Gott braucht dieses Buch sicherlich nicht. Er hat sein eigenes. Für Esther Maria Magnis aber mag dieses ihr bisher bestes sein.
Der Einband wirkt fast wie ein weißes Parament in den Kirchen. In Goldbuchstaben steht auf weißem Grund: "Gott braucht Dich nicht." Ist das so? In der Kirche und im Leben? Für Esther Maria Magnis nicht. Unter diesem Titel schreibt sie eine Bekehrung. Parallel zu einer Geschichte, die vermutlich mehr verlieren lässt, als das der durchschnittliche Kirchgänger gewohnt ist.
Mit 17 Jahren stand sie am Grab des geliebten Vaters. An einem Krebsleiden ist er gestorben. Und das, obwohl sie mit den Geschwistern zu Gott gebetet hat. Laut und leise und immer wieder: "Lass Papa nicht sterben." Papa starb trotzdem. Dabei wollte sie die Heilung aus Gottes Hand nehmen. Sie dankte schon dafür. Im Voraus quasi, weil man danken soll, als hätte man das Gewünschte schon empfangen. Nach dem Tod des Vaters erklärte Esther auch Gott für tot. Anders als die Mutter, die vom Frieden erzählt, den sie am Sterbebett verspürte. Schließlich ist es, einige Jahre später, der Text eines Kinderliedes, das sie am Bett der Großmutter vorsingt und darin einen Zuspruch aus den Kindertagen wieder findet. Nach den Jahren des Zorns und des Zweifels ist Gott wieder da. "Er kennt auch Dich", singt sie, und fühlt sich angenommen.
Vielmehr als der Trost oder die Trostlosigkeit, beeindruckt die Sprache der Katholikin. Sie schreibt ehrlich und verschont den Leser nicht vor den eigenen, tiefen Emotionen. Hass kann sie beschreiben und Träume und obwohl die Sprache sehr nüchtern daher kommt, bleibt reichlich Raum für Fantasie. Die Geschichte der Esther Maria Magnus führt genau dorthin, wo Gott anklopft. Dort, wo er kratzt und wenn es sein muss, einen Clown schickt. "Es gibt in der Stille des Gottes, dem diese Welt gehört, einen Raum für die, die ihn nicht wollen." Gott der Allmächtige ist es, der die Stille untergräbt. Niemand ist ruhiger als er. Esther Maria Magnis: "Wir haben ihn nicht mit Schwertern in die Unterwelt ziehen sehen und mit wehenden Fahnen. Sondern mit geschlossenen Augen, bleichem Mund und ohne Herzschlag."
Kommentare zu diesem Eintrag: (4 insgesamt)
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RE: Esther Maria Magnis: Gott braucht dich nicht
Ja, Gott braucht mich nicht - aber als ich nach langer Zeit begriffen hatte, dass er mich liebt, war das eine wunderbare Erfahrung - so ist das noch heute.
Re: Esther Maria Magnis: Gott braucht dich nicht
Ein Buch, das mich sehr beeindruckt hat. Die Rezension kann ich voll unterschreiben, die "Schulnote" auch.
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