Vielleicht zunächst eine etwas komisch anmutende Frage, hinter der aber mehr stecken mag als man zunächst vermuten möchte...
Prinzipiell geht es zunächst um die schon oft diskutierte Frage "Wer ist ein echter Christ?" - eine Frage, die natürlich nicht ganz unwesentlich sowohl für das eigene christliche Verständnis wie auch für die Wahrnehmung von Christen durch Aussenstehende ist.
Werden zum Beispiel die berüchtigten Kreuzzüge als Auswüchse des christlichen Glaubens kritisiert heisst es nicht selten: "Das sind ja auch keine echten Christen gewesen!". Kritisiert man den Glauben der Mormonen oder der Zeugen Jehovas bekommt man ähnliches zu hören. Und auch bei christlichen Institutionen wie den Piusbrüdern oder dem Opus Dei - wie überhaupt der katholischen Kirche als solcher - gehen viele Christen auf Distanz... so wie umgekehrt auch die katholische Kirche für sich gerne das Recht beansprucht, eine verbindliche Auslegung des christlichen Glaubens treffen zu können.
Aber wer ist hier denn nun eigentlich wirklich berechtigt, eine verbindliche Aussage zu treffen?
Ist es die Bibel?
Das wäre natürlich das naheliegendste. Das dumme ist nur, dass sich praktisch jede "christliche" Organisation oder Sekte in irgend einer Weise auf die Bibel beruft. Eine klare Unterscheidung fällt damit aus... zumal auch die eigentliche Autorität, nämlich Jesus, sich lediglich auf das AT beruft. Eine Auslegung des NT durch ihn fehlt leider...
Wobei wir schon beim nächsten wären:
Jesus/Gott entscheidet das letztlich!
Dem werden - in seltener Eintracht - vermutlich alle Leute zustimmen die sich "Christen" nennen. Das Problem ist nur, dass man hier wieder nur auf die Aussagen der Bibel zurückgreifen kann... und die legt jeder aus wie er will...
Ist es eine christliche Institution?
Nun ja... da gibt es ja mindestens eine, und der Papst wird sicherlich schnell "hier" rufen und auf die katholische Kirche verweisen. Das dumme ist nur, dass hier ein paar Millionen Christen heftig protestieren werden... und das sind zu einem grossen Teil Leute, denen auch der Papst nicht absprechen würde, "Christen" zu sein.
Andere Organisationen fallen ähnlich flach... also auch hier: Fehlanzeige!
Jetzt bleibt allerdings nicht mehr viel...
Ist es das Einzelne Individuum?
Nun, sicherlich... jeder muss mit selbst ausmachen inwiefern er oder sie sich als "Christ" bezeichnen will und inwiefern das mit der Lehre übereinstimmt, an die man glaubt. Nur betont das Christentum ja auch Gemeinde und Gemeinschaft... bei einer rein individuellen Auslegung würde da einiges unter den Tisch fallen. Von einem "Christentum" als solchem könnte kaum noch die Rede sein.
Was bleibt dann aber noch?
Mit welchem Recht kann sich ein einzelner Christ überhaupt darauf berufen, dass bestimmte Leute keine Christen sind?
Mit welchem Recht kann zum Beispiel gesagt werden, dass die Kreuzritter keine Christen waren? Oder jene Inquistoren, die tatsächlich der Ansicht waren den Teufel zu bekämpfen, indem sie Menschen auf den Scheiterhaufen brachten?
Wer kann darüber befinden, dass ihre Ansichten und ihre Bibelauslegungen tatsächlich falsch waren?
Solche Aussagen werden grade hier im Forum häufig getan und mit einer gewissen Selbstverständlichkeit hingenommen... aber mit welchem Recht eigentlich...?

Foren-Übersicht
Alle Themen dieses Forums
Neues Thema







