Ich möchte da nur an die Galater erinnern: Paulus ist so entsetzt über das, was die da vertreten, dass man es ganz klar im Brief merkt (es fehlt zB der Dank für die Gemeinde und er beginnt sofort nach dem Gruß mit "Ich bin erstaunt ...").
Und was hat dieses Entsetzen hervorgerufen? Sind sie von Christus abgefallen?
Nein, sie meinten nur eines, nämlich dass sich jeder Christ beschneiden lassen müsse.
Klingt ja eigentlich recht harmlos (auch wenn die Implikationen natürlich schon etwas größer sind).
Aber die Worte, die er findet, sind:
Galater 1:7f "Doch es gibt kein anderes Evangelium, es gibt nur einige Leute, die euch verwirren und die das Evangelium Christi verfälschen wollen. Wer euch aber ein anderes Evangelium verkündigt, als wir euch verkündigt haben, der sei verflucht, auch wenn wir selbst es wären oder ein Engel vom Himmel."
Für mich heißt das primär eines: Wir können die wahre Lehre (zumindest in den wichtigen Fragen) gut erkennen.
Ich weiß nicht, welche Übersetzung Du verwendest, aber in keiner, die ich habe, kommt in Heb 11:1 "vertrauen" vor:
Einheitsübersetzung "Glaube aber ist: Feststehen in dem, was man erhofft, Überzeugtsein von Dingen, die man nicht sieht."
Elberfelder "Der Glaube aber ist eine Verwirklichung dessen, was man hofft, ein Überführtsein von Dingen, die man nicht sieht."
Luther "Es ist aber der Glaube eine feste Zuversicht auf das, was man hofft, und ein Nichtzweifeln an dem, was man nicht sieht."
Schlachter "Es ist aber der Glaube ein Beharren auf dem, was man hofft, eine Überzeugung von Tatsachen, die man nicht sieht."
Münchner " Es ist aber (der) Glaube Grundlage (des) Erhofften, ein Überführtsein von nicht schaubaren Dingen."
Und das ist genau der Punkt: Feste Zuversicht, Beharren, Feststehen, Überzeugtsein.
Die Beispiele, die der Schreiber dann bringt, sind (fast) immer: Gott sagt etwas, und die Glaubenden handeln danach.
Natürlich ist das Vertrauen, das stimmt schon. Aber es geht hier nicht nur um Vertrauen zu einer Person, sondern auch zu dem, was sie sagt - auch wenn es nicht 100% ins eigene Konzept passt.
Nimm Vers 28: "[Mose] vollzog das Pascha". Ich denke, es gibt hier Leute, die hätten an seiner Stelle gesagt: "Weil Gott die Liebe ist, kann er doch den Erstgeborenen der Ägypter nichts antun, also müssen wir auch nicht Blut auf unsere Türpfosten streichen, um *unsere* Erstgeborenen zu schützen".
Man kann aber nur raten, wie *dann* die Geschichte Israels weitergegangen wäre.
Ich weiß ja, dass viele AVler diesen Blickwinkel auch haben - wäre ja sonst auch Jesu Tod am Kreuz total sinnlos. Das finde ich ja auch gut - und ich finde es auch gut, dass man soweit Gemeinsamkeiten hat - sonst könnten wir auch gar nicht diskutieren.
Nur: Mein Problem ist nicht der andere Blickwinkel, sondern dass es mir einfach unmöglich ist, die Nicht-AV-Stellen mit AV in Einklang zu bringen.
Sicher, wegerklären könnte ich alles, das geht mit jedem deutschen Satz, mit jedem Text. Aber ich sehe den Gesamtkontext der Schrift, ich sehe die einzelnen Betonungen - und da kann ich einfach nicht anders argumentieren.
Ich wiederhole es gerne nocheinmal: Schau Dir die Stellen an, die vom Schicksal nach dem Tod einzelner reden oder überhaupt von Menschen: Es ist immer von einer Zweiteilung die Rede. Und es ist nie davon die Rede, dass die Strafe einmal beendet wird, es ist nie davon die Rede, dass die Strafe nur temporär ist.
Die AV schließt das nur aus ein paar Paulusstellen, die (meiner Meinung nach) etwas freier mit dem Wort "alle" umgehen.
Aber wenn AV wahr wäre, dann wäre einfach die Bibel voll davon. Man kann nicht sagen, dass die Psalmisten schon davon wussten, aber Jesus nur ein, zwei Andeutungen machte und Paulus es auch immer wieder vergißt, wenn er vom ewigen Verderben spricht. Das ist einfach nicht logisch.
Wie gesagt, natürlich kann man das überall reinerklären - aber es muss sich für uns immer die Frage stellen: Was wollte der Schreiber mit dem Text aussagen und wie hat man ihn damals verstanden. Und da ist kein Platz für AV, und das ist der Grund, warum ich sie ablehne. Nicht, weil ich Probleme mit einer AV aller Menschen hätte, nicht, weil ich nicht an die große Liebe Gottes glauben würde, nicht, weil ich etwas besseres sein will, sondern nur deswegen: Die Schrift lässt es einfach nicht zu.

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