Die Empörung darüber, dass sich Demonstranten gegen die Corona-Maßnahmen mit NS-Opfern vergleichen, reißt nicht ab. „Der Holocaust ist kein Abziehbild für jedwede Opfergefühle“, sagt der Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung.

Werbung

Der Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung, Felix Klein, hat Gleichsetzungen aus der „Querdenken“-Bewegung von aktuellen Corona-Beschränkungen mit der Verfolgung von Juden während des Nationalsozialismus scharf kritisiert. „Die zunehmenden Vergleiche von Protestierenden gegen die Corona-Maßnahmen mit Opfern des Nationalsozialismus verhöhnen die tatsächlichen Opfer und relativieren die Schoah“, sagte er dem „RedaktionsNetzwerk Deutschland“. „Der Holocaust ist kein Abziehbild für jedwede Opfergefühle.“ Die jüngsten Vorgänge in Hannover und Karlsruhe zeigten vielmehr, wie wichtig Bildung sei. „Wer über Anne Frank und Sophie Scholl gut Bescheid weiß, wird kaum solch krude Verharmlosungen äußern.“

Am Samstag hatte eine junge Frau, die sich als „Jana aus Kassel“ vorstellte, auf einer „Querdenken“-Bühne in Hannover gesagt: „Ich fühle mich wie Sophie Scholl, da ich seit Monaten aktiv im Widerstand bin, Reden halte, auf Demos gehe, Flyer verteile und auch seit gestern Versammlungen anmelde.“ Sophie Scholl und ihr Bruder Hans Scholl gehörten zur Widerstandsgruppe „Weiße Rose“. Sie wurden 1943 wegen ihres Widerstandes gegen den Nationalsozialismus hingerichtet. Eine Woche zuvor hatte eine Elfjährige auf einer „Querdenken“-Bühne in Karlsruhe die Tatsache, dass sie ihren Geburtstag nicht wie gewohnt feiern konnte, in Beziehung gesetzt zum Schicksal von Anne Frank, die sich in einem Hinterhaus in Amsterdam vor den Nationalsozialisten versteckte hatte und später im Konzentrationslager Bergen-Belsen ums Leben kam.

Der niedersächsische Innenminister Boris Pistorius (SPD) sagte gegenüber der „Rheinischen Post“ (Dienstag): „Zum Vergleich: Sophie Scholl verteilte 1943, zwischen SS- und Gestapo-Terror, in einer skrupellos mordenden und folternden Diktatur Flugblätter, wurde im Schnellverfahren von gleichgeschalteten Nazi-Gerichten zum Tode verurteilt und nach nur vier Stunden per Guillotine geköpft.“ Sophie Scholl sei eine mutige Heldin, die kompromisslos für Freiheit und Menschlichkeit in einer menschenverachtenden Diktatur gekämpft habe, sagte der SPD-Politiker: „Die Demonstranten der ‚Querdenker‘-Demos kämpfen in einer der freiheitlichsten Demokratien der Welt dafür, beim Samstagseinkauf keine Maske tragen zu müssen und haben dabei schlimmstenfalls einen Twitter-Shitstorm zu fürchten. Diese Form von Geschichtsvergessenheit und die schamlose Selbstbezogenheit vieler ‚Querdenker‘ und ähnlicher Verbindungen machen mich wütend.“

11 DIREKT-KOMMENTARE

  1. Die Empörung ist völlig berechtigt !
    Nur seltsam, dass die Linken die Rechten und Konservativen ständig als Nazis diffamieren.
    Das ist Relativierung der Nazi-Verbrechen von „links“ !

  2. Den Vergleich sollte man so nicht ziehen, da stimme ich dem Antisemitismusbeauftragten zu. 2019 berichtete die Süddeutsche Zeitung über die Kritik an Jugendlichen, die ohne Freistellung durch die Schule an „fridays for future“ – Demonstrationen teilgenommen hatten. Deren Eltern erwiderten dann die Kritik, indem sie das politische Engagement ihrer Kinder mit dem der Geschwister Scholl verglichen. Der geschmacklose Vergleich rief damals keine Aufregung hervor. Ein Beispiel für die herrschende Doppelmoral.

    • Hallo Ostwind, danke für die Anmerkung. Zumindest in der uns vorliegenden Quelle lag der Fall jedoch inhaltlich anders. Die Eltern beschwerten sich über das Bußgeld mit den Worten: „Wie kann eine Schule, die sich nach Sophie und Hans Scholl benennt, so mit Kindern umgehen, die sich politisch interessieren und engagieren?“ Die Eltern beziehen sich auf den Namen der Schule. Ein direkter Vergleich mit den Scholls fand nicht statt.

      Die jüngsten Vergleiche bei den Querdenker-Demos zogen dagegen direkte Parallelen zur damaligen Zeit und suggerierten eine Verfolgungssituation. Die Rednerin in Leipzig sagte dagegen laut Redaktionsnetzwerk Deutschland: „Ich fühle mich wie Sophie Scholl, da ich seit Monaten hier aktiv im Widerstand bin […]“

      Für uns ist das ein Unterschied.

