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Vor 75 Jahren ist das Konzentrationslager Auschwitz befreit worden. Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm, Vorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), und Kardinal Reinhard Marx, Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz, haben zu diesem Anlass eine gemeinsame Erklärung veröffentlicht. Darin statuieren sie auch eine Mitschuld der Kirchen.

Zwar habe es dort, wie in anderen Teilen der Bevölkerung, vereinzelt echten Heldenmut gegeben: „Doch dürfen wir nicht darüber hinwegsehen, dass viele Christen mit dem nationalsozialistischen Regime kollaboriert, zur Verfolgung der Juden geschwiegen oder ihr sogar Vorschub geleistet haben.“ Verantwortliche und Repräsentanten der Kirchen hätten oft mit dem Rücken zu den Opfern gestanden. Der tief auch in den Kirchen verwurzelte Judenhass der früheren Zeiten habe den Judenhass der Moderne genährt: „Auch diesem Schulderbe müssen sich die Kirchen stellen.“

Der millionenfache Mord in Auschwitz erfülle die beiden Kirchenoberen mit „tiefer Trauer“. Man verneige sich vor allen Opfern: „Ihr Andenken darf weder den heute lebenden Generationen noch den künftigen gleichgültig werden.“ Man sei dankbar, dass schon wenige Jahre nach der Shoa Juden das Gespräch mit Christen gesucht hätten. Im Folgenden nehmen die Kirchenvertreter Bezug auf den wachsenden Antisemitismus und warnen: „Gemeinsam mit dem Staat sind alle in unserer Gesellschaft – Christen, Muslime, Anders- und Nichtglaubende – aufgerufen, dem Judenhass in all seinen Formen und bei jedem Anlass entschlossen entgegenzutreten.“ (nate)