#223 | Das zweite Leben der Kirchenbänke | Neue Bestimmung für alte Gegenstände
Bei Kirchen-Renovationen können
die alten Gegenstände neue Besitzer finden. Es ist eine gute Gelegenheit, ein
bisschen Kirchenfeeling ins Dorfleben zu bringen.
Wer im Januar einen Spaziergang durchs Luzerner Maihofquartier machte, wäre
etwas erstaunt gewesen: In manchem Garten steht eine über sechs Meter lange
Bank aus über 70-jährigem Tannenholz und hinten ein klassisches Kniebänkli, das
an lange Minuten im Gottesdienst erinnert. Es ist eine Kirchenbank, die in den
Gärten steht. Sie stammen aus der Pfarrkirche St. Josef-Maihof, berichtet die
«Neue Luzerner Zeitung».
Doch was hat es mit den Kirchenbänken in den Gärten auf sich? Die
Erklärung ist einfach: Die Pfarrei St. Josef-Maihof hat im Rahmen einer
Renovierung die Kirchenbänke durch Stühle ersetzt – so kann der Raum nun
multifunktional genutzt werden. Die Kirchenbänke aus dem Jahr 1941 aber haben
ausgedient. «Doch die Geheimnisse, die in den vielen Jahren in ihr Holz
gesickert sind, sollen an einem anderen Ort weiterleben und zum Innehalten
einladen», schreibt Pfarreileiter Franz Zemp im lokalen Pfarreiblatt: «Ihr
Leben sind die Menschen, die auf ihnen gebetet, gelitten, gehofft oder sich
gelangweilt haben.» An diese Menschen sollten die Bänke denn auch verkauft
werden – zu einem Preis, den jeder selbst bestimmen konnte. Franz Zemp bot aber
einen Deal an: Für 300 Franken konnte symbolisch einer der neuen Stühle gekauft
werden. Symbolisch deshalb, weil kein Anspruch auf ebendiesen Platz besteht.
Doch zurück zu den Bänken: Die einen Käufer wollten eine ganz bestimmte
Bank, beispielsweise Nummer zwölf oder die Beichtbank, sagt der Pfarreileiter.
Probleme, die Bänke loszuwerden, hatte Zemp keine: «Ich hätte noch mehr
verkaufen können.» 25 der 30 Bänke hat er verkauft, die übrigen lässt er von
einer Künstlerin bemalen und stellt sie dann auf das Areal der Maihof-Kirche.
Den weitesten Weg hat eine Bank zurückgelegt, die jetzt auf einem
Bauernhof im Toggenburg steht. Die meisten Käufer wohnen aber im
Maihofquartier. So auch Familie Wolf Zihlmann: «Die Bank ist für uns eine
Erinnerung an die Zeiten in der Kirche, wo unsere Kinder ministriert haben»,
sagt Vater Andy Zihlmann. So wie die Kirche wird nun auch die Bank
multifunktional genutzt: zum Relaxen für die Kinder etwa, als Leseort von
Mutter Michèle. Oder um sich wie Andy noch einmal hinten aufs Kniebänkli zu
setzen – und sich vielleicht auch einfach mal zu langweilen.
Herzlich, Markus Baumgartner
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