Ich versuche es noch einmal: Keiner zweifelt daran, daß die Fruchtfliege nicht in der Lage ist, logische Schlüsse zu ziehen. Auch ist es noch niemandem gelungen einem Menschenaffen den Beweis für den Satz des Pythagoras beizubringen. Ein Evolutionist ist also gezwungen für die Menschheit eine Entwicklung vom gebundenen Denken zum freien Schließen anzunehmen. Und hier steht er vor zweierlei Problemen: Erstens vermag der Mensch das Denken selbst wahrzunehmen. Das ist eine Fähigkeit, die außerhalb des von der sog. "Evolutionsttheorie" vorgegebenen utilitaristischen Rahmens liegt, denn wieso soll diese Fähigkeit die Fitness im Kampf ums Überleben steigern? Wie soll der Naturalist erklären, wie's zu so einer Fähigkeit kam? Und zweitens: Die Qualität des Denkens, d.h. des Verstandes, selbst ist in Zweifel gezogen worden. Solch ein Zweifel kann nur dadurch behoben werden, in dem eine dritte vom Denken unabhängige Größe für die bezweifelte Sache zeugt. Welche soll das sein? Oder anders gesagt: Wenn die Qualität des Denkens in Frage gezogen worden ist, dann ist es absolut unmöglich, diesen Zweifel mit Hilfe von reinen Verstandesschlüssen wieder zu beheben.
Es bleibt dem Naturalisten also nichts anderes übrig, als den Verstand als gegeben vorauszusetzen - ansonsten müßte er bescheidener argumentieren und sagen: Innerhalb des vom Kampf des Überlebens vorgegebenen Rahmens hat der Verstand seine Zweckmäßigkeit erwiesen. Dann aber hat sich der Mensch auch zu bescheiden und muß sich aller Schlüsse enthalten, die über diesen engen Rahmen hinausgehen. Aber genau dazu ist der Naturalist nicht bereit: Das was er sagt, soll im Himmel und auf Erden gelten. Doch daraus folgt unmittelbar, daß der Naturalist implizit, wie Du schon selbst gesagt hast, den Verstand unabhängig von der Natur als gegeben voraussetzt.
Der Naturalist kann sich also drehen und wenden wie er will: Wenn er den Anspruch aufrecht erhalten will, daß die Natur alles ist und daß es darüber hinaus nichts gibt, was nicht zur Natur gehört, dann stempelt er sich selbst zu einem Idioten, denn er ist nicht mehr in der Lage zu beweisen, daß die Schlüsse, die er mit Hilfe des von ihm in Frage gestellten Denkens gewonnen hat, über jeden Zweifel erhaben sind. Die andere Möglichkeit wäre den Verstand als apriori vorhanden anzunehmen, womit er offen zugegeben hätte, daß es mindestens eine Größe gibt, die unabhängig von der Natur existiert. Doch vor diesem Problem drücken sich die Naturalisten, in dem sie implizit und stillschweigend davon ausgehen, daß es eine Vernunft gibt, auf deren Schlüsse man sich verlassen kann. Und da nehme ich mir die Freiheit, dem Kind einen Namen zu geben: Der evolutive Naturalismus ist ein sich selbst widersprechender Aberglaube.
Du versuchst Dich wie Münchhausen am eigenen Schopf mit samt dem Pferd aus dem Sumpf zu ziehen. Doch das geht nicht, wie ich's Dir oben nochmals dargelegt habe.
Nein, kannst Du nicht, denn dazu müßtest Du - was Du nicht kannst - ohne den Verstand zu Hilfe zu nehmen zeigen, daß die Thesen wahr sind.
Auch das ist ein tiefphilosophisches Problem: Gem Heb 11,1 ist der Glaube das, worauf der Mensch ohne jeglichen Zweifel vertraut, ohne dafür einen letztgültigen Beweis in der Hand zu haben. Und das gilt auch für den Atheisten, denn auch er ist nicht in der Lage irgendeine Aussage letztgültig zu begründen. Denn die Begründung einer Aussage stellt wiederum eine Aussage dar. Deswegen bleiben zur Letztbegründung nur drei Möglichkeiten übrig:
1. Jede Aussage wird wieder begründet und das bis ins Unendliche.
2. Irgend eine zur Begründung hergenommene Aussage ist bereits begründet worden, womit ein Zirkelschluß vorliegt.
3. Irgend eine Aussage wird als nicht mehr weiter hinterfragbar vorausgesetzt, auf der alle anderen Aussagen ruhen. Solch eine Aussage wird Dogma genannt.
Nun 1. ist unmöglich, 2. ist unlauter - es bleibt also nur noch 3. das Dogma übrig. Und so beweist dieses philosophische Münchhausen-Trilemma, daß jeder vernunftmäßig agierende Mensch auch glaubt. Oder, wie ich Dir schon schrieb: Der Glaube ist eine Größe des Verstandes.
alma5

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