Ob in einer christlichen Gemeinde, in der Politik, in einem Verein...
grundsätzlich gibt es überall Probleme,
wenn das Reden und Handeln der führenden Personen nicht hinterfragt werden darf (oder kann).
Menschen mit einer vom Mainstream abweichenden Meinung oder Haltung haben es stets schwer, in der Gemeinschaft akzeptiert zu werden. In der Politik bilden diese dann die Opposition (so lange, bis sie selbst die Macht übernehmen).
In Vereinen führt dies manchmal zu Grabenkämpfen, Misstrauensanträgen, Rücktritten und vorgezogenen Vorstandswahlen.
In christlichen Gemeinden ist man da freundlicher zueinander: die älteren oder theologisch sattelfesteren Brüder und Schwestern erklären den kritisch Hinterfragenden und Andersdenkenden, dass deren Sichtweise nicht biblich sei und legen es ihnen eindringlich nahe, sich zu ändern.
Das mag im Einzelfall auch richtig sein.
Aber grundsätzlich habe auch ich oft den Eindruck, dass gerade viele sog. "bibelfeste" Christen nicht bereit sind, ihre Meinung hinterfragen zu lassen und sich kritischen Fragen ernsthaft zu stellen. Dies mag daher kommen, weil nicht anderes so eng mit unserem "eigenen ich" und unserer tiefsten inneren Überzeugung verbunden ist wie unser Glaube (gilt für alle Richtungen einschließlich "Atheisten"). Denn ein "Rütteln am Glaubensgebäude" kommt einem "Rütteln am eigenen Selbstverständlis" gleich - und das hat niemand gerne.
Daraus ergeben sich unterschiedliche Folgen:
eher selbstbewusste kritische Menschen verlassen die Gemeinde - und übertragen ihre Negativerlebnisse schnell auf alle Glaubensfragen und -richtungen,
bei eher schüchternen, unsicheren Menschen werden Selbstzweifel und Schuldgefühle eher noch verstärkt, weil sie ja ganz offensichtlich nicht zu den "Gesegneten" gehören.

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