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Der hannoversche Landesbischof Ralf Meister hat Gewalt gegen Flüchtlinge scharf verurteilt. «Mit allen rechtsstaatlichen Mitteln muss dafür gesorgt werden, dass die schändlichen Übergriffe auf Flüchtlinge und auf Asylbewerberheime aufhören», sagte er im Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd).

Er sei sicher, dass die große Mehrheit der Deutschen Flüchtlinge willkommen heiße. «Wir dürfen es nicht hinnehmen, dass eine Minderheit mit Intoleranz und Fremdenhass, platten Parolen und menschenverachtenden Übergriffen den Grundwert der Gastfreundschaft verächtlich macht.»

 Die Fernsehbilder der vergangenen Tage hätten ihn sehr bewegt, sagte Meister: Menschen, die aus Kriegsgebieten geflohen seien und von denen viele jahrelang unmittelbare Gewalt erlebten, «erfahren in Europa erneut massive Ausgrenzung, Stigmatisierung und Gewalt». Das gelte in Mazedonien genauso wie im sächsischen Heidenau und in Hildesheim. Hier war in der Nacht zu Montag eine Gruppe von Flüchtlingen von betrunkenen Fußballfans und Rechtsextremen angegriffen worden. «Die Menschen, die sich an diesen Übergriffen beteiligen oder sie dulden, stellen den humanen Grundkonsens unserer Gesellschaft infrage», sagte Meister: «Das ist beschämend.» Solidarität mit den Schwächsten sei für Christen etwas Elementares.

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 Meister fügte hinzu, die enorme Zunahme der Flüchtlinge sei eine riesige Herausforderung für die Europäische Union. «Es ist eine Nagelprobe für die Glaubwürdigkeit unserer Wertegemeinschaft.» Viele der rechtlichen Rahmenbedingungen, die in den vergangenen Jahrzehnten gemeinschaftlich erarbeitet wurden, seien nun angesichts der mangelnden Solidarität europäischer Länder in einer kritischen Überprüfung: «Die Abschottung des europäischen Kontinents aber darf keine Option sein.» Wer in seiner Heimat unter Verfolgung und Unterdrückung leide, habe ein Recht auf Asyl. Dabei sei es wichtig, bürokratische Hürden abzubauen.

 Menschen, die aus wirtschaftlichen Gründen nach Deutschland kämen, fielen nicht unter das Asylrecht, sagte der Theologe. «Aber das bedeutet nicht, dass sie hier nicht willkommen sind.» Deutschland sei vielmehr auf qualifizierte und motivierte Menschen angewiesen. «Anders können wir den Fachkräftemangel in ganz vielen Branchen nicht annähernd auffangen.» Diese Zuwanderung müsse nach eindeutigen Kriterien erfolgen, das sei eine politische Aufgabe.

 Meister sprach sich dafür aus, die Kapazitäten für die Flüchtlingsbetreuung auszubauen, schneller über die Asylanträge zu entscheiden und die Vermittlung in den Arbeitsmarkt erleichtern. Zudem müsse die professionelle Begleitung der Ehrenamtlichen in der Flüchtlingsarbeit noch verstärkt werden. Den biblischen Satz «Du sollst den Fremdling lieben» füllten zurzeit viele Menschen mit Leben. Sie setzten sich bis an ihre Belastungsgrenzen für Flüchtlinge ein.

Auch der Generalsekretär des Lutherischen Weltbundes, Martin Junge, hat die jüngsten Angriffe auf Asylunterkünfte in Deutschland scharf kritisiert.

Er habe die große Sorge, dass auftretendem Rassismus nicht wirksam entgegengetreten werde, sagte der chilenische Pfarrer am Montag zu Beginn einer internationalen Jugendkonferenz in Wittenberg. Es bestehe die in internationalem Recht verankerte Pflicht, Flüchtlinge zu schützen. Dies sei eine gemeinsame Verantwortung.

Das Treffen, zu dem junge Lutheraner aus 60 Staaten nach Wittenberg gekommen sind, beinhalte auch den Impuls und die Botschaft, dass sich Menschen in ihrer Andersartigkeit gegenseitig öffnen sollten, sagte Junge. In Wittenberg werden sich die 140 Teilnehmer zehn Tage lang mit der Gestaltung des 500. Reformationsjubiläums 2017 auseinandersetzen.

(Quelle: epd)