      Herzliche Grüße, das Jesus.de-Team

      https://www.sueddeutsche.de/politik/fridays-for-future-bussgeld-1.4529560

      • Hallo Jesus.de Team.

        es gibt das zweifellos einen Unterschied. Aber es wurde natürlich ein Vergleich zu den Geschwistern Scholl gezogen. Wie sonst sollte man diese Aussage denn interpretieren:

        In ihrem Brief an den Mannheimer Morgen nehmen die Eltern Bezug auf das politische Engagement der Namensgeber des Gymnasiums, indem sie schreiben: „Wie kann eine Schule, die sich nach Sophie und Hans Scholl benennt, so mit Kindern umgehen, die sich politisch interessieren und engagieren?“

        Der Vorwurf allerdings, dass die junge Frau mit ihrem unpassenden Vergleich die Schoah, also den Völkermord an den Juden, relativieren will, ist absurd,. Noch absurder ist die Überschrift : „Querdenker relativieren die Schoah“ Will man den jetzt gleich noch hunderttausende von Menschen für die ungeschickte Rede einer jungen Frau in Sippenhaft nehmen? Diese billige Propaganda ist zu durchsichtig und dient lediglich dazu, von Problemen abzulenken und Kritiker der gegenwärtigen Politik zu diskreditieren.

        Gruß Ostwind

        • Hallo Ostwind, danke für den Kommentar. Anscheinend gehen unsere Meinungen in diesem Punkt schlicht auseinander.

          Es war leider nicht nur eine „ungeschickte Rede“. An anderer Stelle gab es diverse Schilder mit dem Stichwort „ermächtigungsgesetz“. Eine unmögliche historische Anspielung. Dazu jhatten wir einen kommentar veröffentlicht: Infektionsschutzgesetz ist kein „Ermächtigungsgesetz“

          Es ist infam, Vergleich irgendwelcher Art mit 1933 – 1945 zu ziehen. Das ist keine billige Propaganda gegenüber denen, die die aktuellen maßnahmen kritisieren. Oder Ablenkung. Kritik gehört zur Demokratie. Aber keine Vergleiche mit 1933 bis 1945. Damit diskreditieren die Kritiker sich selbst. Und selbst wenn sie die Schoah nicht relativieren wollen – sie tun es. Viele Grüße, Daniel vom Jesus.de-Team

          • Hallo Daniel,
            Du schreibst:

            „Es ist infam, Vergleich irgendwelcher Art mit 1933 – 1945 zu ziehen. Das ist keine billige Propaganda gegenüber denen, die die aktuellen Maßnahmen kritisieren.“

            „Aber keine Vergleiche mit 1933 bis 1945. Damit diskreditieren die Kritiker sich selbst“

            In diesem Sinne sind dann hochrangige Politiker „infam“ und diskreditieren sich selbst, wenn sie z.B. Parallelen in der Wahl Thomas Kemmrichs und der Machtergreifung Adolf Hitlers sehen. Und es gäbe viele andere Beispiele, wo die AfD immer wieder mit 1933 in Zusamenhang gebracht wird.

            Und Du schreibst weiter:

            “ Und selbst wenn sie die Schoah nicht relativieren wollen – sie tun es.“

            Dann tun das auch viele Politker. Und man muss dieses noch ganz anders bewerten, als die Rede einer jungen Frau, die politisch wahrscheinlich nicht sehr erfahren ist.

            Gruß Ostwind

    • Liebes Jesus.de Team
      Mit Interesse verfolge ich Ihre Beiträge und bin dankbar für viele gute Kommentare.
      Dem SPD Politiker jedoch die Möglichkeit zu geben sich in diesem Wortlaut über “ die Demonstranden zu äußern finde ich schlimm.
      Man kritisiert bei dem einem unsachgemäße Gleichstellungen und lässt es bei dem anderen zu.
      Hat der Politiker mit den Demonstranden geredet, wenn ja wüsste er vielleicht, daß viele nicht wegen dem „Samstageinkauf“ auf die Straße gehen.
      Viel Weisheit und Gottes Segen für Ihre Arbeit.
      Liebe Grüße Andrea

  3. Ich liebe das Volk Israel und es ist schon schlimm was damals passiert ist. Aber wenn jetzt Menschen in Deutschland aufstehen um für ihre Rechte zu kämpfen, werden sie als rechte Nazis beschimpft. Die junge Frau sagte, ich fühle mich, es war ein Seitenhieb auf unsere regide Regierung und nicht die Juden damals. Ich habe es erlebt wie schlimm es ist wegen Andersdenkens ausgegrenzt und schikaniert werden.

HINTERLASSE EINEN KOMMENTAR

Please enter your comment!
Bitte gib deinen Namen ein