Blogger: Internet in Ägypten wichtiger als klassische Medien

 

Mehr als ein Jahr nach dem demokratischen Umbruch in Ägypten spielen soziale Netzwerke und Blogs im Internet weiterhin eine herausragende Rolle.

 Für die Aufklärung und politische Meinungsbildung seien sie wichtiger als die klassischen Medien, sagte der Blogger Tarek Amr am Montag in Berlin. Blogger beobachteten die politischen Ereignisse genau und bekämen oft direkt Informationen von Parlamentsabgeordneten.

 Der Ägypter Amr gehört einer Jury aus Bloggern an, die über die Preisträger des internationalen Blog-Awards der Deutschen Welle «The BOBs» entscheiden. Der Sender zeichnet damit Webseiten aus, die einen offenen Diskurs im Internet fördern. Die Gewinner sollen am Mittwoch anlässlich des Welttags der Pressefreiheit am Donnerstag bekanntgegeben werden.

 Laut Amr sind die Blogger in Ägypten immer noch so aktiv wie zur Zeit der Revolution. «Wir setzen uns weiter für ein besseres, demokratisches System ein», sagte er. Der russische Internetaktivist Alexander Plushev sagte, für den Protest in seinem Land seien die Ereignisse in Ägypten und anderen arabischen Ländern Vorbild. Zunehmend würden Protestaktionen über soziale Netzwerke wie Facebook organisiert. Anders als in Ländern wie China und Iran finde in Russland keine Zensur des Internets statt. Bei russischen Fernsehsendern sei eine Zensur dagegen an der Tagesordnung sei, sagte Plushev.

 Der chinesische Blogger Isaac Mao sagte, die Flucht des Dissidenten Chen Guangcheng aus dem Hausarrest in der vergangenen Woche zeige die Macht sozialer Netzwerke. Seit seiner Entlassung aus dem Gefängnis hätten sich Internetaktivisten mit dem blinden Anwalt in China solidarisiert. Nach der geglückten Flucht in die US-amerikanische Botschaft in Peking versuche die Regierung nun, alle Informationen dazu aus dem Internet zu tilgen. Internetaktivisten umgingen die Sperren aber, indem sie sich immer wieder neue Synonyme ausdächten, berichtete Mao.

 Wegen der hohen Bedeutung des Internets für die Meinungsfreiheit in totalitär geführten Ländern forderte der deutsche Blogger Markus Beckedahl einen Exportstopp für Filtertechnologien, mit deren Hilfe Regierungen bestimmte Internetseiten blockieren können. Es sei eine Schande, dass es dies gebe und auch die Bundesregierung den Export zulasse, sagte Beckedahl.

(Quelle:epd)