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Unser Fazit...

2.2
Silke Meier

Missionarsgeschichten entführen in andere Welten und andere Zeiten. Beides ist Ursula Wiesemann gut gelungen. Das Glaubenszeugnis einer der ersten Wycliff-Übersetzerin ist ein beeindruckendes Dokument ihrer Zeit. Das darf mitunter auch ein bisschen verstaubt daher kommen.


  1. Ursula Wiesemann - Mein Leben für die Sprachforschung

  2. "Eine große Hilfe war mir in all den Auseinandersetzungen damals eine Arbeit über die Geschichte des Volkes Israel. Dabei stellte ich fest, dass es immer darum ging, ob das Volk auf seine eigene Beurteilung der Lage baute oder auf Gottes Verheißungen." (Ursula Wiesemann)

    Ursula Wiesemann, Professorin und Linguistin, setzte sich ein für die Bibelübersetzung unter den Kaingáng-Indianern. In ihrem Buch "Mein Leben für die Sprachforschung" erfährt der Leser ein Stück Biografie-Arbeit. Im Herbst, als Kind, kletterte sie mit Geschwistern in den Kirschbaum neben dem Behelfsheim, so beginnt das 180-Seitenwerk. In bescheiden einfachen Sätzen erzählt die Autorin von bewegenden Jahren in England, der Ausbildung und schließlich der Zeit in den USA. Als eine der ersten Wycliff-Bibelübersetzer reiste sie 1957 nach Brasilien aus.

    Zu ihren großen Werken zählt sicherlich die Schrift, die für die Sprache der Kaingáng-Indianer entwickelt wurde und wodurch das Neue Testament in ihre Sprache übersetzt werden konnte. Im Buch über ihr Leben als Dschungelbewohnerin und Bibelübersetzerin beeindruckt neben der Lebensleistung aber weit mehr die tiefe Frömmigkeit, die zwischen den Zeilen zu lesen ist. Etwa dann, wenn Gespräche mit hohen Persönlichkeiten skizziert werden, schwere Entscheidungen getroffen werden mussten, oder das Geld ausblieb. Es sind Szenen wie diese, die beim Lesen berühren: Die Belegschaft der Missionsstation geht am Samstagabend ins Kino und Ursula Wiesemann möchte nicht mit. Allein, in Ruhe, erinnert sie sich an die Gesänge der Kraho-Indianer, die von morgens vier Uhr bis Sonnenaufgang ihren Gesang als Opfer für die Götter gaben. Ursula Wiesmann beschreibt, wie sie an eine Wand gelehnt in die Stille der Nacht singt. Ein Lied nach dem anderen. Das stärkt sie.

    Und es sind Szenen wie diese, die zum Nachdenken anregen: Nach längerer Abwesenheit kehrt die Missionarin zurück ins Reservat nach Guarita. Vieles hat sich seit dem letzten Aufenthalt verändert. Bier wird getrunken und das Radio unterhält laut. Nach einem Fußballspiel dröhnt Gröhlen und Lachen aus der Hütte. Mit einem feinen Gespür für das Wirken des Geistes weist Wiesemann am Sonntag darauf auf die Veränderungen hin. Bier wird danach nur noch einmal verkauft, der Rest abgeholt. "Wir feierten am Sonntag mit großer Freude das Abendmahl und ich reiste beruhigt wieder ab, denn ich wusste: Diese Gemeinde ist wieder auf dem rechten Weg", schildert die Autorin.

    Manche Begegnungen beschreibt Ursula Wiesemann, als seien sie nicht einfach gewesen. Vielleicht auch für ihr Gegenüber nicht. Vielleicht war damals, in den Sechzigern und Siebzigern, vieles auch anders als heute. Als ein Dokument ihrer Zeit und einer Biografie mit Höhen und Tiefen ist das Buch über das Leben für die Sprachforschung lesenswert. Zum Ende hin beschreibt sie einen schwerwiegenden Fehler, unter dem viele litten und dessen Folgen ihr psychisch zu schaffen machten. Das Buch wäre auch ohne den Hinweis darauf gut ausgekommen, so aber gewinnt die Lektüre an Glaubwürdigkeit und Stärke.



  1. Autobiographie
  2. SCM Bundes-Verlag gGmbH
  3. Gebunden
  4. 184
  5. 978-3-86258-044-6


 

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