Jemen (Bild: Jemen by RNW.org https://flickr.com/photos/rnw/2980402287 shared under a Creative Commons (BY-ND) license
„Christen auf der arabischen Halbinsel genießen keine Religionsfreiheit, sondern höchstens eine Kultfreiheit.“ Dies kritisiert die Deutsche Bischofskonferenz in einer Arbeitshilfe zur Situation der Christen in den Golfstaaten, die am Donnerstag vorgestellt wurde.
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Grundsätzlich müsse zwischen der Situation in Saudi Arabien und den übrigen Golfstaaten unterschieden werden, erklärte Erzbischof Ludwig Schick. Der Jemen sei aufgrund des Krieges noch einmal isoliert zu betrachten. In den Golfstaaten könnten Christen ihren Glauben relativ frei leben: „Es gibt Kultfreiheit, aber keine Religionsfreiheit“, so Erzbischof Schick. Ein aktives Werben für das Christentum oder gar die Konversion von Muslimen seien allerdings streng verboten und würden strafrechtlich verfolgt.

Erzbischof Ludwig Schick (© Pressestelle Erzbistum Bamberg)
Erzbischof Ludwig Schick (© Pressestelle Erzbistum Bamberg)

In Saudi-Arabien seien die Lebensbedingungen für Christen deutlich schlechter, betonte Erzbischof Schick. Dort dürfe nur der Islam, vorzugsweise in seiner rigoristischen wahhabitischen Auslegung, praktiziert werden. „Schon der Besitz christlicher Kultgegenstände ist verboten.“ Für die geschätzt 1,5 Millionen Christen in Saudi-Arabien gäbe es keine einzige Kirche und die Gläubigen seien gezwungen, sich heimlich in Privathäusern und Hotels zu treffen.

Erzbischof Schick hatte die Region im Februar bereist und zahlreiche Gespräche mit den Christen vor Ort, Vertretern des Islam und Regierungsmitgliedern geführt.

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Südliches Arabien: „Praktisch keine einheimischen Christen“

Der Apostolische Vikar für das südliche Arabien (Vereinigte Arabische Emirate, Oman, Jemen), Bischof Paul Hinder OFMCap, berichtete über die Situation vor Ort: „Schätzungen zufolge dürfte die Anzahl der ausländischen Christen auf der Arabischen Halbinsel gegenwärtig bei mindestens drei Millionen liegen. Einheimische Christen gibt es praktisch keine.“ Er erklärte, dass die Wohnbevölkerung in den Golfstaaten zu einem großen Prozentsatz aus Ausländern bestehe. Die staatliche Haltung gegenüber den Christen schwanke von Land zu Land. „Länder wie zum Beispiel Bahrain, die Vereinigten Arabischen Emirate oder das Sultanat Oman sind recht tolerant.“ In den Vereinigten Arabischen Emiraten existierten acht katholische Pfarreien. 50.000 Gläubige nähmen in Dubai jedes Wochenende an den Messfeiern teil. „Wir sind auf der Arabischen Halbinsel eine Kirche aus Migranten für Migranten. Unsere Vitalität hängt vom außerordentlichen religiösen Engagement der Gläubigen ab“, betonte Bischof Hinder.

„Liturgische Feiern nur unter großer Gefahr“

Der Direktor des Missionswissenschaftlichen Instituts Missio in Aachen, Prof. Dr. Harald Suermann, ging in seinem Statement auf die Situation der Christen in Saudi-Arabien ein. Er erklärte, dass Christen nach dem Koran eine geschützte Minderheit seien, die das Recht habe, ihren Glauben zu leben und eigene Gotteshäuser zu unterhalten. Dies werde in Saudi-Arabien jedoch eingeschränkt. „Liturgische Feiern sind dort verboten und können nur privat unter großer Gefahr vollzogen werden. Regelmäßig werden Gottesdienste von der saudischen Religionspolizei, der muttawa, durch Razzien und Verhaftungen unterbunden“, so Prof. Suermann. Für viele Christen bleibe nur die Möglichkeit, über Streaming-Angebote im Internet an Gottesdiensten teilzunehmen. Er wies darauf hin, dass innerhalb des saudischen Königshauses um die zukünftige Ausrichtung des Landes gerungen werde. Einerseits gäbe es Strömungen, die sich für gesellschaftliche Reformen einsetzten, andererseits Versuche, die aktuellen Verhältnisse zu stabilisieren. Ob es für die Christen und andere religiöse Minderheiten im Land in absehbarer Zeit zu Veränderungen komme, sei im Moment noch nicht abzusehen.