Lieber Klaus,
Du bist für mich vorbildlich bezüglich Freundlichkeit und bezüglich dem Respekt, den Du anderen und auch mir entgegen bringst. Vielen Dank dafür. Gleichzeitig vertrittst Du klar Deine Position. Ich empfinde Dich auch als einen angenehmen Bruder im Herrn.
Ich stimme einigen Deiner Ausführungen im Grunde zu und kann Deine Sichtweise nachvollziehen. Es war früher auch ziemlich genau meine eigene.
Jedoch habe ich mich früh gefragt, was mit all den Milliarden Menschen geschehen mag, die den schmalen Weg nicht finden?
Erstaunlicher Weise habe ich zig, ja hunderte von Bibelstellen gefunden, die eine Sichtweise der Allaussöhnungstheologie zulassen. Es sind sehr oft Nebensätze oder kleinste Details, die eine Allversöhnungstheologie begründen.
Ich erlaube mir, kurz auf einige Deiner Bemerkungen einzugehen:
Allein schon 1. Tim. 4,9-11 führt mich in eine klare paulinische Realität. Diese Aussage glaube ich.
Es muß also etwas geben, was hinter den normalen Aussagen zu Glaube und Unglaube der Menschen steht. Diese Aussagen werden mehr und mehr und von zunehmend mehr Gläubigen frei gelegt. Als unrealistisch empfinde ich nicht die späte Gnade nach Gerichten Gottes gegenüber auch den anderen Sündern allein aus Gnade, sondern eine Milliarden Jahre andauernde Quälhölle eines ewig zürnenden Gottes.
Was ist daran gerecht, wenn ich allein aus Gnaden gerettet werde, sehr viele Andere aber nicht? Jesus allein ist die Ursache jeder Errettung.
Deswegen sagt Paulus im Römerbrief uneinschränkend:
Röm. 11
32 Denn Gott hat alle miteinander in den Unglauben verschlossen, damit er sich aller erbarme.
Kannst du da so einfach drüber weg gehen?
Nein. Das ist voll zutreffend. Aber die klassischen christlichen Vorstellungen lassen folgende Gedanken nach den Gerichten Gottes nicht zu:
Jesaja 57
16 Denn ich hadere nicht ewig und zürne nicht ohne Ende,denn ihr Geist würde vor mir verschmachten und die Seelen, die ich gemacht habe
Klagelieder 3
31 Denn der HERR verstößt nicht ewiglich; 32 sondern er betrübt wohl, und erbarmt sich wieder nach seiner Güte.
Die letzten beiden Bibelverse setzen eine Umkehr voraus. Genau die ist einmal auch für den zuvor ungläubigen Teil der Menschheit schon in Jesaja angekündigt und wird sich erfüllen:
Jesaja 45
22 Wendet euch zu mir, so werdet ihr gerettet, aller Welt Enden; denn ich bin Gott und keiner sonst! 23 Ich schwöre bei mir selbst, Gerechtigkeit geht aus meinem Munde, ein Wort, das nicht zurückgenommen wird: Mir soll sich beugen jedes Knie und schwören jede Zunge. 24 Nur im HERRN (so wird man sagen) habe ich Gerechtigkeit und Stärke. Zu ihm werden kommen und sich schämen müssen alle, die ihm widerstrebt haben.
Auch hier zuerst die Aufforderung der Zuwendung zu Gott, dann aber auch die Verheißung, dass dies sich auch genau so erfüllen wird. Alle Menschen werden Gott ehren und anbeten aus Dankbarkeit über einen gnädigen, liebenden und barmherzigen Gott.
Vom Gericht Gottes heißt es:
Hebr 10,31 Es ist schrecklich, in die Hände des lebendigen Gottes zu fallen!
Das Gericht für vormals Ungläubige wird also schrecklich ausfallen. Aber es dauert nicht endlos lange (s.o).
Dieses Gericht führt dazu, dass alle Ungläubigen dann umsinnen und Gott danken werden. Wofür? Für die Gnade, die Gott auch ihnen erweisen wird in und durch Christus Jesus:
Alle Menschen aus allen Völkern und Nationen werden einmal den einen Gott anbeten und ihn loben:
Römer 15
8 Ich sage aber, daß Jesus Christus ein Diener der Beschneidung geworden ist um der Wahrhaftigkeit Gottes willen, um die Verheißungen an die Väter zu bestätigen, 9 daß aber die Heiden Gott loben sollen um der Barmherzigkeit willen, wie geschrieben steht: »Darum will ich dich preisen unter den Heiden und deinem Namen lobsingen!« 10 Und wiederum heißt es: »Freut euch, ihr Heiden, mit seinem Volk!« 11 Und wiederum: »Lobt den Herrn, alle Heiden, und preist ihn, alle Völker!« 12 Und wiederum spricht Jesaja: »Es wird kommen die Wurzel Isais und der, welcher aufsteht, um über die Heiden zu herrschen; auf ihn werden die Heiden hoffen«.
Dies ist bereits im AT vorhergesagt:
Psalm 145
9 Der Herr ist gütig gegen alle, und seine Barmherzigkeit waltet über allen seinen Werken. 10 Alle deine Werke werden dich loben
Ps 86,9
Alle Völker, die du gemacht hast, werden kommen und vor dir anbeten, o Herr, und deinem Namen Ehre geben
Ps 102,23
wenn die Völker sich versammeln allesamt und die Königreiche, um dem Herrn zu dienen.
Jes 25,6
Und der Herr der Heerscharen wird auf diesem Berg allen Völkern ein Mahl von fetten Speisen bereiten, ein Mahl von alten Weinen, von fetten, markigen Speisen, von alten, geläuterten Weinen. 7 Und er wird auf diesem Berg die Schleierhülle wegnehmen1, die alle Völker verhüllt, und die Decke, womit alle Nationen bedeckt sind. 8 Er wird den Tod auf ewig verschlingen.
Jes 56,7
die will ich zu meinem heiligen Berg führen und sie in meinem Bethaus erfreuen; ihre Brandopfer und Schlachtopfer sollen wohlgefällig sein auf meinem Altar; denn mein Haus soll ein Bethaus für alle Völker genannt werden.
Nach obigem biblischen Bericht werden einmal alle Völker in ihrer Gesamtheit Gott loben und anbeten.
Dagegen sprechen sich wesentlich mehr Bibelstellen, ja, eigentlich das gesamte AT und NT, eine, für mein Glaubensverständnis sehr deutliche Sprache gegen eine
Allversöhnung durch Gott.
Wenn man bessere Übersetzungen nimmt und nicht gerade die Lutherübersetzung wählt, dann finden sich erheblich weniger eindeutige Höllenverse als Allversöhnungsverse. Berücksichtigt man noch die Fragen bezüglich der Übersetzungen in "Hölle"(Gehenna), "Verdammnis" (Verurteilung) und "ewig"(meistens undefiniert lange Zeit), dann wird es aus meiner Sicht ganz eindeutig, dass es eine begründete Hoffnung auf Allaussöhnung gibt.
Liebe Grüße
Harry

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