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272.771 Menschen sind im Jahr 2019 aus der katholischen Kirche ausgetreten. Das ist ein neuer Negativrekord. Jahrs zuvor waren es noch 216.078. Insgesamt sind noch 27,2 Prozent der Deutschen katholisch, insgesamt 22.600.371 Menschen. Auch sonst sanken die Zahlen. So ließen sich 4.252 weniger Menschen trauen, es gab 8.744 Taufen und 9.738 Bestattungen weniger. Auch die Zahlen der Eintritte (2.330) und Wiederaufnahmen (5.339) nahmen im Vergleich zum Vorjahr ab.

An den Zahlen 2019 gebe es nichts schönzureden, sagte Georg Bätzing, der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz: „Natürlich sind die Rückgänge auch demographisch bedingt, sie zeigen aber zunächst einmal auch die Tatsache, dass wir trotz unseres konkreten pastoralen und sozialen Handelns eine Vielzahl von Menschen nicht mehr für das kirchliche Leben motivieren.“ Er stellt die Frage, ob die Verkündigung noch in einer Sprache gelinge, die verstanden werde. Es ginge ihm hier nicht darum, einem Zeitgeist hinterherzulaufen, sondern um die ehrliche Frage, ob die Kirche die „Zeichen der Zeit“ erkenne und im Licht des Evangeliums deute.

Dazu brauche es bisweilen auch mutige Veränderungen in den eigenen Reihen, sagt der Bischof weiter: „Deshalb haben wir uns im vergangenen Jahr auf den Synodalen Weg der Kirche in Deutschland gemacht, um zu fragen, was Gott heute von uns in dieser Welt will.“ (nate)

10 DIREKT-KOMMENTARE

  1. Die EKD, die katholische Kirche, die Baptisten, alle verlieren Mitglieder, teilweise dramatisch.

    Vielleicht muss man aber mal eine andere Frage stellen: Warum sind ca. 60 % in Deutschland Mitglied einer Kirche?

    Und früher sogar über 90 %.

    Woher kommen diese hohen Zahlen?

    Früher wurde man in die Kirchen reingeboren (heute oft auch noch) und blieb dann drin, teilweise aus Glauben, oft aber aus Tradition, gesellschaftlichen Druck, weil man kirchlich heiraten und beerdigt werden wollte, usw.

    Deutschland ist heute freier, insbesondere gesellschaftlich. Auch was den Glauben angeht. Und die Entwicklung beginnt eigentlich jetzt erst richtig bezüglich Kirchen.

    Vielleicht sind wir eher auf den Weg in eine gesellschaftliche Normalität, in der nur der in der Kirche ist, der den Glauben auch wirklich teilt. Machen wir uns nichts vor, das werden dann irgendwann wohl eher 20 % sein.

    Ich denke, das Konzept von Großkirchen hat sich wohl überlebt. Man könnte darin auch eine Chance sehen.

    • Wenn man Glauben und Kirche als etwas sieht wie einen Verein, dann stimmt es wohl.

      Aber es geht um mehr, um Gott. Und so wie es früher durchaus normal war das nahezu alle Menschen gottgläubig waren, so gibt es keinen Grund das es nicht wieder so werden wird. Denn Gott ist Real!

      • War es normal, dass alle Menschen gottgläubig waren?

        Oder war es einer undemokratischen, unliberalen, absolutistischen Gesellschaftsform geschuldet, dass das so war? Man hatte den Glauben des Herrschers.

        Und wie sah dieses Christsein aus? Es wurden Kriege im Namen des Christentums geführt, Christentum als weltliche Machtbastion gesehen. Priester konnten die Bibel nicht lesen, u.v.m..

        Und selbst im aufgeklärteren 19. und 20 Jahrhundert war es z.B. in Deutschland für Christen kein Widerspruch, Christ, nationalistisch und antisemitisch zu sein. Das gehörte oft geradezu zusammen.

        Ich sehe die heutige aufgeklärte Entwicklung daher positiv.

        Und Glaube ist sicher kein Verein, aber warum sollten es nicht die Kirchen sein? Körperschaften öffentlichen Rechts müssen sie nunmal nicht sein. Sind sie in anderen Ländern auch nicht.

