Die Chefin des Verbands der Mediziner im öffentlichen Gesundheitsdienst, Teichert, plädiert für ein Verbot von Präsenzgottesdiensten an Weihnachten. Der EKD-Ratsvorsitzende Bedford-Strohm verweist auf Digital-Angebote und die Verantwortung vor Ort.

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Unmittelbar vor den Feiertagen dauert die Debatte um die Corona-Ansteckungsgefahr bei Weihnachtsgottesdiensten an. Die Vorsitzende des Bundesverbands der Ärztinnen und Ärzte im öffentlichen Gesundheitsdienst, Ute Teichert, appellierte wegen der weiterhin hohen Zahl der Neuinfektionen an die Politik, Präsenzgottesdienste an den Feiertagen zu verbieten. Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, will keine „generelle Absageempfehlung“ an die Gemeinden richten. „Das muss jetzt vor Ort entschieden werden“, sagte er dem Radiosender Bayern2.

Teichert sagte den Zeitungen der Funke Mediengruppe (Mittwoch): „In diesem Jahr sollten Präsenzgottesdienste bundesweit untersagt werden. Weil wir wissen, wie leicht sich das Virus gerade bei Gottesdiensten übertragen kann, dürfen wir zu Weihnachten angesichts der hohen Infektionszahlen kein zusätzliches Risiko eingehen“, fügte die Medizinerin hinzu.

„Extrem strenge Hygienekonzepte“

Unterdessen verwies der EKD-Ratsvorsitzende Bedford-Strohm in der «Passauer Neuen Presse» (Mittwoch) auf „extrem strenge Hygienekonzepte in den Gottesdiensten, die auch peinlichst genau eingehalten werden“. Dem Radiosender Bayern2 sagte der bayerische Landesbischof am Mittwoch, es gebe Menschen, für die Gottesdienstübertragungen im Internet und im Fernsehen eine Alternative seien. Es gebe aber auch einsame Menschen, die einen Gottesdienst vor Ort benötigen, den sie gemeinsam mit anderen Menschen feiern.

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Vielerorts haben evangelische und katholische Gemeinden Präsenzgottesdienste zu Weihnachten abgesagt, ein staatliches Gottesdienstverbot gibt es jedoch in keinem der 16 Bundesländer. Wegen regionaler nächtlicher Ausgangssperren wurden Christmetten an Heiligabend teils vorverlegt.

Bedford-Strohm hat keine Entscheidungsgewalt

Während die westfälische und die lippische Landeskirche ihren Gemeinden dringend zu einem Verzicht auf Präsenzgottesdienste geraten haben, will Bedford-Strohm dazu „kein Wort von der Spitze“ äußern. Er habe keine Entscheidungsgewalt für ganz Deutschland, sagte er dem Radiosender SWR2. Die Inzidenzwerte seien regional unterschiedlich. Deshalb setze er darauf, dass die Gemeinden „sehr klug mit dieser eigenen Verantwortung umgehen“.

Die Ärztevertreterin Teichert beklagte, dass viele Menschen offenbar nicht verstanden hätten, wie ernst die Lage in der Corona-Pandemie sei. „Sie feiern immer noch Partys oder tummeln sich in den Läden. Der harte Lockdown kann aber nur dann zu einem Rückgang der Infektionszahlen führen, wenn sich wirklich alle Bevölkerungsgruppen in Deutschland an die Regeln halten“, sagte sie. Teichert forderte Bund, Länder und Kommunen auf, die Corona-Maßnahmen in einigen Milieus noch besser zu vermitteln, damit alle Menschen, die in Deutschland leben, auch darüber informiert seien.

