Bonhoeffer-Biograf Metaxas: Liberale und Konservative biegen sich die Bibel zurecht

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Eric Metaxas beim Willow-Leitungskongress in Stuttgart 2012 (Foto: Willow Creek)
„Liberale und Konservative versuchen gleichermaßen, sich die Botschaft der Bibel zurechtzubiegen, damit sie in ihr Weltbild passt.“ Das sagte der amerikanische „New York Times“-Journalist und Autor der erfolgreichen Biografie „Bonhoeffer: Pastor, Agent, Märtyrer und Prophet“, Eric Metaxas, bei einem Vortrag auf dem Willow-Creek-Leitungskongress „Fokus“ in Stuttgart.
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Bei einem Podiumsgespräch mit Willow-Creek-Gründer Bill Hybels sprach Metaxas über seine zweijährige Arbeit an der Bonhoeffer-Biografie, die im vergangenen Sommer auch in Deutschland erschienen ist.

Dietrich Bonhoeffer werde heute oft als liberaler Theologe dargestellt. „Doch je mehr ich nachforschte, desto mehr kam ich zu dem Ergebnis, dass diese Annahme Nonsens ist“, so Metaxas. Bonhoeffer habe die Bibel bereits während seines Studiums anders verstanden als viele seiner Kommilitonen: „Für ihn war sie lebendig, sie spricht zu den Menschen. Er war einer der wenigen an seiner Fakultät, die ihre Stimme gegen die liberale Theologie erhoben haben.“ Auch heute komme es in Europa und den USA vor, dass viele Menschen die Gnade Gottes missverstehen und sich durch ein bloßes Lippenbekenntnis zum Christentum zugehörig fühlten. Dieses Verhalten habe bereits Bonhoeffer als „Namenschristentum“ bezeichnet. „Der Glaube muss im Leben der Menschen Konsequenzen haben“, so Metaxas. Bonhoeffer sei dabei in seinem Mut ein Vorbild: „Bis zum Schluss hatte Bonhoeffer eine Leidenschaft für Gott, hielt im Gefängnis Gottesdienste für seine Mitgefangenen ab. Sein Leben war seine Theologie.“

Hanspeter Wolfsberger, Pfarrer der Evangelischen Kirchengemeinde Betberg-Seefelden (nahe Freiburg), rief Christen zu mehr Entscheidungsfreude auf. Der Satz „Ich will mir so viele Optionen wie möglich offen lassen“ führe meistens nicht weiter. Sich alles offen zu halten, heiße, dass man kein Ziel habe, sagte der ehemalige Direktor des Gesamtwerkes der Liebenzeller Mission. Manchmal sei es wichtig, seine Berufung zu überdenken. Das habe er selber erfahren, als er sich als Direktor der Liebenzeller Mission entschied, eine Pfarrstelle in einem kleinem Dorf „am Ende der Welt“ anzunehmen, obwohl er das Angebot hatte, ein hohes kirchliches Amt zu besetzen.

„Junge Menschen können von den älteren Lernen“

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Der Pastor Gordon MacDonald ging in seinem Vortrag über die Kommunikation zwischen den verschiedenen Generationen ein. „Junge Leute sollten immer wieder den Rat von älteren Menschen, die schon viel erlebt haben, suchen. Sie können davon enorm profitieren.“ MacDonald sagte, dass er mit seinen 72 Jahren mehr arbeite als jemals zuvor im Leben und dies sehr genieße. Er riet Senioren, ihre Lebenserfahrung zu nutzen, um für junge Menschen ein „geistlicher Vater oder eine geistliche Mutter“ zu sein. „Glaubt mir – so wird euch nie langweilig“, ermutigte er die Zuhörer. Es sei schön, die Energie und die Lebensträume der kommenden Generationen zu spüren.

Veranstalter des Leitungskongresses ist „Willow Creek Deutschland“, eine Organisation, die regelmäßig Großveranstaltungen für Mitarbeiter aus Kirchen und christlichen Gemeinden durchführt. Der „Willow-Creek“-Leitungskongress in Stuttgart startete am 26. Januar und geht noch bis zum 28. Januar 2012.