AfD-Fraktionsvorsitzender Björn Höcke (Bild: dpa / picture-alliance / NurPhoto)
Der EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm und Sachsens evangelischer Landesbischof Carsten Rentzing warnen vor der rechtspopulistischen AfD. Die Kirchenvertreter reagierten empört auf die Rede des AfD-Fraktionsvorsitzenden Björn Höcke im Thüringer Landtag. Darin verbreite Höcke seine nationalsozialistische Einstellung und lehnte die Erinnerungskultur nach der NS-Zeit ab.

Alle Menschen, die sich der Partei anschließen wollten, müssten sich klarmachen, wer darin eigentlich vertreten sei, sagte Bedford-Strohm am Donnerstag bei seiner Jahrespressekonferenz in München. „Da gibt es richtige Nazis in dieser Partei“, warnte der evangelische Theologe. AfD-Politiker Björn Höcke vertrete nationalsozialistisch-affine Thesen.

Höcke hatte auf Einladung der „Jungen Alternative Dresden“ am Dienstagabend vor etwa 500 Anhängern gesprochen und dabei über das Berliner Holocaust-Mahnmal gesagt: „Die Deutschen sind das einzige Volk der Welt, das sich ein Denkmal der Schande in das Herz seiner Hauptstadt gepflanzt hat.“ Höckes Äußerungen stießen auf Entsetzen vor allem bei Holocaust-Opfern. Bei der Staatsanwaltschaft Dresden wurden Strafanzeigen gegen Höcke gestellt.

„Da, wo gehetzt wird, muss eine rote Linie gezogen werden“

Differenziert steht Bedford-Strohm zu der Frage, ob Christen in der AfD sein könnten. „Wir machen es an der Haltung fest, nicht an drei Buchstaben“, sagte der Bischof. In der Partei seien ganz unterschiedliche Menschen vertreten – nicht nur Rechtspopulisten oder Extreme, sondern auch Unzufriedene. Klar sei für ihn allerdings: „Antisemitismus und Rassismus sind unvereinbar mit dem christlichen Glauben. Da, wo gehetzt wird, muss eine rote Linie gezogen werden.“ Dafür brauche es eine neue geistliche Grundhaltung.

Wahl 2017: Kirche habe Verpflichtung „die Grundregeln des Anstands anzumahnen“

Mit Blick auf den wachsenden Extremismus in Deutschland überlegten die Kirchen ein gemeinsames Wort im Vorfeld der Bundestagswahl herauszugeben, so Bedford-Strohm. Man müsse aber noch sehen, wie das hilfreich sei für die gesellschaftliche Lage. Im Wahlkampf habe die Kirche jedoch die Verpflichtung, „mit allem Nachdruck“ die Grundregeln des Anstands anzumahnen. Die Kirchen müssten deshalb immer wieder den wechselseitigen Respekt als Grundlage für den demokratischen Dialog einfordern. Die Politik dürfe nicht mit Ängsten und Emotionen spielen. Deshalb seien statt Symbol- und Aufreger-Debatten, die der Sache nicht dienten, eine sachliche Lösungsorientierung nötig, sagte Bedford-Strohm.

Rentzing: „Gezielte parteipolitische Provokation“

Auch Sachsens evangelischer Landesbischof Carsten Rentzing zeigte sich entsetzt: Er kritisierte die Rede des thüringischen AfD-Landesvorsitzenden als „gezielte parteipolitische Provokation“. Derartige Äußerungen versuchten, „den Frieden in unserer Gesellschaft subtil zu unterminieren“, sagte er am Donnerstag in Wittenberg.

Über Erinnerungskultur „kann man unterschiedlicher Auffassung sein“. Aber „dass die Erinnerung an den durch das nationalsozialistische Deutschland schuldhaft herbeigeführten millionenfachen Tod von jüdischen Kindern, Männern und Frauen ihren Ort gerade in Deutschland hat und braucht, ist eine Errungenschaft unserer Gesellschaft“, betonte Rentzing.

6 DIREKT-KOMMENTARE

  1. Jeder soll vor seiner eigenen Türe kehren. Hätte nicht Bedford Strohm genügend Grund, sich um geistliche Dinge zu kümmern, als ständig sich politisch zu äußern. Aber vielleicht hat er hier nichts zu sgen?

    • Stimm ich Dir zu, Martin. Die Aufgabe eines EKD.-ratsvorsitzenden ist es nicht demokratische Verhaltensregeln zu predigen, sondern das Evangelium von Jesus Christus. Politisieren geht anscheinend leichter, überhaupt, wenn man im Mainstream bischen Wellen schlagen kann und niemanden dabei naß macht. Bei Jesus war das anders, meine ich. Jesus hat jeden den Kopf gewaschen, war unbequem. Und es gibt Faules in unserem Staat: Altersarmut, Religionsunterricht, Genderdiskussion, Lösungsansätze zur zukünftigen kopflastigen Alterspyramide und und und…Aber da wird´s unbequem.

  2. Komisch, wann war es „christlich“ Kinder, sprich ungeborene Kinder umzubringen? Das läßt beide groß Parteien zu. Sind sie dann wählbar?

  3. Wie schon mehrfach betont : Rassismus und Antisemitismus haben in einer Demokratie keinen Platz !!!

  4. eine dahergelaufene Partei die verspricht notfalls mit Waffengewalt an den deutschen Grenzen Flüchtlinge zurückzudrängen, kann weder von Christen , noch von Nichtchristen gewählt werden.

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