Wieder mal ein neuer Aufreger, der jenseits seiner Kernaussage sehr viel über den geistigen Zustand unserer Gesellschaft sagt:
http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,812950,00.html
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Man mag zu Frau Steinbach stehen wie man will, ihr statement ist garnicht so falsch. Natürlich fühlen sich heutige Linke sofort provoziert, wenn man die damaligen Nazis in die Nähe ihrer eigenen Idole und Überzeugungen bringt. Wer Mao, Lenin, Stalin usw. für seine Vorbilder hält, der ist als Gegner einer Nazidikatur nicht so recht überzeugend.
Das Problem liegt wohl darin, die NSDAP einzustufen. Man kann nun wirklich nicht behaupten, dass das die NSDAP eine konservative Partei war. Dann hätte man doch gleich den Kaiser wieder holen müssen, was keiner wollte.
Breite Strömungen innerhalb der Partei waren durchaus sozialrevolutionär und der Parteiname für sie nicht nur eine Hausnummer. Die Idee von der Volksgemeinschaft gehört da zentral mit rein. Dass sich letztlich Hitler mit den alten Eliten und der Reichswehr arrangierte, sagt nichts über die Ausrichtung innerhalb der gesamten Partei aus. Die sozialrevolutionären Elemente sind schließlich nach dem sogenannten Röhmputsch ausgeschaltet, einige sogar ermordet worden. Hitler versuchte immer einem bürgerlichen Ideal nachzujagen, das er bisher selbst nie erreichen konnte, er lebte schließlich selbst eher eine asoziale Existenz. Dass sich der durchaus in die linke Ecke gehörende Antikapitalismus im Judenhass ausdrückte, unterscheidet die Nazis nicht grundsätzlich von der Geisteshaltung unter Stalin - und der müsste doch rein theoretisch links gewesen sein, oder?
Wahrscheinlich haben wir heute etwas die Orientierung verloren. Rechts ist gleich Nazi, Links ist progressiv, liberal (?) und per se positiv, was beides falscher nicht sein könnte.
Tatsächlich sind nicht wenige kommunistische Regime wesentlich reaktionärer als jede Monarchie gewesen. Den Linken ist sowas natürlich stets unbequem. Auch in diesem Punkt ist Frau Steinbach zuzustimmen. Es kommt immer darauf an, was die Leute getan haben, nicht zu welchen Ideen sie sich bekannten.
Das Problem liegt in Deutschland nicht zuletzt daran, dass es längst keine rechtskonservative Partei mehr gibt. Selbst die NPD ist in der Nachfolge der NSDAP ein ganzes Stück weiter links als diese Position einzustufen.
Eine kleiner Nachsatz. Streng genommen waren die Nazis noch nicht mal richtig konsequente Nationalisten. Wie anders kann man sich erklären, dass sie mit Italien kooperierten, dass Deutschland im 1. Weltkrieg verraten hatte und das die südtiroler Bevölkerung gängelte? Aus nationalistischer Sicht hätte nach dem Anschluss des Sudetenlandes und Österreichs der von Südtirol folgen müssen. Das Gegenteil war der Fall und man kann daran ablesen, worum es dem Regime eigentlich ging: man wollte sich bereichern und alle anderen sollten dafür zahlen, mit ihrem Habe und mit ihrem Leben.
Grüße
Dr. S.

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