Richter prüfen regelmäßig mit Fragen den Glauben geflüchteter und zum christlichen Glauben konvertierter Muslime. Der evangelische Bischof Hans-Jürgen Abromeit kritisiert diese Tests als einen Verstoß gegen das Grundgesetz.

Der Greifswalder Bischof Hans-Jürgen Abromeit hat die Glaubenstests kritisiert, die deutsche Gerichte von zum Christentum konvertierten Asylbewerbern verlangen. Diese Fragen zum Glauben seien ein Angriff auf das Grundgesetz, sagte der evangelische Theologe am Donnerstag in Greifswald bei einer Fachtagung „Integration und Konversion. Taufen muslimischer Flüchtlinge als Herausforderung für Kirchen, Staat und Gesellschaft in Deutschland und Europa“, wie seine Bischofskanzlei mitteilte.

Richter verlangten im Asylverfahren, „den Glauben an Jesus Christus in einer Art Glaubenstest zu beweisen“, sagte Abromeit. Damit würden Menschen, die vom Islam zum Christentum übergetreten sind, unter Generalverdacht gestellt. Gewissensprüfungen solcher Art unterwanderten die grundgesetzlich verankerte Trennung von Staat und Kirche und stellten die Religionsfreiheit infrage. „Die Kirchen allein haben das Recht festzustellen, wer nach ihren Grundsätzen zu ihnen gehört.“

Das Recht des staatlichen Eingriffes beschränke sich darauf, offensichtlichen Missbrauch aufzudecken, sagte er. Den dazu anzuwendenden Methoden seien Grenzen gesetzt. „Auf keinen Fall kann der Staat Glauben überprüfen oder die Praktizierung der Religionsfreiheit einschränken.“

Flüchtlinge fühlten sich von Kirchen angenommen

Seit 2015 erlebten viele Dörfer und Kleinstädte in Mecklenburg-Vorpommern den Zuzug von Flüchtlingen, sagte der Bischof. „Kirche war vielerorts Hauptakteurin, um diese neuen Nachbarsleute willkommen zu heißen.“ Die Offenheit und Herzlichkeit dieser Begegnungen habe auf viele Flüchtlinge die überraschende Wirkung gehabt, dass sie sich bedingungslos angenommen fühlten. Dies habe vielen Flüchtlingen den Weg zum christlichen Glauben geebnet. Inzwischen gestalteten einige Kirchengemeinden Teile des Gottesdienstes auf Deutsch und auf Farsi. Es fänden auch Glaubenskurse auf Farsi statt. Gemeindeglieder engagierten sich als Paten für ihre neuen Geschwister.

Zugleich wies Bischof Abromeit auf die Lebensgefahr hin, die für Menschen aus dem Iran oder Afghanistan bestehe, wenn sie nach einer Konversion zum Christentum in ihre Herkunftsländer zurückgeschickt werden. „Von einem Richter hörte ich das Argument, dass dem getauften Asylsuchenden aus dem Iran bei einer Abschiebung doch keine Gefahr drohe. Schließlich könne er sich doch nach außen hin muslimisch geben und seinen christlichen Glauben für sich leben.“ Das sei beileibe keine Einzelmeinung, sondern dem modernen Missverständnis von Religion als Privatsache geschuldet, sagte Abromeit.

