Hallo allerseits,
es war ja gerade Allianzgebetswoche, wo man einige Einblicke bekam und sich so seine Gedanken darüber macht. Um gleich vorneweg eines klarzustellen: Ich bin nicht der Ansicht, dass es in jeder Landeskirche so aussieht wie bei uns, ich kenne auch Kirchgemeinden, wo das völlig anders ist. Außerdem möchte ich hier bitte keine Diskussion über verschiedene Lehrmeinungen, darum geht es nicht - führt nur zu Streit
Damit mal zum Thema:
Schon länger beschäftigt mich die Frage der Verbindlichkeit in Bezug auf die eigene Gemeinde. Vemehrt fiel mir jetzt bei der Landeskirche im Nachbarort auf, dass die meisten Mitglieder nur da sind, wenn sie eine konkrete Aufgabe haben - Lesung, Dank für die Kollekte, Kantorendienst, Bläser, Chor... Mich hat das wirklich ein bisschen erschüttert: Beim gemeinsamen Abschlussgottesdienst am Sonntag in genau dieser Kirche waren aus den eigenen Reihen 15 Leute da: Kantorin, Liturg, Kollekten-Dankerin, Begrüßungsdienst, Diakon plus zehn weitere Leute, davon waren drei Ehepartner der Beteiligten. Die anderen waren quasi die "Stammbesetzung" - zwei alte Ehepaare, eine Frau mit Kind. Alle anderen, beispielsweise sämtliche Chormitglieder, Jugendgruppenbesucher, Kirchenvorstandsmitglieder, Bläser waren nicht zugegen. Leider keine Ausnahme, sondern in den beiden Kirchen hier im Umkreis der Normalzustand. "Wenn ich dran bin, komme ich selbstverständlich" - so die Aussage meiner Nachbarin, die da ab und zu mal die Lesung hat. Sonst kommt sie, ebenso selbstverständlich, natürlich nicht.
Mir stellte sich deshalb die Frage, wieso das in einigen Gemeinden so ist. Worin liegt der Grund für diese mittlerweile selbstverständlich gewordene Einstellung, dass man eben nur da ist, wenn man seine Pflicht zu erfüllen hat? Warum macht man das überhaupt noch, wenn man doch den Rest der Zeit kein Interesse an kirchlichen Aktivitäten oder gar Gottesdiensten hat? Gerade hier bei uns scheint Kirche wirklich zum Dienstleistungsunternehmen degradiert worden zu sein: An Hobby-Veranstaltungen nimmt man gerne teil (Seniorensport, Chor und so weiter), Weihnachten erwartet man ein tolles Krippenspiel, alles andere - nein danke. Ich finde das echt traurig.
Auch hier im Forum habe ich jetzt schon öfter gehört, dass man sich über die Erwartungshaltung der eigenen Gemeinde aufregt. Nach dem Motto: "Sollen sich freuen, wenn ich da bin, und wenn ich nicht da bin, sollen sie gefälligst nicht nachfragen, warum." Da wird schon die einfache Nachfrage, warum man die letzten drei Wochen denn nicht im Gottesdienst war, als zu großer Eingriff ins Privatleben gewertet.
Deshalb mal die Frage an euch: Was denkt ihr diesbezüglich? Wie viel Verbindlichkeit kann, darf, sollte eine Gemeinde erwarten können? Warum? Warum nicht? Ist euch selber sowas völlig egal? Gibt es bei euch ähnliche Entwicklungen? Was glaubt ihr, woran das liegt? Sollte man es ändern? Und wenn ja: Wie?
Bin gespannt! Viele Grüße!

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