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Unser Fazit...

3.0
Laura Schönwies

Geeignet für politisch-kulturell interessierte Leser. Wer mit einem theologischen Anspruch an die Lektüre geht, wird enttäuscht.


  1. Stefan Orth, Volker Resing (Hg.) - AfD, Pegida und Co. Angriff auf die Religion

  2. AfD und die Kirche: Eine schwierige Beziehung. Neun Autoren aus Kirche und Politik beleuchten im Sammelband "AfD, Pegida und Co. Angriff auf die Religion?" dieses Spannungsverhältnis. "Eigentlich müssten AfD und die Kirchen natürliche Verbündete sein", zitiert Christian Hermes, katholischer Stadtdekan von Stuttgart in seinem Aufsatz "Kirchlich-politische Wachsamkeit. Die AfD als Prüfstein" Jörg Meuthen, den Bundessprecher der AfD. Die Partei versuche zwar die Kirchen zu umarmen, wolle sie aber hinterrücks instrumentalisieren, stellt Hermes fest. Dennoch: Vom Katholikentag wird die AfD kategorisch ausgeschlossen, auf den Kirchentag lädt man sie nur zähneknirschend ein.

    Die Autoren bestätigen, dass zwar der Eindruck entstehen könnte, die AfD habe es urplötzlich aus dem Stand heraus auf 20 Prozent geschafft (bei der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern), doch sie sind sich einig: Das Phänomen gab es schon immer.

    Paul M. Zulehner blickt bis ins Mittelalter zurück, als Andersdenkende zum Feuertod bei lebendigen Leib verurteilt wurden. Heute hingegen würden die "medialen Scheiterhaufen brennen". Ganz so weit müsse man gar nicht die Zeit zurückdrehen, wie Zulehner zeigt: "Wachsende Teile der Bevölkerungen Europas bewegen sich politisch schon seit Mitte der Neunzigerjahre nach rechts. (...) der Zuzug von Frieden suchenden Menschen ist eher eine Lesehilfe für diese schon laufende Entwicklung, verstärkt sie allerdings auch" (S.9). "Wir hier unten" gegen "Die da oben" und gegen "die Fremden" sei ein bewährtes Konzept in allen Gesellschaften, wie es Joachim Klose und Werner J. Patzelt auf den Punkt bringen.

    In dieser Vorgehensweise lässt sich eine Linie erkennen, die sich durch den gesamten Band zieht: Phänomene, Bewegungen und Begriffe werden auseinandergenommen und analytisch geprüft. Kulturwissenschaftler kommen in diesen Aufsätzen auf ihre Kosten. Karlheinz Ruhrstofer beispielsweise argumentiert mit Foucault, Hegel und ... Gott. Es ist hilfreich für den Leser, wenn ihm auch die Theorien Derridas und Theodor W. Adornos bekannt sind.

    Grundsätzlich ist es eine Hilfe für den Leser, eine kultur- und geschichtswissenschaftliche Einordnung zu bekommen, allerdings werden zu Beginn eines jeden Aufsatzes die derzeitige politische Situation und das Aufkommen rechtspopulistischer Gruppen in Deutschland, Europa und den USA der jüngsten Zeit dargelegt. Mehrfach ist zu lesen, dass AfD und Pegida Ängste schüren und die Kirche instrumentalisieren wollen, bevor der jeweilige Autor zu seinen eigentlichen Thesen kommt.

    Nach zahlreichen politischen, kulturellen, psychologischen und gesellschaftlichen Einordnungen zum Thema Rechtspopulismus fragt sich der Leser nach über hundert Seiten doch, was eigentlich aus der Ausgangsfrage zur Religion geworden ist. Wo bleiben theologische oder biblische Bezüge? Häufig tauchen die erst auf den letzten Seiten auf. Der Platzmangel wirkt sich auf die Argumentationen aus. Nach langen Einführungen geben die Autoren ihr Statement häufig auf den letzten beiden ab.

    Erst im vorletzten Beitrag von Thomas Sternberg kommt die Frage auf, was eigentlich unter dem „christlichen Abendland“ zu verstehen sei. Die Pegida-Bewegung interpretiere die "christliche Kultur" als Gegenmodell oder Heilmittel gegen eine "Islamisierung des Abendlandes". Sie werben konservative Christen mit ihren Schwerpunkten Tradition und Familie an. Sternberg entlarvt als erster Autor, dass gegen die vorgebrachten Schlagworte einzeln nichts entgegenzubringen sei, sie aber nicht explizit "christlich" seien. Er betont, dass es den Gründungsvätern Europas nicht um eine "christliche Zivilisation" gegangen sei, sondern um Menschen, die "konsequent im Glauben an Christus lebten" (S.167).

    Wie sieht es mit Antworten aus? Schließlich prangt auf dem Titel des Buches eine Ja- oder-Nein-Frage. "Die AfD ist ein kantiger Prüfstein" (S. 90) bilanziert Christian Hermes. "Religion ist nicht das Problem, sondern Teil der Lösung", sagt Sternberg. Der Leser muss allerdings die Stellungnahmen und Bilanzen aus jedem einzelnen Beitrag herausziehen. Ein umfassendes Fazit im Stil des Vorworts gibt es leider nicht.



  1. Verlag Herder GmbH
  2. Gebunden
  3. 208
  4. 978-3-451-27466-4


 

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