#389 | Die FASSbare Kirche | Gespräch mit dem Priester im Weinfass

 


Schräge Idee mit ernsthaftem Hintergrund:

Unter dem Motto FASSbare Kirche lädt der Rüschliker Pfarrer Josip Knežević

seine «Schäfchen» zum Gespräch in ein begehbares Weinfass.

 

Die Menschen müssen nicht

in die Kirche kommen, die Kirche kommt auf sie zu: am Bahnhof, auf der Strasse,

am Parkplatz. Während einem Jahr gilt in der katholischen Kirche das

Jubiläum der Barmherzigkeit. Dazu hat Papst Franziskus aufgerufen. Im Rahmen dieses Jubiläums hat die

katholische Pfarrei in Rüschlikon ihre Kreativität walten lassen: Sie hat ein

grosses Fass gekauft und offeriert die FASSbare Kirche auf einem Autoanhänger. Darin erhalten Menschen Gelegenheit, mit einem

Priester zu reden, zu beten, zu beichten oder einfach mit ihm zu

philosophieren. Von da stammt auch die Fass-Form: Es ist eine Anspielung an den

griechischen Philosophen Diogenes.

«Man sagt immer, die Kirche sei unfassbar», sagt der Priester Josip Knežević mit einem Lächeln zur «Zürichsee-Zeitung». Jetzt hat er die FASSbare Kirche

lanciert. «Ein rundum gelungener Auftakt», zieht Pfarrer

Knežević  nach ersten Gesprächen und ermutigenden Erfahrungen ein Fazit.

Er zeigt der Öffentlichkeit, dass die Kirche von heute offen da hingeht, wo die

Menschen sind und sich vor keiner Diskussion scheut, berichtet Radio LifeChannel.

Am Bahnhof Rüschlikon stand ein Anhänger mit einem grossen Fass, über dem ein

kleiner Turm mit Glocke und Kreuz thront. Die Neugierde wich schnell dem

Interesse und in den kommenden vier Stunden war Pfarrer Josip Knežević keinen

Moment mehr allein. Er war immer bei einem Becher Tee im Gespräch, während dem

draussen bereits nächste Gäste warteten. Die Kirche kann mit dem Fass die

Aufmerksamkeit der Passanten auf sich lenken und auch kritische oder

distanzierte Menschen zum Gespräch einladen: «Ich will zeigen, dass mir auch

die Menschen wichtig sind, die anders denken», sagt Pfarrer Knežević in

der «Zürichsee-Zeitung». Die FASSbare Kirche wird an einem Tag pro Monat an

einem öffentlichen Ort für vier Stunden aufgestellt. Das Läuten der kleinen

Glocke auf dem Turm kündigt an, dass die Kirche für die Menschen da ist.

Herzlich, Markus Baumgartner