Ja, aus dieser Grundhaltung folgt leider nachweislich und zwingend Murks.
Inwiefern über das Besprochene hinaus, ein göttliches Wirken in der Welt gesehen wird, ist eine Angelegenheit des jeweiligen Weltzugangs, sprich: des persönlichen Glaubens. Hierfür muss aber nicht der wissenschaftliche Methodenkanon (und damit beziehe ich mich nicht nur die NaWis) herhalten und als defizitär behauptet werden.
Niemand bestreitet, daß Menschen Bedeutungen in die Dinge der Welt legen.
Es ist überhaupt eher eine Frage des Charakters und der persönlichen Empfindsamkeit, ob man in dieser Welt Wunder entdecken kann. Man kann diese Wunder allenthalben sehen, auch wenn man sich ihr rational und wissenschaftlich nähert. Ich möchte sogar kühn behaupten: gerade dann. Ein mythischer Zugang zur Welt ist dafür nicht die zwingende Voraussetzung.
Ich glaube zutiefst nicht, daß ich eine unsterbliche immaterielle Seele habe, die mit wissenschaftlichen Apparaturen nicht messbar oder zumindest feststellbar ist oder, daß der liebe Gott das Weltgeschehen - dessen Teil wir alle sind - in irgendeiner halbgeheimnisvollen Weise führt. Dennoch ist jedes menschliche Gehirn in meinen Augen ein Wunderwerk, welches das noch größere Wunder des Bewusstseins offenkundig irgendwie hervorbingt. Auch, wenn es nicht von Gott stammt, sondern ein Produkt der Evolution ist, bleibt das für mich ein "Wunder" fast im buchtsäblichen Sinne, dem ich zutiefst ergriffen und staunend gegenüber stehe.
Wunder beruhen nicht darauf, daß Naturgesetze gebrochen werden. Das sind dann lediglich Mirakel, und für die sind die Zauberkünstler zuständig.
Wie diesem Gehirn eine Kantate Bachs entspringen kann oder ein komplizierter, mathematischer Beweis oder komplexe Theorien über das Universum oder so etwas wie Transzendentalphilosophie oder die Bilder eines Giotto oder Paul Klee: das ist für mich das eigentliche Wunder.
Das ist ja nun - meiner Ansicht nach - keine historische Tatsache, sondern eben genau jene Art von Bedeutungszuschreibung, von der ich sprach. Aber immerhin ein gutes Beispiel, daß es der redliche religiöse Mensch nicht lassen kann, Mirakel in die Erscheinungswelt zu pressen - und sei es nur ein einziges Mal :) Damit sind wir erneut bei der besprochenen Grundhaltung, aus der immer zwingend Murks folgen muss.
Der Religionswissenschaftler Lee Siegel hat, in einem weiterem Zusammenhang, etwas sehr amüsantes bemerkt. In dem Nachwort zu seinem Buch über Straßenmagie in Indien (Net of Magic. Wonders and Deceptions in India, 1991) schreibt er:
(S. 425)

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