Konservative Anglikaner haben auf einem Treffen in London die Neustrukturierung der anglikanischen Kirche verlangt.

 So solle der Erzbischof von Canterbury nicht mehr das Oberhaupt der anglikanischen Kirche sein, forderte der Erzbischof von Kenia, Eliud Wabukala, nach einem Bericht des Radiosenders BBC vom Freitag. Seit Jahren schwelt ein Richtungsstreit innerhalb der weltweit rund 80 Millionen Mitglieder zählenden Kirche. Dabei geht es um den Umgang mit homosexuellen Amtsträgern und Gläubigen und um die Frage, ob künftig auch Frauen zu Bischöfinnen geweiht werden sollen.

 Der Erzbischof von Sydney, Peter Jensen, sagte der BBC, die Forderung, den Erzbischof von Canterbury zu entmachten, resultiere aus der Unzufriedenheit über die vergangene Dekade. Der Bischof von Canterbury, Rowan Williams, gilt als liberal und hat zum Jahresende seinen Rücktritt angekündigt. Ein Nachfolger steht noch nicht fest. Jensen sagte, man könne die anglikanische Kirche auch wie den Staatenverbund des Commonwealth organisieren.

 Die Gruppe «Fellowship of confessing Anglicans» traf sich zum ersten Mal, nachdem sie einen offiziellen Gipfel von Anglikanern im Jahr 2008 aus Protest gegen die Anwesenheit von Vertretern der amerikanischen Episkopalkirche boykottierte. Diese hatte den ersten offen schwul lebenden anglikanischen Bischof geweiht. Nach eigenen Angaben repräsentiert die Gruppe rund 15 Millionen Anglikaner weltweit.

 Der Konflikt über den Umgang mit homosexuellen Amtsträgern und Gläubigen hat innerhalb der anglikanischen Weltkirche dazu geführt, dass einige Bischöfe nicht mehr miteinander sprechen. Der Kirche droht daher die Spaltung. Die schärfsten Kritiker der Weihe von Homosexuellen kommen vor allem aus afrikanischen Kirchen. Der offen homosexuell lebende und zur anglikanischen Gemeinschaft gehörende US-Bischof Gene Robinson war 2003 zum Bischof von New Hampshire geweiht worden. Der Schritt war einer der Auslöser der Krise.

(Quelle: epd)