Bruxy Cavey: „Jesus. Punkt.“

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Der kanadische Pastor Bruxy Cavey ist in Nordamerika sehr bekannt. Seine Kirche „The Meeting House“ hat viele Tochtergemeinden, in denen Aufnahmen seiner Predigten angeschaut werden. Seine Gemeinde soll ein Zuhause sein für Menschen, die von der Kirche nicht viel halten. Liebe und Gemeinschaft spielen bei der Verkündigung eine große Rolle.

In diesem Buch möchte der Autor die Botschaft der Bibel zusammenfassen, zuerst in einem Wort, dann in drei, und schließlich in dreißig Wörtern. Dabei ist jede neue Zusammenfassung eine Erweiterung der letzten. Mit Jesus als Grundlage entfaltet Bruxy Cavey das Evangelium.

Er geht auf bekannte Modelle zur Veranschaulichung der Erlösung ein und erklärt dann seine eigenen vier Schritte zu einem neuen Leben mit Jesus. Während viele dieser Modelle mit der Errettung enden, ist es ihm wichtig, auch auf das Leben in Gottes Reich einzugehen, das hier auf Erden beginnt. Anschließend erklärt er, wie Jesus die Religion beendet hat. Tempel, Opfer und Priester finden in ihm ihre Erfüllung, und sind nun als äußere Zeichen nicht mehr notwendig.

Der Jesus-Filter

Im Mittelpunkt seiner Gedanken steht immer Jesus. Christlichen Lehren und die gesamte biblische Botschaft möchte er nur durch den „Jesus-Filter“ betrachten. Ein zweiter Schwerpunkt ist für ihn Gewaltlosigkeit. Als Anhänger der Wiedertäufer-Bewegung gibt es seiner Meinung nach niemals eine Legitimation für Gewalt. An Jesus sehen wir gelebte Liebe und damit das Herz Gottes.

Stellenweise ist der Schreibstil verwirrend, und es dauert eine Weile, bis man sich in das Buch hinein gelesen hat und den Gedanken des Autors folgen kann. Dabei sind die gelegentlichen Beispiele hilfreich. Laut dem Untertitel richtet sich dieses Buch an Suchende, Heilige und Sünder. Manche Aussagen wirken unklar, vielleicht, weil die Zielgruppe so weit gefasst ist. Nachteilig ist auch, dass der Autor sich mehrmals wiederholt. Dadurch ist das Lesen stellenweise mühsam.

Fundierte Gedanken über Religion

Während die Ausführungen im ersten Teil des Buchs wenig Neues bringen, sind die Gedanken des Autors über das Ende der Religion bemerkenswert. „Jesus ist gekommen, um uns nicht nur von unserer Sünde zu erlösen, sondern auch von unserer Religion.“ Die Aufzählung religiöser Übungen und der Vergleich mit dem, was Jesus bereits für uns getan hat, ist fundiert. Glaube ohne Religion führt zu Gelassenheit, jedoch nicht zur Inaktivität, denn wie Jesus sollen wir unseren Nächsten lieben.

Auch wenn der Autor biblische Belege für seine Schlüsse aufführt, liest er natürlich – wie alle – die Bibel durch die Brille seiner Werte und Prägungen. Als vehementer Vertreter der Gewaltlosigkeit kommt er bei dem Thema Hölle zu einem Schluss, dem nicht alle Leser zustimmen werden. „Geistliches Feuer verbrennt die Seele, löscht sie aus. Die Hölle ist das Nichts. Das Gar-Nichts.“ Auch an manchen anderen Stellen macht es den Eindruck, als würde hier eine spezielle „Bruxy Theologie“ vorgestellt.

Von Marianne Müller

Verlag: Neufeld Verlag
ISBN: 978-3-86256-094-3
Seitenzahl: 280
ÜBERBLICK DER REZENSIONEN
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