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„Keine Übung hat so wesentliche Auswirkungen auf die geistliche Entwicklung eines Menschen wie der regelmäßige intensive Umgang mit dem Wort Gottes – der Bibel“ – da ist sich Jörg Ahlbrecht ganz sicher. Wie die Auseinandersetzung mit der Bibel fruchtbar sein kann, schreibt er in seinem Buch „Dem Leben Flügel geben“. Ein Auszug.
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In der Bibel begegnet uns der dreieinige Gott auf ganz besondere Weise. Er tritt uns in diesen Texten gegenüber mit Liebe, mit Ratschlag, mit Hilfe, Ermahnung, Korrektur und Ermutigung. In dem schriftgewordenen Wort Gottes begegnen wir dem fleischgewordenen Wort. Wer intensiv über diese Texte nachdenkt, wer im Umgang mit diesem Wort zu einem guten Rhythmus gefunden hat, der hat die wesentliche Grundlage für ein gesundes „geistliches Erwachsenwerden“ gelegt.

Die weltweit durchgeführte REVEAL-Studie der Willow Creek Community Church, die bislang das geistliche Leben von über einer Viertelmillion Menschen auf der ganzen Welt untersucht hat, kommt zu dem Ergebnis, dass eine intensive Beschäftigung mit der Bibel der wichtigste Faktor ist, um Menschen auf ihrer geistlichen Reise weiterzubringen. Gleichzeitig gilt aber auch der Umkehrschluss: Wer keinen intensiven Zugang zur Bibel gewonnen hat, der wird es ausgesprochen schwer haben, geistliche Schritte nach vorn zu machen.

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Nun ist dieses Thema ja nicht neu. In frommen Kreisen wird seit Jahrzehnten betont, wie wichtig die sogenannte „Stille Zeit“ sei, wie zentral und bedeutsam die Stellung sei, die diese Übung für das geistliche Leben einnähme. Unter der Hand oder unter vier Augen nimmt die Zahl derer allerdings explosionsartig zu, die zugeben, mit ebendieser „Stillen Zeit“ so ihre Probleme zu haben. Es hat ganz den Anschein, dass immer weniger Menschen Gott wirklich in seinem Wort begegnen oder einfach nicht wissen, wie sie sich vernünftig mit der Bibel beschäftigen können. Vielleicht kennen Sie ja jemanden, der Probleme im Umgang mit der Bibel hat. Ich treffe so jemanden jeden Morgen im Badezimmer – und es ist nicht meine Frau!

Göttliches Orakel?

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Als Teenager dachte ich, die Bibel sei so eine Art göttliches Orakel – wenn man nicht weiß, was man tun soll, blättert man in der Bibel, und dann wird Gott durch einen Vers reden.

Sie kennen vielleicht die folgende Geschichte: Jemand möchte wissen, was Gott ihm zu sagen hat. Also greift er sich eine Bibel. Er betet: „Herr, was soll ich tun?“ Dann blättert er ziellos in der Bibel, steckt irgendwo seinen Finger rein – paff! Und was steht dort: „Und Judas ging hin und erhängte sich!“ Okay, ist vielleicht nicht das Richtige.

Bibel
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Zweiter Versuch: „Herr, was soll ich tun?“ Blättern, Finger rein – paff! „Siehe, du wirst schwanger werden und einen Sohn gebären, und du sollst ihm den Namen Jesus geben.“ Ich meine, lesen Sie das einmal, wenn Sie zwölf Jahre alt sind … und ein Mann!

Mittlerweile weiß ich: Es ist durchaus richtig, in der Bibel nach Antworten zu suchen. Und es kann sogar sein, dass Gott auch mal durch eine Art biblisches Roulette redet. Der normale Umgang mit der Bibel sieht allerdings anders aus. Die Bibel ist kein Orakel. Sie ist kein Horoskop, bei dem ich aus der Losung des Tages die konkrete Handlungsanweisung ableiten kann!

