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vierhaustein

Umgang mit emotionalen, sensiblen Kindern

11.01.2012 13:24 Uhr     zu diesem Beitrag scrollen Beiträge von Aimeric im Baum nicht mehr markieren

Hallo zusammen,

aus Interesse und auch aus Gründen der Vergangenheitsbewältigung beschäftigt mich gerade ein Thema:
Der Umgang mit emotional sehr sensiblen Kindern - oder wie man sie früher nannte: "Heulsusen".

Ich wurde ja in den 60er und frühen 70er Jahren sozialisiert.
Und ich war eine Heulsuse.
Das galt damals als großer Makel - als Junge sowieso, aber auch für Mädchen (meine Schwester berichtet von den gleichen Erfahrungen). Dass man damit bei den anderen Kindern einen schweren Stand hatte, ist klar.
Aber auch von sämtlichen Lehrern, Erziehern und anderen Erwachsenen (Nachbarn, Eltern von Freunden) wurde es stets als tadelnswertes Verhalten betrachtet, wenn man schnell in Tränen ausbrach. Da wurde man oft aufgezogen und nicht selten mit zynischen Kommentaren versehen (Heulsuse, Memme) und wurde dazu angehalten, sich dieses Verhalten bitte abzugewöhnen.
Auch bei Einnässen in der Öffentlichkeit bestand die folgende Erziehungsmaßnahme darin, dass die Lehrerin die anderen Kinder dazu anhielt, mit dem Finger auf das Kind zu zeigen und es kollektiv auszulachen. Sowas prägt fürs Leben.

Nach den Gründen für ein solches Verhalten eines Kindes wurde übrigens nie gefragt. Man galt einfach als schlecht und nicht konsequent genug erzogen und zu sehr verweichlicht (dabei war der Grund bei mir genau das Gegenteil - es gab jeden Tag Prügel).

Später bei meinen Söhnen (Jahrgang 77 und 80) wurde das ganze eigentlich immernoch so gehandhabt. Glücklicherweise waren meine Jungs selbst nicht betroffen, aber sie berichteten ja, wenn es bei anderen Schülern zu solchen Vorfällen kam - mit nicht wenig Verachtung, denn so wurde es ihnen schließlich suggeriert und ich widersprach nicht, weil ich es damals auch für ein Verhalten hielt, für das man sich schämen sollte (und natürlich hätte ich nie zugegeben, dass ich selbst so einer war).

Mittlerweile denke ich darüber aber anders, und mir ist aufgefallen, dass heutzutage das Verhalten eines Kindes, bzw. dessen Gründe, vielmehr hinterfragt und berücksichtigt werden.
Mit meinen jüngeren Kindern kann ich noch nicht von Erfahrungen mit diesem Verhalten berichten, die Große hat noch nichts dergleichen berichtet und die anderen sind vielleicht noch zu klein.

Wie geht ihr mit solchen Kindern um, und wisst ihr, wie heute in Kindergärten und Schulen damit umgegangen wird?
Gibt es noch den Tadel dafür, gibt es noch kollektives Auslachen und ähnliche Methoden?

Sollte man die Kinder gewähren lassen, oder bestärkt man sie damit in ihrer emotionalen Instabilität? Wäre das nicht kritisch in der heutigen Ellenbogengesellschaft?

Wenn man es ihnen abgewöhnen sollte- gibt es dafür überhaupt einen Weg ohne psychische Grausamkeit?

Wie seht ihr solche Kinder, habt ihr vielleicht selbst welche?

Ich bin sehr gespannt auf eure Antworten.

Beste Grüße
Mo

Labels:  Erziehung   Emotionalität   Sozialisierung 

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