Hallo Heike,
Dagegen stelle ich: Dankbarkeit versus Unselbständigkeit.
Ja, solche Situationen kenne ich, und ich weiß auch, dass man einen solchen Lichtblick in dem Moment, wo er kommt, als eine Art "Wunder" empfindet.
Bei sorgfältiger Analyse hinterher, als etwas Abstand zu diesem Ereignis da war, erwies es sich aber dann doch immer als einfache Folge einer Verkettung von Ereignissen, oder als Folge der temporären "Betriebsblindheit" - eigentlich stehen wir ja nie in Räumen ohne Fenster und Türen, wir sehen sie zeitweise nur nicht. Ist es also ein Wunder, wenn wir erkennen, was ohnehin schon da ist? Ich glaube nicht. Wohl aber, dass Gott einen Perspektivwechsel anschubsen mag. Das hat mit einem Wunder aber noch nichts zu tun.
Von Wundern hört man da eher selten. Eher von Katastrophen. Die beunruhigen mich selten, ich bin kein Mensch, der sich durch seine Empathie auszeichnet.
ich schätze mal, dass christen einfach eine ecke dankbarer für kleinigkeiten sind, als es nicht-christen sind. wenn wunderbare dinge nicht von GOTT kommen, dann braucht man auch nicht dankbar sein. das ist dann einfach blanker zufall.
Ich habe leider schon mehrmals Christen erlebt, die so reagieren, wie von mir beschrieben. Bei Wundern, und gern auch beim Thema "Geistesgaben".
Eine Frage zum Verständnis: Wieso setzt du (und nicht nur du) den Begriff "Nichtchrist" immer gleich mit jemandem, der nicht an Gott glaubt? Wenn ich nur jene meinte, dann hätte ich Atheisten geschrieben.
Ich schreibe aber bewusst "Nichtchristen", weil es noch andere gibt, außer Christen, die an Gott glauben. Juden zum Beispiel...
Nicht die Nichtchristen haben dieses Gottesbild, sondern das, was jene Christen verbreiten, die solche Schlüsselbundgeschichten erzählen, erwecken auf sie den Eindruck, ein solches Bild zu haben.
Nur solange, bis sie es selbst konnten. Meinem 7 Monate alten Sohn putze ich den hintern, aber meinem fast 35 Jahre alten Sohn natürlich nicht.
Aus demselben Grund: Weil sie in der Lage sind, ihren Schlüsselbund auch selbst wiederzufinden. Für solche Dinge, die Bewältigung des alltäglichen Lebens, hat Gott ihnen u.a. einen Verstand gegeben. Ein Gehirn. Ein Gedächtnis. Das dürfen wir benutzen, das ist Gottes Hilfe in solchen Angelegenheiten.
Auch hier wieder die Verständnisfrage, wie du darauf kommst, dass Gott für alle Nichtchristen unwichtig ist.
Ich bin auch Nichtchrist.
An Gott zu glauben heißt nicht automatisch, dass man Christ ist.
Meine Rede! Und, ergänzend: Wenn wir die Fähigkeiten besser nutzen würden, mit denen er uns ausgestattet hat.
Nun, ich finde es schon höhnisch und egozentrisch, sich hinzustellen, und zu sagen, dass man Gott so wichtig ist, dass er einem sogar verlorene Gegenstände sucht, während andere Menschen mit wirklichen Problemen (z.B. schweren Krankheiten) betend und händeringend auf ein Wunder warten, und nichts passiert. Die müssen doch dann denken: Das Portemonnaie des anderen war Gott wohl wichtiger, als meine Genesung.
Ich wäre immer vorsichtig mit solchen Darstellungen, wie Gott bis in alltägliche Kleinigkeiten in meinem Leben (angeblich) wirkt, denn das hat immer den schalen Beigeschmack von "sehr her, ich bin gesegneter, als andere" (da er anderen ja offensichtlich nicht so hilft).
Ich bin sicher, irgendwann wird hier bei Jesus.de noch ein Bericht auftauchen: Gott wäscht mir meine Wäsche, Gott erledigt meinen Wocheneinkauf. Gott schneidet mir die Zehennägel.
Nun, Gott um die Suche nach einem verlorenen Gegenstand zu bitten, finde ich recht undankbar. Das Danken sollte meines Erachtens schon da beginnen, dass man erkennt, welch vergleichsweise nichtige Probleme wir doch hier in unserem Wohlstand haben, und dafür kann man schon danken, anstatt zu bitten.
Andere Leute haben nicht einmal Geld, und wir gehen Gott schon wegen eines verbummelten Portemonnaies an? Das ist keine Demut, das ist Dekadenz. Und dass wir uns solche Dekadenz überhaupt leisten können, dafür sollten wir dankbar sein, anstatt für nochmehr Lebenserleichterung, nochmehr alltäglichen Luxus zu beten.
Ich komme aus einem Glauben, in dem Demut und Dankbarkeit großgeschrieben werden. Wir preisen sogar Gott, wenn einer von uns gestorben ist, wiewohl wir auch trauern dürfen und sollen. Wir danken Gott, weil wir jetzt hierstehen und beten können. Weil wir ein Dach über dem Kopf und hoffentlich genug zu essen haben. Und wenn wir bitten, dann bitten wir dafür, dass es allen anderen auch so gut gehen möge, wie uns.
Nach verlorenen Schlüsselbunden fragen wir nicht. Wir danken stattdessen, dass wir ein Haus haben, für das es den Schlüssel gibt.
Deshalb verstehe ich solche Geschichten nicht. Denn Demut finde ich darin keine.
Beste Grüße
Mo

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