Die Bibel will gelesen, durchdacht, verstanden und durchdrungen werden. Gott will durch sie zu uns reden. Aber nicht nach dem Roulette-Verfahren, sondern eingebettet in eine Beziehung. Die Bibel soll uns dabei unterstützen, dass unsere Beziehung zu Gott sich vertieft! Gott will uns in dieser Beziehung leiten und füllen.

Gott will uns leiten

Jesus erzählte ein interessantes Gleichnis zu diesem Thema:

„Wer auf mich hört und danach handelt, ist klug und handelt wie ein Mann, der ein Haus auf massiven Fels baut. Auch wenn der Regen Gott will uns leiten Jesus erzählte ein interessantes Gleichnis zu diesem Thema:

„Wer auf mich hört und danach handelt, ist klug und handelt wie ein Mann, der ein Haus auf massiven Fels baut. Auch wenn der Regen in Sturzbächen vom Himmel rauscht, das Wasser über die Ufer tritt und die Stürme an diesem Haus rütteln, wird es nicht einstürzen, weil es auf Fels gebaut ist. Doch wer auf mich hört und nicht danach handelt, ist ein Dummkopf; er ist wie ein Mann, der ein Haus auf Sand baut. Wenn der Regen und das Hochwasser kommen und die Stürme an diesem Haus rütteln, wird es mit Getöse einstürzen.“

Matthäus 7, 24 – 27

John Ortberg hat dieses Gleichnis einmal in einer seiner Predigten auf wundervolle Weise verarbeitet. Was Jesus hier sagt, so Ortberg, ist: Jeder Mensch konstruiert sein Leben. Und das Baumaterial sind die Entscheidungen, die wir treffen. Niemand kann dieses Haus an unserer statt bauen! Es ist unser Haus. Wir sind dafür verantwortlich. Jede Freundschaft, die wir vertiefen oder aufgeben, jedes Buch, das wir lesen oder beiseitelegen, jede Zusage, die wir einhalten oder brechen, wird Teil dieses Hauses.

Das Zweite, was Jesus hier sagt, ist: Jeder erlebt den Sturm. Beide Männer in dem Gleichnis werden mit dem Sturm konfrontiert. Und es ist exakt der gleiche Sturm. Denn Jesus erzählt hier keine Geschichte über Sturmvermeidung. Stürme gehören zu unserem Leben dazu! Der Sturm wird kommen – da können wir sicher sein. Jeder Mensch wird früher oder später in seinem Leben Dinge erleben, die ihn in seinen Grundfesten erschüttern. Dinge, die ihn umzuwerfen drohen, die tiefe Wunden schlagen. Manchmal ist es die Krankheit oder der Tod eines lieben Menschen. Manchmal das Zerbrechen einer Beziehung. Manchmal die Zerstörung eines Lebenstraumes. Ich weiß nicht, wie Ihr Sturm aussieht, aber er wird unweigerlich kommen. Vielleicht stecken Sie auch schon mittendrin.

Aber gleichgültig, wie der Sturm nun im Einzelnen aussieht – alle Stürme tun immer das Gleiche: Sie offenbaren, auf welchem Fundament unser Haus steht. Sie zeigen, worauf unser Leben gegründet Nicht, was wir sagen, nicht, was wir denken – Stürme zeigen glasklar, worauf wir gebaut haben, welches Fundament uns trägt. Nicht, was wir sagen, nicht, was wir denken – Stürme zeigen glasklar, worauf wir gebaut haben, welches Fundament uns trägt.

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Jesus bietet jedem Menschen mit der Bibel ein stabiles Fundament an. Er will uns durch sein Wort und sein Vorbild leiten. Er will uns helfen, die richtigen Entscheidungen zu treffen. Er will uns seine Weisheit zur Verfügung stellen. Er verspricht uns sogar seinen Geist, der uns bei der Suche nach Leben helfen und leiten wird. Wer sich dafür öffnet, der ist klug! Jesus sagt: „Wer meine Worte hört und sich danach richtet, der hat ein gutes Fundament gewählt. Wer sein Leben im Vertrauen auf mich und mein Wort baut, der baut auf Fels! Der hat einen Halt für sein Leben, den ihm niemand nehmen kann!“

