzgebung gewünscht.
Meine große Hoffung ist, dass die missionarische Ausrichtung unserer Kirche noch deutlichere Resonanz findet: sowohl im Handeln der Gemeinden als auch in der Bereitschaft von Menschen, die den Kontakt zur Kirche über lange Zeit verloren haben, sich dafür neu zu öffnen.


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