1 DIREKT-KOMMENTAR

  1. Eine Glaubens- und Gewissensprüfung ist unmöglich

    Die Glaubensprüfung von Flüchtlingen wäre nur erfolgreich möglich, wenn die verehrten Juristen sich die Fähigkeit der Telepathie angeeignet hätten. Das erinnert mich die an mir damals in den 1970er Jahren noch praktizierte Gewissensprüfung für angehende Wehrdienstverweigerer. Als damaliger Totalverweigerer von Gewalt auch und vorallem im Krieg – eigentlich aber ursächlich motiviert durch die atomare Hochrüstungslage – versuchte man mich mit einigen gemeinen Suggestivfragen zu widerlegen. Das geschah nach dem Motto: „Wenn Sie doch ein Christ sind, müssten Sie ihre Familie lieben und auch bereit sein, mit dem Gewehr zu verhindern, daß diese dahingemetzelt wird“!. Diese Suggestivfrage programmiert vor, daß ein das Notwehrrecht – vielleicht nur in einer anderen Form – einräumender Prüfling automatisch in die Falle tappt. Derjenige jedwede Gewalt verneinende Antragsteller wird dagegen mit der angeblichen Absurdität seines Denkens konfrontiert. Das ist dann eine Frage- und Antwortspiel, dem man nur mit einer vorhergehenden intensiven Rhetorikschulung entkommen würde.

    Beim Glauben lässt sich nicht prüfen, ob er als echte Lebenspraxis oder nur als vorgetäuschte Überzeugung einen Grund liefert, als Flüchtling oder Asylant ein Bleiberecht zu erreichen oder als Soldat den Dienst an der Waffe verweigern zu dürfen. Da letzteres nicht zu objektivierbaren Ergebnissen führte, hat man damals die Gewissensprüfung abgeschaft. Wie ein Gewissen lässt sich auch ein Glaube nicht prüfen. Ein sprachlich oder durch ein Handikap beeinträchtigter Mensch könnte nicht oder nicht ausreichend begründen, warum Jesus am Kreuz für ihn starb, warum Christen beten wenn Gott doch alles weiß oder wie das 6. Gebot lautet. Auch viele Christinnen und Christen, die ihren Glauben heute als Deutsche praktizieren, haben öfters sogar ein geringes bibelkundiges und theologisches Wissen. Befragt man andere durchaus ehrenwerte und getaufte Landsleute, die nicht zu den 3 – 5 % praktizierender Christen der beiden großen Kirchen und auch keiner Freikirche gehören, wird man bei der Glaubensprüfung in aller Regel sein blaues Wunder erleben. Selbst der frömmste Evangelikale, der weniger Faktenwissen und dagegen aber seine Glaubenserfahrungen schildern würde, hätte vor einem Gericht ganz schlechte Chancen. Gott lässt sich juristisch nicht beweisen, er kann gegen keine Straßenverkehrsordnung verstoßen und ist schlicht nicht justizjabel. Seine Ladung als Zeuge ist völlig möglich. Wenn aber das Vorhandensein oder Nichtvorhandensein eines wirklichen Glaubens nicht juristisch beweisbar ist, dann muss – so sehr dies manchen nicht gefällt – die Zugehörigkeit zu einer christlichen Glaubensgemeinschaft alleine einen Anspruch auf Schutz begründen können. Oder es dürfte kein Verfolgung von Christen im Herkunftgsland geben.

    Niemand kann beweisen, ob jemand der als Flüchtling, in Deutschland getauft wurde, ein festes (oder wenigstens ein geringes) Vertrauen in Gott besitzt, so sehr er dies auch behauptet. Neben der Schwierigkeit für eine/n Geflüchtete/n, dies ausreichend zu versprachlichen gehört eine religiöse Überzeugung durchaus in den Bereich der Intimsphäre eines Menschen. Natürlich darf ich aus eigener Entscheidung über diese Grundsatzfragen und -ausrichtung meines Leben sprechen. Aber einer Überprüfung durch ein Gericht, ob jemand einen richtigen oder nur einen vorgeschobenen Glauben hat, ist nicht möglich. Vielmehr ist die Tatsache, daß hier wirklich Wissensfragen gestellt werden eher ein guter Hinweis für diejenigen, die sich dann wirklich als christliche Trittbrettfahrer zu retten versuchen. Man muss sich ja nur gut verkaufen können. Ein paar fromme christliche Versatzstücke können auch Richter/innen vielleicht überzeugen. Vorallem wenn diese selbst mit einem ernsthaften Glauben keinen Vertrag haben.

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