Spendenprojekt ora Kinderhilfe Sierra Leone
Scheckübergabe durch Jesus.de-Leiter Daniel Wildraut (rechts) an Jochen Hackstein (li.) und Carmen Schöngraf von der ora Kinderhilfe (Foto: Jesus.de)
„Sie haben gesungen und getanzt.“ Die Rede ist von den Frauen „unserer“ Zukunftsbäckerei in Sierra Leone. Zehn Prozent aller Spenden, die wir im zweiten Halbjahr 2017 für Jesus.de erhalten haben, geben wir wie versprochen für dieses Projekt der ora Kinderhilfe – insgesamt 4.000 Euro. Herzlichen Dank dafür!

„Die Freude vor Ort in Sierra Leone kennt gerade keine Grenzen“, erzählt Jochen Hackstein, Vorstand der ora Kinderhilfe begeistert. „Ich danke allen Spenderinnen und Spendern von Herzen für ihre Großzügigkeit. Es tut gut zu wissen, dass uns die Nutzer und Unterstützer von Jesus.de bei unserer Entwicklungszusammenarbeit zur Seite stehen. Diese Spenden helfen uns sehr, dass Projekt einen weiteren Schritt voranzubringen.“

Mit den 4.000 Euro von Jesus.de sollen nicht nur weitere Backutensilien angeschafft, sondern auch kleiner Laden in der Hauptstadt Freetown angemietet werden. „Beim täglichen Verkauf der Backwaren haben wir bemerkt, dass die Lagerung und die Präsentation der Erzeugnisse professioneller werden muss“, berichtet Glorius Salamatu Bah, der Projektverantwortliche vor Ort in Sierra Leone. „Daher brauchen wir ein Geschäft, in das die Kunden gehen können. Außerdem schaffen wir so wieder weitere Arbeitsplätze, denn in dem Geschäft werden wir Verkäuferinnen und Reinigungskräfte benötigen. Vielleicht auch einen Fahrer, der die Backwaren täglich von der Bäckerei nach Freetown liefert.“

Foto: ora Kinderhilfe

Sierra Leone ist eines der zehn ärmsten Länder der Welt. In den Jahren 1991 bis 2002 versank das Land im Bürgerkrieg, 2014 und 2015 traf eine Ebola-Epidemie die Menschen hart. „Uns war klar, dass es hier mehr braucht, als lediglich ein ‚Pflaster‘“, so Hackstein. „Die Menschen, besonders die Frauen, waren ohne Hoffnung. Sie wussten nicht, wie sie ihr Leben nach all dem Leid und den Verlusten, die sie durch den Ebola-Tod ihrer Männer, Verwandten und Kinder erlebt hatten, weiterleben sollten.“ 2016 gründete die ora Kinderhilfe deshalb in Grafton, einem Vorort der Hauptstadt Freetown, die „Zukunftsbäckerei“.

Die Möglichkeit, einen echten Beruf sowie lesen und schreiben zu lernen, habe den Frauen aus der Krise geholfen, berichtet Hackstein. „Auf einmal mussten sie morgens aufstehen, um zur Arbeit und zur Berufsschule zu gehen. Ihr Tag hat durch den regelmäßigen Unterricht und das Arbeiten in der Bäckerei eine feste, verlässliche Struktur bekommen. Ihre Kinder sind ora-Patenkinder geworden und können seitdem regelmäßig zur Schule gehen.“

Zukunftsbäckerei in Sierra Leone
Foto: ora Kinderhilfe

Heute beschäftigt die Bäckerei 16 Auszubildende, die in vier Gruppen eingeteilt sind. Neben verschiedenen Brotsorten wird dort auch Kuchen gebacken und von den Frauen verkauft. So werden sie zusätzlich in ökonomischem Handeln geschult. Nach sechs Monaten schließt die Ausbildung mit einem Zertifikat ab – für die Landesverhältnisse ist dies ungewöhnlich und professionell. „Die Frauen schaffen sich dadurch eine Lebensgrundlage. Selbstbewusst und gut ausgebildet werden sie in die Lage versetzt, selbstständig und in Würde für ihren Lebensunterhalt zu sorgen“, erklärt Hackstein das Ziel des Entwicklungshilfeprojekts.

Die Zukunftsbäckerei hat Lovelys Leben verändert

Lovely (Foto: ora Kinderhilfe)

Die vierfache Mutter Lovely lebt mit ihrem Mann in einem kleinen Haus in Grafton. Ihr Mann arbeitet als Tagelöhner. Früher reichte das Geld hinten und vorne nicht, da er nicht jeden Tag eine bezahlte Tätigkeit fand. Die Stimmung war oft angespannt und entlud sich in Streit. Lovelys Kinder gingen nicht zur Schule, weil die Eltern die Gebühren nicht bezahlen konnten. Lovely selbst war durch die Betreuung der Kinder ans Haus gebunden.

Inzwischen hat sich viel verändert. Lovely hat seit dem Winter einen Ausbildungsplatz in der Zukunftsbäckerei. Ihre Kinder haben ora-Paten aus Deutschland bekommen und gehen nun regelmäßig in die Schule. Auch Lovely geht in die Schule. In Kursen für Erwachsene lernt sie drei Mal pro Woche Lesen, Schreiben, Rechnen, Haushaltsführung sowie Hygienemaßnahmen. Auch biblischer Unterricht gehört zum Stundenplan.

Lovely genießt den Unterricht, das Wissen erschließt ihr eine völlig neue Welt. Auch ihr Selbstbewusstsein ist gestiegen, denn nun trägt sie gleichberechtigt etwas zum Haushaltseinkommen bei. Der Verdienst, den ihre Tätigkeit in der Bäckerei bringt, bildet für die Familie eine verlässliche Einnahmequelle. „Ich profitiere so sehr von der Bäckerei“, erzählt sie dankbar. Noch zwei weitere Frauen aus der Zukunftsbäckerei, Fatmata und Wiyata, haben uns ihre Geschichte erzählt. Auch sie haben nun eine Perspektive für ihr Leben und ihre Familien.