5 Fragen, die Jesus heute noch genauso stellen würde

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Bild: pixabay_gerlat
In der Bibel finden wir viele Stellen, in denen Jesus sich nicht als der Gesetzesprediger ausgibt, sondern in denen er nachfragt. Aus echter Interesse am Menschen. Auch an uns heute. Er möchte uns Möglichkeiten eröffnen, anstatt uns einzuschränken. Eine echte Beziehung beruht eben auf Vertrauen und Ehrlichkeit. Jesus macht sich dabei sogar selbst verletzlich, wie unsere Kollegin Lydia Rieß für das Magazin DRAN NEXT herausgefunden hat. Lydia hat ein Gedankenexperiment gewagt: Was würde uns Jesus heute noch genauso fragen, wie die Jünger damals? Und was könnte er damit meinen?

„Was nützt es einem Menschen, die ganze Welt zu gewinnen, wenn er selbst dabei unheilbar Schaden nimmt?“ (Mt. 16,26)

Wieviel Welt auch immer einem Durchschnittsverdiener im ersten Jahrhundert offenstand: Die Möglichkeiten im 21. Jahrhundert toppen das um ein Vielfaches. Da ist so viel zu erleben, so viel Karriere möglich, so viel schnelles Geld zu machen, wenn man seiner Seele ein bisschen Schaden zumutet. 60-Stunden-Wochen bezahlen wir mit Angst vor morgen und innerer Leere. Jesus redet hier mit Nachdruck: Wer sein Leben retten will, wird es verlieren; wer aber sein Leben um seinetwillen verliert, wird es gewinnen. In den Augen der Welt ist das paradox. Dabei stehen uns die Beispiele vor Augen: Menschen, die scheinbar alles erreicht haben und dabei nicht glücklich geworden sind. Was den wunden Punkt noch deutlicher macht: Jesus weiß, wie viel Angst wir vor einem Verlust unseres Lebens haben, wenn wir uns ganz auf ihn einlassen.

„Wie kommt es, dass du den Splitter im Auge deines Bruder siehst, aber den Balken in deinem eigenen Auge nicht bemerkst? (Mt. 7,3)

Andere kritisieren ist immer leicht. Es ist doch so offensichtlich, was da schiefläuft und wie man das ganz leicht ändern könnte. Sicher hat man selbst auch seine Schwächen, aber für die gibt es schließlich gute Gründe. Und mal ehrlich, das bei mir sind ja eigentlich nur sympathische Macken und Ticks, die sind doch echt harmlos … Und hier sagt Jesus: Stopp! Ich bin für mich selbst verantwortlich. Mein Leben ist es, das ich auch vor Gott verantworten muss, nicht das der anderen. Es ist verlockend, die Fehler anderer zu kritisieren, damit man sich nicht mit den eigenen auseinandersetzen muss – oder sie besser schönreden kann. Aber davon wird es nicht besser. Und darum geht es: Es soll besser werden. Nicht moralischer, sondern qualitativ gut. Und damit kann ich nur bei mir selbst anfangen.

„Warum habt ihr solche Angst?“ (Mt. 8,26)

Jeder kennt Angst. Reicht das Geld am Ende des Monats noch für die Miete? Schaff ich die Abschlussprüfung, obwohl das Lernen einfach nicht geklappt hat? Wurde die Krankheit noch früh genug entdeckt, um sie zu bekämpfen? Manchmal lohnt sich da eine ganz andere Frage: Warum lasse ich zu, dass die Angst hier den Ton angibt? Jesus sagt: „Vertraue mir.“ Er versteht meine Angst. Er sagt aber auch: „Ich bin stärker. Und ich bin auf deiner Seite.“ Das heißt nicht, dass es in Wirklichkeit gar keine angsteinflößenden Dinge in unserem Leben gibt. Es heißt nur, dass wir uns ihnen nicht alleine stellen müssen. Und selbst da, wo wir scheitern und die Angst damit Recht zu bekommen scheint, sagt Jesus immer noch: „Ich bin da. Ich bin auf deiner Seite.“

„Und ihr, für wen haltet ihr mich?“ (Mt. 16,15)

Wer ist Jesus für dich? Irgendeine Antwort hast du bestimmt darauf. Die Leute damals hatten jedenfalls Ideen. Da wurden Vergleiche mit großen Propheten und geistlichen Vorbildern genannt. Schmeichelhaft – aber voll daneben. Denn Jesus ist etwas, das vorher nie dagewesen ist. Es ist normal, ein Bild von Jesus zu haben – er ist mein Beschützer, mein bester Freund, mein Befreier, … Aber in all dem lohnt es sich, Jesus auch mal wieder genau anzuschauen. Welche seiner Charakterzüge übersehe ich gerne mal? Welche sind mir unangenehm, welche verstehe ich einfach nicht? Wir dürfen Jesus nicht einfach nur für jemanden halten. Sonst machen wir ihn womöglich sehr viel kleiner, als er ist, so wie die Leute damals. Die gute Nachricht: Wir dürfen ihn kennenlernen. Und dabei immer mehr herausfinden, wer er wirklich ist.

„Simon, Sohn des Johannes, liebst du mich?“ (Joh. 21,16)

Wir leben in einer Leistungsgesellschaft. Unser Wert spiegelt sich in dem, was wir zu bieten haben – und vor allem: wie viel wir zu bieten haben. Auch in vielen Gemeinden wächst der Druck, möglichst bei allem dabei zu sein, seine „Gaben einzusetzen“ und sich vorbildlich zu verhalten. Aber zentral bleibt doch eine andere Frage: „Liebst du mich?“ Es ist keine Frage, die fordert. Sondern eine, in der Jesus sich verletzlich macht. Er wünscht sich die Beziehung zu uns. Keinen möglichst frommen Terminplan, kein detailliertes Gabenprofil, keine großen Pläne. Jesus will unser Herz, uns ganz, so wie wir sind. Das ist manchmal schwieriger, als nur Taten zu geben. Aber auch so viel erfüllender. Denn wo wir zu dieser Liebe bereit sind, begegnen wir einer, die uns gilt und um so vieles größer ist.

Von Lydia Rieß


Dieser Artikel ist zuerst in der Zeitschrift DRANNEXT erschienen. DRANNEXT gehört zum SCM Bundes-Verlag, zu dem auch Jesus.de gehört.