#171 | Gratistipps eines Chefredaktors | Vom richtigen Umgang der Kirchen mit den Medien
Dienstagsmail schreibt: "Kirche ist kein Thema für die Medien. Es sei denn, sie macht sich dazu.
Tipps von Peter Rothenbühler.
Von
der Lebenserfahrung des altgedienten Chefredaktors und Pfarrersohnes Peter
Rothenbühler sollten alle Pfarrer profitieren können: Er hat anlässlich der
Tagung des Katholischen Pressevereins in Zusammenarbeit mit der Theologischen
Fakultät der Universität Freiburg am 16. Januar 2012 ein Referat gehalten.
Gerne fasse ich es nachfolgend zusammen:
Das Verhältnis der Kirche und der Medien sei heute ein groteskes, ein
geradezu paradoxes.
Die Kirche hätte als Medium zur Verbreitung der Botschaft
Christi eigentlich sehr viel Positives anzubieten: Vor allem ein Angebot zum Nachdenken,
zum Meditieren, zum Beten.
Die Kirche habe die schönsten Botschaften zu
verbreiten: Botschaften der Liebe, des Friedens, der Versöhnung, der Vergebung,
der Solidarität, der Liebe zur Natur. Aber auch ein paar nützliche Regeln zur
Führung eines anständigen Lebens: Anstandsregeln, die uns erlauben, ein Leben
in Friede, Harmonie, Gemeinschaft, Bescheidenheit und Selbstlosigkeit zu
führen.
Aber diese Kirche ist in den Medien kaum ein Thema. Trotzdem sei sie
dauernd in den Schlagzeilen:
Mit Storys, die aber von allem andern handeln als
von frohen Botschaften.
Sie handeln von alten, hinterwäldlerischen Männern, die
völlig weltfremd leben und in einer eigenartigen Sprache, völlig lebensfremde
Normen vertreten. Verbote vor allem, und zwar ausgerechnet zu jenen Aspekten
der Liebe, von denen sie am wenigstens verstehen, nämlich zum Sex.
Rothenbühler
vermisst dagegen Stellungnahmen nach Fukushima, zur Finanzkrise, zur
Solidarität unter Staaten, zu den wahren Ängsten der Menschen, zur drohenden
Wirtschaftskatastrophe im 2012, zur drohenden Arbeitslosigkeit, zur drohenden
Armut. Es sei sicher nicht die sexuelle Aufklärung in der Schule, die die Leute
bewege.
Die intelligenteste Botschaft, die er als normaler Zeitungsleser in den
letzten Monaten gelesen habe, war die Botschaft von Abt Martin Wehrlen aus
Einsiedeln zum 1. August, in der er sagte, dass die Kirche immer auch politisch
ist, dass sie Partei ergreifen darf, sich dabei aber aufs Evangelium stützen
soll und nicht auf Parteiprogramme. Solche Verlautbarungen seien nötig, wenn
die Kirche existieren wolle. Lese man die Bibel, werde ja dauernd etwas erklärt:
Es kommen dauernd Zitate vor, es heisst dauernd «und er sprach». Kirche ist
reden, nicht schweigen.
Das
ganze Referat steht als PDF auf der Seite der Bischofskonferenz zum
Herunterladen bereit: www.kommission-medien.bischoefe.ch/aktuelles/communio-out-community-in/kirche-ist-kein-thema!-es-sei-denn-sie-macht-sich-dazu.
Zur Person: Peter Rothenbühler (63), verheiratet, zwei Kinder, war langjähriger
Chefredaktor der “Schweizer Illustrierten” und von “Le Matin”. Heute arbeitet
er in der Geschäftsleitung von Edipresse und wirkt als Dozent für Journalismus
an den Universitäten Neuenburg und Genf. Sein Vater war reformierter Pfarrer,
seine Mutter spielte Orgel. Peter Rothenbühler hat sich daher intensiv mit Glaubensfragen
auseinandergesetzt.
Herzlich,
Markus Baumgartner
"
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