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Montagabend in einer evangelischen Kirche mitten in der Stadt. Auf dem steinernen Fußboden im Altarraum liegt ein schlichtes Kreuz aus Holz. Zwei Tücher umschlingen die Balken. Auf der einen Seite steht ein Körbchen mit Rosen in gelb und rosé. Die Stiele knapp unter der vollen Blüte gekürzt. Daneben ein Korb mit Teelichtern. Im Taufstein, unweit dahinter, flammt heller Kerzenschein.

  Der Altarraum ist mild beleuchtet, die Atmosphäre warm, die Stühle im Kreis um den Taufstein füllen sich nach und nach. Dann läuten die Glocken. Menschen aus verschiedenen Gemeinden der Stadt treffen sich zum Gebet. Ein gutes Ritual um gemeinsam in das neue Jahr zu gehen? Vermutlich ja, denn auch 2010 treffen sich vielerorts Gläubige, um Gebetsanliegen voreinander auszusprechen. Und kreativ jene Ideen zu präsentieren, die vorab in Hauskreisen und Kleingruppen geschmiedet wurden.

Hier sind es Taizé-Gesänge die auf die kommenden fünfundvierzig Minuten bei dem Kreuz einstimmen. “Laudate omnes gentes, laudate Dominum” – Lobsingt, ihr Völker alle, lobsingt und preist den Herrn. Dann die “Buße und Beugung“, wie es im Fachjargon heißt. Vielmehr ist es ein bewusst machen dessen, (zu) oft achtlos am Angebot Jesu vorüber gegangen zu sein. Und es sind die vertanen Chancen, das Gebet nicht genutzt zu haben, derer in der Stille gedacht wird. In die hinein das nächste Lied gesungen wird. “Meine Hoffnung und meine Freude, meine Stärke mein Licht: Christus meine Zuversicht, auf dich vertrau ich und fürcht mich nicht.” Fühlbar verbindet jetzt die Menschen hier an diesem Ort der Glaube an den lebendigen Gott. Verse aus der Apostelgeschichte werden verlesen: “Ihr aber werdet die Kraft des heiligen Geistes empfangen, der auf euch kommen wird, und ihr werdet meine Zeugen sein.”

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“Zeugen sein” – das Thema der diesjährigen Allianzgebetswoche wählten die nationalen evangelischen Allianzen aus Tschechien und den Niederlanden. Die Christen vor Ort erarbeiten inhaltlich die Untertitel und beten und danken reihum. Für das Vorrecht, Gottes Wort zu hören und Gemeinschaft mit anderen Christen zu haben. Und den Wunsch, frei nach Apostelgeschichte zwei Vers zweiundvierzig, im Glauben, Gebet und Brotbrechen zusammen zu bleiben. Wer möchte, nimmt an diesem Abend eine Rose oder ein Teelicht aus einem der Körbchen und legt das Element symbolisch neben dem Kreuz ab. Während die Gebete fließen, kommt Bewegung in die Gemeinschaft.

Zum Abschluss dann ein Gebet der Stille und das gemeinsame “Vater unser”. Die eine Gemeinschaft vor Ort steht dazu auf. “Herr bleibe bei uns, denn es will Abend werden”. Der Kanon nimmt den Raum ein und erklingt im feierlichen Glanz. Zum Abendsegen fassen sich die gut dreißig Gläubigen an den Händen. Das Kreuz, das Lob, der Dank und die stillen Seufzer inmitten. Eine Frau nimmt noch einmal eine Rose und legt sie nieder, bevor sie nach Hause geht. Als eine, die dabei war und gesehen und gehört hat. Sie geht als eine, die etwas erlebt hat. Sie geht als eine Zeugin in die Nacht. 

(Quelle: jesus.de)