Fenster im Gefängnis
Foto: BrilliantEye / iStock / Getty Images Plus

Der Direktor der Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau, Piotr Cywiński, will einem Zeitungsbericht zufolge gemeinsam mit 119 weiteren Personen die Haftstrafe für einen nigerianischen Jungen absitzen. Der 13-jährige Omar Farouq war im August wegen vermeintlicher Gotteslästerung zu zehn Jahren Haft verurteilt worden.

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Cywiński habe habe den nigerianischen Präsidenten Muhammadu Buhari in einem Brief aufgefordert, den 13-Jährigen, zu begnadigen, berichtete die nigerianische Zeitung „Sunday Punch“ am Sonntag (Link / Englisch). 120 Freiwillige, darunter Cywiński, seien bereit, stattdessen jeweils für einen Monat ins Gefängnis zu gehen. Als Direktor der Gedenkstätte für das Konzentrationslager Auschwitz, wo Kinder eingesperrt und ermordet wurden, könne er gegenüber dieser für die Menschheit beschämenden Bestrafung nicht schweigen, schrieb Cywiński an Präsident Buhari. Der Junge dürfe nicht seiner Kindheit beraubt werden.

Auslöser für die Verurteilung Farouqs war ein Streitgespräch mit einem Freund gewesen, in dem der Schüler sich angeblich blasphemisch geäußert haben soll. Sollte Buhari das Urteil nicht aufheben können und die Worte des Jungen tatsächlich eine 120-monatige Haftstrafe rechtfertigen, wolle sich Cywiński die Strafe mit 119 anderen Erwachsenen in einem nigerianischen Gefängnis teilen, heißt es in dem Brief. Zudem wolle Cywiński die Schulbildung des 13-jährigen Omar finanziell unterstützen.

Im Norden Nigerias werden sowohl Scharia-Gesetze als das Strafrecht des Staates angewendet.

2 DIREKT-KOMMENTARE

  1. Ich bin begeistert! Bitte mehr davon!

    Ich weiß nicht wie es den anderen Mitlesern geht. Aber ich habe die Schnauze voll von den Sonntagsreden der Politiker und ich kann die Worte „Nie wieder“ nicht mehr hören. Diese Worte sind so was von verlogen, wenn der das sagt nicht einsteht für mehr Nächstenliebe. Wir sehen das doch an unseren Bundespräsidenten Steinmeier. Er redet von „Nie wieder“ und gratuliert einen Tag später dem brutalen Regime im Iran zum Revolutionstag. Also zum Beginn von der massiven Unterdrückung von Männer und Frauen.

    Das ist verlogene Politik und es tut gut zu erleben da es auch Menschen gibt die wirklich aus der Geschichte gelernt haben.

    PS: Piotr Cywiński studierte Geschichte und war u. a. Europavorsitzender des Weltverbands katholischer Akademiker und Künstler, „Pax Romana“.

    • Ja – auch ich bin begeistert von Piotr Cywiński.
      Nicht so begeistert bin ich davon, das Thema mit Politiker-Bashing zu verbinden. Es ist sicher richtig, daß unsere Politik oft inkonsequnet und fragwürdig ist, wenn es um Menschenrechte geht. Aber Politik ist eben auch die „Kunst des Machbaren“. Ich möchte nicht in der Haut von Steinmeier, Merkel und Co. stecken – die müssen doch ständig die Kreise quadrieren. Und wenn eine Spitzenpoliterkerin sich dann doch mal mehr von den Grundsätzen christlicher Nächstenliebe, als denen des geschickten politischen Taktierens, leiten läßt – wie zuletzt unsere Bundekanzlerin in der Flüchtlingskrise 2015 – hagelt es Prügel von allen Seiten ….

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