Pfarrer Hans-Hermann Pompe ist seit vergangener Woche neuer Generalsekretär der Arbeitsgemeinschaft Missionarischer Dienste (AMD). 3E-Redakteur Rüdiger Jope und Pfarrer Marcus Tesch sprachen schon im vergangenen Jahr mit ihm über das Thema Mission und Kirche. Aus gegebenen Anlass veröffentlichen wir an dieser Stelle noch einmal Auszüge aus dem Interview.

Warum fremdeln nach wie vor viele Menschen mit dem Wort „Mission“? Ist es noch zeitgemäß?
Hans-Hermann Pompe: Ich habe auf meinem Computer eine Sammlung von über vierzig Motiven, wo dieses Wort „Mission“ außerhalb der Kirche positiv benutzt wird. Die Fußballmannschaft Hannover 96, die Fluggesellschaft Germanwings, der Otto-Versand, der Sparkassenverband, SPIEGEL ONLINE, Bündnis 90/Die Grünen und viele weitere reden ungeniert von „Mission“, weil sie ihre Mission kennen. Weil Mission Sendung oder Auftrag heißt, kann eine Kirche ohne solche Mission nicht existieren. Die Kirche ist entstanden, weil Jesus seinen Jüngern einen Auftrag gegeben hat. Hier lautet meine Empfehlung: Lasst uns selbstbewusst zu unserer Mission stehen.

Wie kann Kirche postmoderne Menschen erreichen?
Das haben wir nicht in der Hand. Das ist ein Werk des Heiligen Geistes. Was wir können, ist Haltungen zu stärken und in uns wachsen zu lassen, die es wahrscheinlicher machen, dass Menschen mit dem Evangelium erreicht werden.

Die da wären?
Erstens: Gastfreundschaft! Es gibt fast kein erfolgreiches missionarisches Werkzeug, welches ohne gemeinsames Essen auskommt. Zweitens: Neugier! Es darf nicht nur darum gehen, was ich dem anderen beibringe. Wir müssen auch fragen: Was kann ich von dir lernen? Fulbert Steffensky hat den Satz geprägt: Mission bedeutet, mit anderen teilen, was man liebt. Drittens: Vertrauen! Um das Recht zu haben, von dem erzählen zu dürfen, was mir wichtig ist, muss ich eine Beziehung aufbauen. Beziehungen sind für mich der fundamentale Ansatzpunkt der Mission heute.

Ist der Mensch in der Spätmoderne überhaupt auf Gott ansprechbar?
Da frage ich kritisch zurück: War das je anders? Es klingt immer so, als ob es eine goldene Vergangenheit gegeben hätte. Doch wenn man nachliest, hatte man im 19. Jahrhundert einen Gottesdienstbesuch von 2,5 %. Eine Wahrheit durchzieht jedoch die Jahrhunderte: Die einzige Bibel, die die Leute lesen, sind ihre christlichen Bekannten.

Weniger ist mehr: Wo kann und muss Kirche abspecken?
Wir sollten lieber einen Fitnessclub, einen Bienenzüchterverein, einen Chor besuchen statt den dritten Gemeindekreis. Spätestens wenn abends ein Bier zusammen getrunken wird, kommt die Frage: Was machen Sie denn so? „Geht hin“ bedeutet nicht „Macht zusätzliche Termine“, sondern „Verknüpft euer Leben mit dem Leben der anderen“. Die Fragen kommen dann von ganz alleine. Die wieder einzuübende Grundbewegung der Kirche ist die des Gehens.


Das vollständige Interview ist zuerst in der Zeitschrift 3E erschienen, die wie Jesus.de zum SCM Bundes-Verlag gehört.

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