„Dumm ist der, der Dummes tut“

Wer das nicht tut – und wir müssen es nicht tun, denn Gott lässt uns auch in diesem Punkt die freie Entscheidung –, der braucht es nicht zu tun. Aber der verhält sich dumm, sagt Jesus. Ich habe noch gelernt, dass es nicht höflich ist, wenn man jemanden als „dumm“ bezeichnet. Aber Jesus tut es hier. Er wählt nicht höfliche Worte, sondern klare. „Wer meine Hilfe in den Wind schlägt, tut sich damit keinen Gefallen. Es ist dumm, dies zu ignorieren. Es ist dumm, es nur zu hören und nicht zu tun.“ Was bedeutet das?

Wie sagte der bekannte „Philosoph“ Forrest Gump: „Dumm ist der, der Dummes tut.“ Und Dummes tut man, wenn man nicht darüber nachgedacht hat.

Wenn Kinder etwas Dummes getan haben, dann stellen Erwachsene in der Regel eine Frage. Ein Wort, fünf Buchstaben. Meine Eltern haben es mich gefragt, ich frage es meine Kinder: „WARUM?“

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„Warum hast du dein Tretauto hinter meinem Wagen geparkt, wo ich doch drüberfahre, wenn ich zurücksetze? … Warum musstet ihr ausprobieren, ob man eine Erbse ins Nasenloch deiner Schwester stecken kann? … Warum musstest du testen, ob der Wagen wirklich die Einfahrt runterrollt, wenn man die Handbremse löst? … Warum?“ Und wenn es um die Antwort geht, dann sind Kinder sich hier sehr einig. Beinahe scheint es so, als würde jemand sie vor der Geburt zur nehmen und sagen: „Sollte jemals jemand fragen: ,WARUM?‘, dann antwortest du: ‚WEISS NICHT!!‘“

Natürlich wissen sie es nicht, sonst würden sie nicht so etwas Dummes tun!

Der Mann mit dem sandigen Bauplatz hat nicht richtig nachgedacht. Er hat einfach gebaut. Schien eine gute Idee zu sein! Und hier ist der Punkt: Diese Dinge passieren. Niemand plant das. Der Mann hat nicht gesagt: „Oh, hier ist ein prima Sandplatz. Hier kann ich ein schönes Haus bauen, das bestimmt in sich zusammenfällt, wenn der nächste Sturm kommt.“ Es passiert. Niemand tritt vor den Traualtar mit dem Ziel, sich in zehn Jahren scheiden zu lassen und die Kinder ins Chaos zu stürzen. Es passiert! Niemand beginnt den Tag mit einem Glas Sekt und dem Ziel, Alkoholiker zu werden. Es passiert. Niemand surft im Internet auf einer Webseite mit eindeutigen Inhalten, weil er hoffnungslos von Pornografie abhängig sein und seine Ehe ruinieren will. Es passiert. Niemand biegt die Wahrheit im Büro ein wenig zurecht, um sich dann hilflos in einem Geflecht von Lügen zu verstricken und seinen Job zu verlieren. Es passiert. Und es bringt jedes Mal großes Leid mit sich.

Gott leidet, wenn er uns leiden sieht. Darum gab er uns die Bibel, darum gab er uns sein Wort. Darum gab er uns Hilfen, wie das Leben gelingen kann! Maßstäbe, Richtlinien, Werte, Weisheit – Wer auf mich hört und danach handelt, ist klug und handelt wie ein Mann, der ein Haus auf massiven Fels baut. Doch wer auf mich hört und nicht danach handelt, ist ein Dummkopf; er ist wie ein Mann, der ein Haus auf Sand baut.


Dieser Text stammt aus dem Buch:

Jörg Ahlbrecht: „Dem Leben Flügel geben. Die Kraft von geistlichen Übungen im Alltag“

Verlag: SCM R.Brockhaus

Reihe: Edition Aufatmen

Leseprobe (PDF)

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