6 DIREKT-KOMMENTARE

  1. Dazu fällt mir ein Ausspruch von Dieter Nuhr ein:“Wenn man keine Ahnung hat, sollte man einfach mal die Klappe halten.“
    Und diejenigen, die so lauthals ein Verbot von Präsenzgottesdiensten fordern, scheinen wirklich keine Ahnung zu haben…jedenfalls scheint es so, wenn man in diesem Zusammenhang von „Partys feiern“ schwadroniert.
    Ich meine. über wen und was reden wir hier?
    Es geht um 20, 30 oder vielleicht auch 50 Gläubige verteilt in einem Kirchenraum, in dem normalerweise 4-5 mal so viele Menschen Platz hätten, die in jede Richtung mindestens 2 m Abstand zueinander haben (nur wer zusammen wohnt, darf auch zusammen in einer Kirchenbank sitzen).
    Alle tragen die ganze Zeit über ihre Masken, nur zum Kommunionempfang dürfen sie sie kurz abnehmen…..sowohl beim Hineingehen als auch beim Verlassen der Kirche sowie beim Gang zur Kommunion werden stest 2 m Abstand eingehalten.
    Auf Gemeindegesang wird verzichtet, der Gottesdienst dauert insgesamt maximal 45-50 Minuten…..ach ja, außerdem werden die Kontaktdaten eines jeden Gottesdienstbesuchers festgehalten.
    Sie glaubt „zu wissen, wie leicht das Virus in Gottesdiensten übertragen werden kann“? Dann hat wohl das hiesige Gesundheitsamt keine Ahnung….zwar ist es mir (und auch einigen anderen) im Sommer passiert, dass ich nach dem Besuch der hl. Messe in Quarantäne gelandet bin. Aber nachdem das Gesundheitsamt festgestellt hat, dass Kirchen eben wirklich keine Corona-Hotspots sind, ist man von dieser Praxis abgekommen.
    Letzten Endes muss jeder im Rahmen des Erlaubten seine eigenen Risikoabwägungen treffen. Wem es zuriskant ist, an einem Gottesdienst in der Kirche teilzunehmen, der soll halt nicht hingehen und gut ist.
    Aber hört doch bitte endlich auf, auf die paar Leute, denen es wichtig ist, einzudreschen.
    Da ist es doch in manchen Supermärkten sowie im Bus oder in der S-Bahn wesentlich riskanter.

    • Absolut richtig, ich sehe auch die geringste Ansteckungsgefahr in der Kirche. Heute beim einkaufen war es deutlich voller, viele Menschen halten nicht ausreichend Abstand und Hygiene Maßnahmen sind sehr dürftig.

    • Die meisten Gemeinden werden sich daran halten und dort wrd es so ablaufen wie Du schreibst.

      Aber in diesem Jahr hatten wir mehrfach in (Frei-)Kirchen Superspreader-Ereignisse.

      Leider sind nicht alle Gemeinden und Gläubige so vernünftig, dass sie auf Singen verzichten (da brauche ich nur eine Straße weiter zu schauen) und ausreichend Abstand halten (man schaue nur mal einige Kommentare hier bei jesus.de)

      Und man kann leider auch Gottesdienste nicht nur für Unvernünftige verbieten, denn wer legt vorher fest, wer das ist?

      Ich denke daher, in dieser besonderen Situaton wäre ein allgemeines Verbot von Gottesdiensten das richtige. Ja, es beeinträchtigt dann auch die vielen Vernünftigen. Aber gerade die sollten das dann verstehen können. Bei den Unvernünftigen ist eh nicht mit Einsicht zu rechnen.

      Würden sich alle Menschen vernünftig verhalten, bräuchte es gar keine gesetzlichen Regelungen bei Corona. Die aktuellen Zahlen zeigen deutlich, dass dem nicht so ist.

    • Es ist ein gravierender Unterschied, ob man grundsätzlich Gottesdienste erlaubt (wie jetzt)

      oder grundsätzlich verbietet und nur in Ausnahmefällen, die gründlich geprüft werden, zulässt (wie es das Bundesverfassungsgericht als Möglichkeit zulässt)

      Im 2. Fall hätte es wohl die Superspreaderereignisse in Gemeinden nicht gegeben.

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