Über die Sehnsucht nach Gott – und unsere Zweifel an seinem Himmel.

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Von Klaus-Günter Pache

Unser Urlaub stand an. Wieder mal ging es nach Schweden, dieses Mal in den unbeschreiblich schönen Schärengarten vor Stockholm. Meine Frau Esther und ich fuhren voraus und wollten uns zwei Tage später mit unseren Freunden im gemeinsamen Ferienhaus treffen. Nie werde ich den Augenblick auf der Straße in der kleinen Stadt Oskarshamn vergessen. Das Handy klingelte, unsere Freundin war dran und teilte uns mit, dass ihr Mann vor zwei Stunden mit einem kleinen Flugzeug über Bremen abgestürzt war, einen Kilometer von seinem Zuhause entfernt. Wir fuhren am nächsten Tag zurück nach Bremen. Statt mit unseren Freunden den gemeinsamen Urlaub auf einer kleinen Insel zu verbringen, hielt ich 14 Tage später die Trauerrede für Matthias. Über 800 Menschen kamen zum Gottesdienst, um Abschied von ihm zu nehmen.

Wie oft hatte ich mit meinem Freund über unsere ewige Zukunft gesprochen. Er teilte meine Sehnsucht nach dem Ort, wo es keine Tränen und kein Leid mehr gibt, keinen Stress, nicht mehr dieses ständige „Ich-schaff-es-einfach-nicht“. Keine Angst, kein Zorn, kein Zu-kurz-kommen, keinen Tod, keine Einsamkeit. Nie hätte ich gedacht, dass mein Freund diesen Ort vor mir erreichen würde. Er fehlt mir, immer noch, immer wieder. Die paar Jahre, die wir gemeinsam die Arbeit in unserer Gemeinde verantwortet haben, waren einfach zu wenig. Wie treffend stellt der Apostel fest: „Hoffen wir allein in diesem Leben auf Christus, so sind wir die elendesten unter allen Menschen“ (1.Kor 15,19). Auf uns wartet mehr, viel mehr – der Himmel eben!

Visionen auf dem Sofa

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Einige Monate später ist mir in diesem Zusammenhang etwas Seltsames passiert. Ich bin kein Mensch großer Visionen. Wenn ich träume, dann ist es meist wirres, wenig erbauliches Zeug.
Aber an dem besagten Tag war es irgendwie anders. Ich saß auf dem Sofa im Wohnzimmer, entspannt, ohne etwas zu tun.
Irgendwie war ich dann plötzlich woanders. Keine Ahnung, ob ich eingeschlafen bin oder einfach nur so vor mich hingestarrt habe. Auf jeden Fall sah ich plötzlich vor mir in der Dämmerung eine weite Grasfläche. Ich konnte nichts Konkretes erkennen, bis ich bemerkte, dass einige Stellen hell erleuchtet waren, runde, wie von einem Scheinwerfer beleuchtete Flächen. Ich trat in den ersten Kreis und da stand mein Freund, von dem ich mich so früh verabschieden musste. Matthias strahlte mich an, hakte sich bei mir unter und wir tanzten begeistert einige Runden in diesem hellen Kreis. Dann hielt er inne und sagte zu mir: „Geh nur weiter, wir sehen uns später noch. Du wirst staunen, wen du hier alles antriffst.“

Ich ging weiter und traf im nächsten Kreis einen Mann, mit dem ich viele Jahre die Verantwortung in der Gemeinde geteilt habe. Auf seine unverwechselbare norddeutsche Art lachte er mich an und sagte: „Geh ruhig weiter, hier sind noch mehr, die du kennst.“ Ich bin dann noch weiteren Personen begegnet, an die ich mich aber nicht mehr erinnern kann. Nur an die letzte in diesem Traum. Es war die Gemeindeschwester, die mich als Jugendlicher so gefördert hatte. Was ich bei ihr nie so recht wusste: Wie sieht das mit ihrem Glauben aus? Sie sprach nicht darüber. Jetzt stand sie vor mir und sagte: „Na, Klaus, da staunst du aber, dass ich auch hier bin!“ Und ich staunte wirklich, ein wenig beschämt! Dann war dieser Moment zu Ende, ich saß immer noch auf dem Sofa und frage mich bis heute, was das wohl war.

Wie wird es wirklich sein?

