Sieben Tage „umsteuern“, eine Woche mit einem Drittel weniger Geld auskommen. Die 26-jährige Bettina aus Sachsen hat sich an der „Exposed“-Aktion der christlichen Micha-Initiative gegen Steuerflucht und Korruption beteiligt. Von ihren Erfahrungen erzählt sie hier auf Jesus.de.

Mit 70 Euro in der Geldbörse war Bettina in die vergangene Woche gestartet. Wie fällt ihre Bilanz aus? „Die Hälfte des Geldes ging für Benzin drauf“, erzählt die Sozialpädagogin. Und sonst? „Keine Schoki, kein Kaffee zwischendurch, keine Extras. Gehungert habe ich aber nicht“, betont sie. Zweimal wurde sie zum Essen eingeladen. Allerdings habe sie beim Kauf eines Medikaments gegen ihre Erkältung schon überlegen müssen. „Sieben Euro waren da plötzlich ziemlich viel Geld“, erinnert sie sich. Ein ungewohntes Gefühl. „Wenn man dann überlegt, dass sich viele Menschen tatsächlich zwischen einem Medikament und dem Essen für die Familie entscheiden müssen… Ich hatte die Wahl, diese Menschen nicht.“ Deshalb bilde sie sich auch nicht ein, die alltäglichen Schwierigkeiten solcher Menschen nun nachvollziehen zu können. „Für mich war es nur eine Woche ohne Schokolade, Kaffee und Fleisch, für die ich mich zudem freiwillig entschieden habe. Viele leben dagegen ein Leben lang in echter Armut.“

 Der persönliche Verzicht sollte ohnehin nicht im Fokus der Aktionswoche der Micha-Initiative stehen. In erster Linie sollten sich die Teilnehmer mit den Themen „Steuerflucht“ und „Korruption“ auseinandersetzen. Dadurch verschwinden nach Angaben der Micha-Initiative vor allem in Afrika Milliarden Euro jährlich in dunklen Kanälen, so dass die Menschen dort (noch) weniger Geld zum Leben haben. Für die Aktionswoche stellte die Initiative eine umfangreiche Materialsammlung mit täglichen Impulsen für alle Teilnehmer zur Verfügung.

 „Mich macht vor allem wütend, dass rohstoffreiche Länder wie zum Beispiel Sambia nichts von ihrem Reichtum haben“, erklärt die Sozialpädagogin. „Internationale Konzerne beuten solche Länder aus und zahlen kaum Steuern. Es scheint so leicht zu sein. Der Bevölkerung vor Ort dagegen bleibt kaum das Nötigste zum Leben, beispielsweise eine Basisgesundheitsversorgung.“ Ohne Schmiergeld gebe es in manchen Ländern keinen Termin beim Arzt. „Aber dort reichen die Gehälter von Krankenhausangestellten oft auch nicht zum Leben aus!“ Ein Teufelskreis.

 Die 26-jährige Christin hat intensiv darüber nachgedacht, wo es Berührungspunkte in ihrem Alltag gibt – zum Beispiel mit Korruption. „Wann handele ich nicht korrekt, um mir einen Vorteil zu verschaffen“, habe sie sich gefragt. „In Kürze werde ich zum Beispiel einen Förderantrag stellen, um Gelder für ein Projekt zu bekommen. Die Formulierung spielt dabei eine große Rolle. Wie nah bleibe ich da an der Wahrheit und wie weit gehe ich, um den Anforderungen zu entsprechen?“

 Eine Woche sei viel kurz, um die Probleme von Korruption und Steuerflucht in der Welt auch nur in Grundzügen verstehen zu können. „Aber manches ist mir bewusster geworden“, bilanziert Bettina. „Ich habe in den aktionsbegleitenden Materialien viel über Menschen gelesen, die sich in verschiedenen Ländern dieser Welt gegen Korruption einsetzen – und was es sie persönlich gekostet hat.“ Das habe sie sehr beeindruckt.

 „Es muss politisch etwas passieren“, fordert Bettina. „Wir brauchen Gesetze, die es Unternehmen nicht mehr ermöglichen, in anderen Ländern fast beliebig Rohstoffe, Infrastruktur und Menschen auszunutzen oder sogar auszubeuten. Und Steuern müssen sie dort zahlen!“ Als persönliche Konsequenz wird die 26-Jährige die internationale Petition für mehr Finanztransparenz unterschreiben. „Und ich in will in meinem Jungen-Erwachsenen-Kreis über das Thema diskutieren.“ Der Kampf gegen Ungerechtigkeit in dieser Welt beginnt oft ganz klein. Bettina ist die ersten Schritte auf diesem Weg gegangen.

(Quelle: jesus.de)