Endlich ringen Christen wieder um die Auslegung der Bibel – miteinander, nicht gegeneinander. Markus Till erkennt darin ein wichtiges Signal: Waren große Erweckungsbewegungen nicht von genau diesen Debatten begleitet? „Wie gut, dass wir lernen können, wie man streiten und sich dennoch lieben kann.“

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1 DIREKT-KOMMENTAR

  1. Man sollte sich grundsätzlich f r i e d l i c h streiten, vorallem aber über die Bibel und damit die Grundlagen unseres christlichen Glaubens. Es gibt (theologisch bzw. biblisch) nur eine weltweite christliche Kirche, die sich aber in unzählige Konfessionen und Gemeinschaften aufteilt (um das böse Wort s p a l t e t nicht zu gebrauchen). Ich halte aber diese Vielgestaltigkeit nicht für das eigentliche Problem, denn wir sind als Menschen immer unterschiedlich, haben unterschiedliche Zugänge zu unserem Glauben, verschiedene Erfahrungen und Überzeugungen. Eine geistliche Monokultur kann niemand schaffen, schon überhaupt nicht freiwillig. In dem bunten Blumengarten des Glaubens, in dem hoffentlich der Heilige Geist weht, gibt es ganz unterschiedliche Blumen, viele Farben und – bei einem gedeihlichen Miteinander – auch ein von einander Lernen und aufeinander Hören.

    Das eigentliche Problem von bzw. unter uns Christen ist, wenn wir uns selbst an die Stelle Gottes setzen, so als ob wir die absolute Wahrheit haben. Die absolute ‚Wahrheit besitzt nur Gott; er ist gewissermaßen die absolute Wahrheit in Person vorallem von Jesus Christus. Der Besitz einer absoluten Wahrheit spaltet die Christenheit in Liberale einerseits und Fundamentalisten bzw. Evangelikale andererseits und vielleicht zusätzlich noch durch die Setzung anderer Kategorien. Wenn der Evangelikale mit dem Liberalen betet, dürfen beide das bleiben was sie sind, zwei Menschen mit einem unterschiedlichen Blickwinkel auf die Frohe Botschaft.

    Natürlich kann es in der Überhöhung dieses Gedankens keine grenzenlose Formlosigkeit, keine X-Beliebigkeit und keinen Glauben ohne Standpunkte geben. Aber die gibt es durch die altkirchlichen Bekenntnisse und dadurch auch durch die zentralen Überzeugungen des 2000jährigen Christentums. Beispielsweise das apostolische Glaubensbekenntnis erwähnt alle zentralen Überzeugungen, die wir als Christen gemeinsam bekennen können.

    Was man sich aber gegenseitig unbedingt zumuten muss ist die Überzeugung, dass das Gotteswort immer ein Gotteswort durch Menschenwort ist. Bibeltexte dürfen und müssen ausgelegt werden. Die Bibel ist nicht vom Himmel gefallen. Sie besteht aus einer ganzen Bibliothek unterschiedlicher Literatur ulnd beinhaltet zu großen Teilen die Glaubenserfahrungen von Menschen aus Jahrtausenden. Grundlage des Glaubens ist daher die Bibel des Alten und des Neuen Testamentes. Die große Bibel als heiliges Buch hätte seine theoretische Entsprechung in der persönlichen Bibel eines Menschen, wenn dieser seine Erfahrungen mit dem Glauiben und Gott aufzeichnen würde. Wahrscheinlich würde jede persönliche Bibel durch ihre Individualität ein Alleinstellungsmerkmal besitzen. Jedem Menschen begegnet Gott unterschiedlich und sein Geist weht mitunter auch dort, wo wir das zuletzt ermuten würden.

    Zur Kirche weltweit gehört, dass wir zunächst lernen, geschwisterlich mit anderen Christen auch anderer Überzeugungen umzugehen und hier einen Dialog zu pflegen. Der konstruktive friedliche Streit über die Bibel bringt uns gemeinsam weiter, wenn wir darin Gottes Willen für die Welt und unser Leben erkennen.

    Im weiteren ist eine weitherzigere Ökumene nicht nur mit den beiden großen Kirchen, sondern mit allen Menschen, die sich Christen nennen, dringend erforderlich. Eine Trennung in der Feier des Heiligen Abendmahles ist ein ständiger Skandal, denn Jesus Christus lädt dazu selbst ein und begegnet uns dort in einer ganz besonderen Weise. Über das Wie dieses Präsenz Gottes dürfen und sollten sich die Theologen friedlich streiten, aber weil das Mahl auch und vorallem ein Liebesmahl ist, geht es nur gemeinsam und nur mit Liebe. Eine solche weltweite christliche Kirche muss man und darf man nicht gleichschalten; es wird immer verschiedene Traditionen, unterschiedliche Gottesdienstformen und sich unterscheidende Lehrmeinungen geben. Aber es muss als Zeugnis vor der Welt eine gemeinsame Kirche Jesu Christi geben, die synodal strukturiert ist, in der man auf den gegenseitigen Rat der Schwestern und Brüder hört und die idealerweise auch ein/e Sprecher/in oder ein Oberhaupt besitzt. Vielleicht müssen unsere Kirchen vorher auch ärmer und bescheidener werden, damit die Menshen sie wieder als Licht der Welt empfinden.

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