Sprechen wir über unseren Glauben, dann geht es eben nicht nur um die Zeit, die wir auf dieser Erde verbringen. Es geht um so viel mehr. Die Bibel beschreibt den Himmel, das „neue Jerusalem“, die „heilige Stadt“, sehr konkret als einen Ort, der einfach nur schön ist und an dem unendliche Freude herrscht. Wie aber wird es wirklich sein? Was erwartet uns? Wie konkret, wie „handfest“ wird das sein? Unsere Zeit auf dieser Erde ist endlich – unendlich kostbar und doch so kurz und überschaubar. Unsere Sehnsucht will mehr, viel mehr. So wie C.S. Lewis es ausgedrückt hat: „Wenn wir nur in uns selbst ein Bedürfnis entdecken, das durch nichts in der Welt gestillt werden kann, dann können wir daraus schließen, dass wir für eine andere Welt erschaffen wurden.“

John Donne, englischer Theologe aus dem 16. Jahrhundert, schrieb einmal: „Ich werde von den Toten auferstehen … Ich werde den Sohn Gottes, die Sonne der Herrlichkeit, sehen und selbst wie die Sonne scheinen. Ich werde mit den Menschen längst vergangener Zeiten vereint sein und auch mit Gott selbst, der keinen Morgen hatte, der nie begann … kein Mensch hat Gott je gesehen und ist am Leben geblieben. Und doch werde ich nicht leben, bis ich Gott sehe. Und wenn ich ihn gesehen habe, werde ich nie mehr sterben.“
Blaise Pascal, der französische Mathematiker, Physiker und Schriftsteller, war ein überzeugter Christ. Von ihm stammt eine berühmte Wette, die zusammengefasst so lautet: „Wir wollen Gewinn und Verlust abwägen: Setze du auf den Glauben – wenn du gewinnst, gewinnst du alles; wenn du verlierst, verlierst du nichts. Glaube also, wenn du kannst.“
Wissen Sie – wenn es nur eine winzige Chance gibt, dass das wahr ist, dann will ich eins unter allen Umständen, koste es, was es wolle: Ich will dabei sein! Ich verspiele nicht Himmel und Ewigkeit, nur weil mir (weil sich Gott und der Himmel nicht beweisen lassen) andere Menschen sagen, dass alles Leben Zufall ist.

In der Krise glauben

Ich habe großen Respekt und Verständnis für jeden, der Zweifel hat an Glaube, Himmel, Ewigkeit. Ich kenne das! Aber mir ist ganz wichtig, dies festzuhalten: In den dunkelsten Stunden meines Lebens habe ich erlebt, wie barmherzig Gott in allem und trotz allem ist, und wie er mich auch mitten in meinen Zweifeln trägt. Vor einigen Jahren ist mit mir in dieser Hinsicht etwas Seltsames passiert. Als sich mein Leben so ganz anders entwickelte, als ich es mir je gewünscht hätte, als der Arzt mir mitteilen musste, dass ich zwei bösartige Tumore in mir habe, als plötzlich die Rede davon war, wie groß die Chance sei, dass ich das überlebe, da auf einmal hatte ich keine Zweifel mehr an der Existenz Gottes.

Klar, ich habe nicht verstanden, warum ausgerechnet mir das passiert. Ich habe mit Gott gerungen, mich beschwert, geklagt und geweint, aber ich hatte keinen Augenblick einen Zweifel daran, dass er existiert. Seltsam, je länger diese Zeit dauerte, je klarer wuchs in mir die Überzeugung: Gott ist da und er liebt mich und er kümmert sich um mich! Und egal, was passiert, ich bin in seiner Hand. Als überhaupt nicht mehr klar war, ob ich noch viel Zeit auf dieser Erde haben werde, herrschten nicht Panik, Entsetzen und Anklage, sondern Friede und die stille Gewissheit: Ich werde Jesus sehen!
Es ist etwas Seltsames mit dem Glauben. Lassen wir uns darauf ein, steht plötzlich eine ewige Verheißung über meinem Leben: „Denn ich bin gewiss, dass weder Tod noch Leben, weder Engel noch Mächte noch Gewalten, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, weder Hohes noch Tiefes noch irgendeine andere Kreatur uns scheiden kann von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserm Herrn“ (Röm 8,38-40).


Klaus-Günter Pache ist seit 2018 im Ruhestand. Davor war er Pastor der Paulus-­Gemeinde in Bremen, wo er mit seiner Frau lebt.

Der Artikel ist ein bearbeiteter Abdruck aus seinem Buch: „Auf dem Weg nach Hause. Was die Bibel über unsere himmlische Zukunft sagt“, erschienen im Verlag SCM R.Brockhaus. R.Brockhaus gehört wie Jesus.de zur Stiftung Christliche Medien (SCM)

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