Die Kirchengemeinde Würzbach will Raum für gute Gemeinschaft und wichtige Themen schaffen. Dazu wird persönlich eingeladen – mit einer Flasche Bier.

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Von Matthias Kraft

„Bibel & Bier“: sechs erfolgreiche, lockere Themenabende für junge Erwachsene in einer Bar. Das Konzept sollte monatlich im gleichen Setting wiederholt werden. Doch recht schnell merkten wir: Neue Leute erreichen wir nicht mehr.

Es ist ein Phänomen, das bei vielen Gottesdiensten und christlichen Veranstaltungen zu entdecken ist: Eigentlich ist alles top organisiert, Mittel, Wege und Kapazitäten sind da. Es wird ein klasse Programm geboten – außerhalb der Kirchengebäude, doch es kommen weniger Leute als erwartet oder erhofft, weil nicht richtig eingeladen wurde. Das wollten wir ändern: „Lasst uns weniger Aufwand für die Veranstaltung betreiben und dafür mehr in die Einladung investieren“, war die Erkenntnis einer Sitzung des Teams nach einem weiteren ernüchternden Abend.

Persönliche Einladung

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Seitdem gibt es vier oder fünf „Bibel & Bier“-Abende im Jahr. Das Konzept ist einfach: Die Leute kommen, es gibt keine fixe Startzeit, eine Kleinigkeit zu essen, eine zwanglose, lockere Atmosphäre und natürlich Bibel und Bier. Ein Redner wird eingeladen, der ganz praktisch davon berichtet, welche Rolle der Glaube in seinem Leben spielt. Der kurze Vortrag endet bewusst offen, sodass man danach über das Thema und den Glauben ungezwungen ins Gespräch kommen kann.

Der organisatorische Hauptaufwand ist nicht die Veranstaltung an sich, sondern das Einladen im Voraus. Darauf liegt der Fokus. Eingeladen wird auf die älteste Art, die es gibt, nämlich persönlich. Der Ort wird vom Team aufgeteilt und in Zweiergruppen ziehen wir los. Im Gepäck sind die personalisierten „Flyer“: ein Bier – versehen mit unserem „Bibel & Bier“-Aufkleber. Dieser „Einladungsflyer“ landet nicht im Altpapier und findet das ein oder andere Mal sogar direkt Verwendung. Schon diese Einladungszeit an den Haustüren ist eine Bereicherung. Eine persönliche Einladung gibt es nur noch selten und so kommt man oft schon vor der eigentlichen Veranstaltung ins Gespräch. Immer wieder kommen Menschen zur Veranstaltung, „nur um sich für den Flyer zu bedanken“, oder weil „ich jetzt schon den dritten Flyer dieses Jahr gekriegt habe, musste ich mir das doch mal anschauen“. Wer dann schon mal da ist, bleibt meist auch eine Weile, wie die Erfahrung zeigt.

Kirchliche Gemeinschaft außerhalb der Kirche

Durch die persönliche Einladung schafft „Bibel & Bier“ es immer wieder aufs Neue, Menschen anzusprechen, die nicht zum klassischen Klientel der Kirchgänger zählen. Genau das hatten wir uns von Anfang an gewünscht. Der Veranstaltungsort wechselt immer wieder: Es gab schon Abende in einer Hütte am Waldrand, bei der Feuerwehr, im Sportheim, im Theaterhaus, beim Landmaschinenmechaniker oder beim Handwerker in seiner Halle. An all diesen Orten prangt jeweils stolz der „Bibel & Bier Official Supporter“-Wimpel. Durch Wimpel und Flyer hat sich „Bibel & Bier“ zu einer kleinen Marke entwickelt, was wiederum Aufmerksamkeit und Einladungspunkte schafft.

Damit Leute kommen, braucht es nicht jedes Mal einen besonderen Gast. Was zieht, ist die Gemeinschaft; es ist ein gemütliches Event, bei dem sich die Dorfgemeinschaft in lockerer Atmosphäre trifft, und wir als Team dürfen Bibel und Bier zur Verfügung stellen. Jedes Mal aufs Neue hat sich durch die Vielzahl an unterschiedlichen Menschen ein besonderer Charakter entwickelt, welcher direkt die beste Einladung für den nächsten Abend ist.


Diesen Artikel schrieb der Wirtschaftsingenieur Matthias Kraft für die Zeitschrift 3E (Ausgabe 01/2021). Das Ideenmagazin für die evangelische Kirche erscheint regelmäßig im SCM Bundes-Verlag, zu dem auch Jesus.de gehört.  

 

 

4 DIREKT-KOMMENTARE

  1. Sehr geehrte Damen und Herren,
    wenn ich mich recht erinnere sagt Paulus, dass uns zwar alles essen und trinken erlaubt ist, aber um der Menschen, die ein Problem damit haben, sollten wir darauf verzichten.
    Aus diesem Grund, halte ich die Aktion Bibel & Bier für bedenklich. Schließt man nicht im vornherein Menschen aus, die ein Suchtproblem hatten?- Und die eines haben könnten den Eindruck gewinnen, Alkohol und Bibelstudium gehören zusammen.

    Grüße von
    Hartmut Wicker

  2. Super Sache.
    Vor allem das persönliche Einladen an der Haustüre!
    Nicht nur einen Flyer einwerfen – sondern persönlich übergeben.
    Und die wechselnden Orte – außerhalb der Gemeindemauern.
    Das fehlt mir oft – bei mir selbst und in unserer Gemeinde.
    Jesus sagt: gehet hin zu den Menschen – nicht ladet sie zu euch ein.
    Danke für diese Inspiration !!

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