Der Anti-Missbrauchs-Gipfel ist beendet. Die katholische Kirche übt sich in Selbstkritik und schärft ihre Sinne. Aber: Reicht das den Opfern sexueller Übergriffe? Wie bewerten sie den Gipfel?

Das theologische Online-Magazin feinschwarz lässt zwei betroffenen Frauen zu Wort kommen, die sich in einem Brief direkt an die Verantwortungsträger ihrer Kirche wenden. Darin fordern sie vor allem eines: echte Augenhöhe.

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2 DIREKT-KOMMENTARE

  1. In einer erneuerten Kirche verschwindet auch der Sexuelle Mißbrauch

    Der Brief aus der Perspektive Betroffener zum Mißbrauchsgipfel trifft vielen Nägeln auf den Kopf. Herzlichen Dank dafür.
    Von meiner Seite nun ein paar ergänzende Gedanken zum Thema: Selbstverständlich ist es richtig, daß in neun von zehn Fällen ein sexueller Mißbrauch in der Familie stattfindet, dass es sich vorallem um ein schlimmes gesamtgesellschaftlichen Problem handelt und daß sich die Kirche nur aus der Summe ihrer Menschen ergibt (auch, daß Christenmenschen nicht immer und grundsätzlich bessere Menschen sind). Aber wenn der Papst, den ich ansonsten auch als evangelischer Christ sehr schätze, dieses Mißbrauchsdesaster in diesen (richtigen) Zusammenhang stellt, wird das Mißverständnis fast schon zwangsläufig. Es klingt so wie Relativierung. Das Problem dabei ist: Wenn man mit zwei Fingern auf sich selbst zeigt und mit einem auf die Anderen, dann werden Betroffene so richtig böse. Sie fühlen sich nicht wirklich ernst- und angenommen. Da muß dann die Kirche wirklich Buße tun in Sack und Asche und die Umschreibung des Kirchenrechtes muß einer hundertachtzig Gradwendung deutlich entsprechen. Sonst taugst nichts. Die Einrichtung Kirchlicher Verwaltungsgerichte ist eine gute Idee. Für unsere Katholischen Geschwister wünsche ich mir vor allem, dass sie wieder eine für die Menschen attraktive Kirche, als Tankstelle für die Seelen und auch mehr Interessenten am Priesterberuf.

    Daß der sexuelle Mißbrauch vorallem an Kindern in der Katholischen Kirche weltweit und seit vielen Jahrzehnten stattfindet, die Amtsträger eine reine Männergesellschaft sind , starre Machtstrukturen bestehen und zudem noch das Zölibat praktiziert wird, trägt in sich eine – wenn auch unabsichtliche aber ganz wesentliche – Bremswirkung für durchgreifendes Handeln. Mißbrauch ist die dunkle Seite der Sexualität und damit eigentlich ihr Gegenteil. Sie stellt in großem Maße Gewalt dar. Kirche Jesu Christi ist dagegen die über alle konfessionelle Grenzen hinweg bestehende geistliche Gemeinschaft von Menschen, die versuchen mit Toleranz und Achtsamkeit Gott zu dienen sowie allen Menschen.

    Die Bergpredigt als eine unmittelbare Jesusrede spricht überhaupt nicht von Kirche, schon gar nicht von der Institution Kirche, sondern von Menschen als Licht der Welt, Salz der Erde, Sauerteig der Gesellschaft und daß die Friedfertigen das Erdreich besitzen. Die Christen der Urgemeinde waren die Worte und Taten Jesu noch bekannt, sie praktizierten ein Neues Leben, teilten die Güter des täglichen Lebens und waren damit wahrscheinlich eine sehr unhierarchische Gesellschaft. Wenn ein Römischer Soldat Christ wurde, legte er seine Waffen ab. Mit den Jahrhunderte kam die Hierarchie, die Ämter, Macht, Dogmen und mit den Kreuzzügen war man wieder dort, wo die Wanderung in ein anderes Leben begann. Ich habe nichts gegen Dogmen, aber wenn sie überhöht werden, wichtiger wie die Liebe sind und zu absoluten Wahrheiten entarten, entsteht ein Schiefstand. Nur Gott ist absolute Wahrheit. Auch Kirchenrecht darf nicht über den Idealen des Christlichen stehen. Unter Christus gibt es nur Gleiche. Wenn Frau und Mann gleichwertig sind, muss es auch gleichmäßigen Anspruch geben, für kirchliche Aufgaben verantwortlich zu sein. Immerhin hatte Jesus Jüngerinnen, zu seiner Zeit eine kaum glaubliche Überschreitung gesellschaftlichen Anstandes. Die Demokratie ist zwar keine christliche Erfindung, aber syndoale demokratische Strukturen tun jeder christlichen Institution sehr gut. Auf die Schwestern und Brüder zu hören und nicht über sie hinweg zu regieren, entspricht dem Stil einer zukünftigen sehr Ökumenischen Kirche. Jedenfalls darf man dies hoffen.

    Für die Katholische Krche sowie alle Konfessionen und christliche Gemeinschaften wünsche ich mir in diesem Sinne ein Neues Leben nach den Idealen des Jesus von Nazareth, Liebe statt Moral, Dienst statt Macht, Demokratie statt Pracht – also eine Arme Kirche. Da das mit dem Zölibat immer schon nie richtig funktionierte, sollte man es noch zu Lebzeiten derjenigen Menschen abschaffen, die der Kirche noch nicht den Rücken gekehrt haben. Das wäre schon ein großes Wunder, wenn ein solcher geistlicher Supertanker so schnell seinen Kurs wechselt. Aber es gibt Wunder, wenn man die Logik Gottes anwendet: „Umkehr“!

    Wenn man dies alles tut, sicherlich in einem längeren Prozeß, der aber sofort beginnen sollte, wird sich das Gespenst des Sexuellen Mißbrauchs verflüchtigen wie ein Nachtgespenst. Man hat leider immer die Kirche, die man verdient. Mit der Politik verhält es sich ähnlich.

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