Eine Bibelarbeit in der Fischauktionshalle? Klingt gewöhnungsbedürftig, doch das im Basilikastil erbaute Gebäude in Hamburg-Altona kann es von der Atmosphäre her locker mit einem Sakralbau aufnehmen. Fische werden hier nicht mehr verkauft, dafür gibt es am ersten Morgen des Kirchentags viel Lobpreismusik und Gottes Wort.
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Eine „Bibelarbeit zum Mitreden“ soll es sein, und deshalb diskutieren die Besucher die Verse nach der Textlesung zunächst lebhaft in Kleingruppen. Was spricht mich an? Was berührt mich? „Ich denke an eine Familie, die ich kenne, der es sehr schlecht geht“, erzählt Gerhard aus Oldenburg. „Ja, ich soll auf Gott vertrauen, aber dann kommen doch immer wieder die Zweifel. Das zerreißt einen innerlich.“

„Nehmen wir uns Zeit für das Gebet?“

Diesen Punkt greift auch Matthias Wolf, Pastor der Christengemeinde in Elim, in seiner Auslegung auf. „Nehmen wir uns Zeit für das Gebet? Haben wir die Gewissheit, dass es etwas bringt?“ Genau darum gehe es in dem Gleichnis, nicht um Gottes Wesen. „Es geht um den Glauben, dass Gott eingreift, handelt“, unterstreicht er. Das Problem sei, das heutzutage alles schnell gehen müsse. „Wir haben keine Zeit mehr. Das Pingen der Mikrowelle ist das häufigste Geräusch in Deutschlands Küchen. Keine Zeit, auch nicht für Gott. Keine Zeit, im Gebet dranzubleiben.“ Halten wir das Warten aus? Nein, alles müsse schnell geschehen. So machen wir Gott Vorwürfe und fragen ihn, warum er nicht handelt. „Aber vielleicht“, so Wolf, „antwortet er ja mit der Gegenfrage: Warum handeln wir nicht?“

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Der Donnerstag steht auf dem Kirchentag unter dem Thema „Sklaverei und Menschenhandel“. Und da, bekennt Wolf am Ende der Bibelarbeit, fehlten ihm manchmal tatsächlich die Worte, um das Elend zu beschreiben, das ihm begegnet – auch in einer Stadt wie Hamburg.“ Allein in Europa werden in jedem Jahr schätzungsweise 400.000 Menschen, vorwiegend junge Frauen, in der Zwangsprostitution versklavt und vergewaltigt“, unterstreicht er. „Lasst uns diese Ungerechtigkeit vor Gott bringen und für Befreiung, Hilfe und Schutz bitten.“ Wie? Ausdauernd. „Und dann in den Kleingruppen besprechen, wie wir selbst handeln können.“ Der Kirchentag soll bewegen. Auch nach Hamburg.