      • Ach ja, ist er das? Seltsam, dass es dann keinen Beweis dafür gibt. Und wenn, welcher ist es dann? Allah, Odin, Thor, Jehova, Ra, Mitras, Osiris…?

        • Kleiner Tipp: Mal selber nachlesen. Da gibt es so ein Buch, da erklärt der Schöpfer des Universums, wie die einzelnen Götter entstanden sind. Und dass ein Gott, den man sich aus Holz schnitzen bzw. Metall gießen muss, wohl kein echter Gott sein kann. Sie werden als „Nichtse“ oder „Vogelscheuchen im Gurkenfeld“ bezeichnet. Dieses Buch heisst bei uns Christen Bibel. Dort steht auch, dass der reale Gott ein Gott ist, dem man wirklich begegnen kann. Man muss nichts weiter tun als Ihn darum zu bitten! Wäre das nicht einen Versuch wert?

  2. Um so evangelischer die katholische Kirche wird, um so sehr gleichen sich die Austrittszahlen an.

    Warum katholisch sein, wenn es keinen Unterschied zur evangelischen Kirche mehr macht?
    Warum katholisch sein, wenn Jesus nicht im Mittelpunkt steht?

    • Ich denke, die Autrittszahlen derzeit sind zumindest teilweise anders begründet.

      Der Missbrauchsskandal und insbesondere der Umgang damit, dazu die Diskussion über Zölibat und Frauen als Priesterinnen, all das sind entweder keine oder nicht so große Themen bei der EKD, bei den Katholiken aber wohl mit bestimmend.

    • „Warum katholisch sein, wenn Jesus nicht im Mittelpunkt steht?“ – Diese Frage haben sich auch ehemalige Katholiken in meinem Bekanntenkreis gestellt, EinFragender:
      Warum katholisch sein, wenn der ihnen vorgelebte Katholizismus darin besteht, Holzfiguren vor sich her zu tragen oder vor geschnitzten Bildern niederzuknien. (vgl die Bücher der Propheten Jeremia und Hesekiel)
      Warum katholisch sein, wenn praktizierter Katholizismus, besonders in Ost- und Südeuropa, im ständigen Streit darum besteht, wessen „Muttergottes“ oder „Madonna“ denn die wundertätigere sei?
      Warum katholisch sein, wenn zwar ständig Buße und Leiden gepredigt wird, so gut wie nie aber die Erlösung durch den Auferstandenen? Wenn den Gläubigen erklärt wird, Sündenvergebung betreffe nicht die „verborgenen Sünden“ und sei ohne die mantrahafte Wiederholung katholischer Rituale ohnehin wirkungslos?

      Ich weiss, dass bei uns „Protestanten“ auch längst nicht alles perfekt ist. Ich weiss auch, dass es in der katholischen Kirche ebenso wiedergeborene Christen und treue Nachfolger Jesu gibt. Aber wäre es nicht besser, wenn die römische Kirche, anstatt immer nur zu erklären, sie sei die „wahre Kirche“ und alle anderen auf Irrwegen, sich mal etwas intensiver mit der biblischen Lehre und ernsthafter Kritik namhafter Theologen – auch in den eigenen Reihen! – auseinandersetzen würde?

  3. Erst zum 4. mal in den letzten 3 Jahrzehnten hat es die Katholische Kirche „geschafft“ bei den Kirchenaustrittszahlen die Evangelische Kirche zu übertrumpfen (absolute Zahlen), übrigens erst seit 2010. Im Verhältnis zu den Kirchenmitgliedern erst einmal. Je „evangelischer“ die Katholische Kirche wird, desto mehr schließt sie auch bei den Austrittszahlen an. Der „synodale Weg“ wird dazu „helfen“.

  4. Mutige Veränderungen in Richtung Protestantisierung der Katholischen Kirch bringen nichts, verstärken den Trend nur.
    Was notwendig ist ist die Stärkung und Weitergabe des Glaubens. Aufrichtiges Interesse am andern Menschen.
    Neuevangelisierung, wie Pabst Franziskus sich ausdrückt.

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