C. S. Lewis: „Durchblicke – Texte zu Fragen über Glaube, Kultur und Literatur“

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Zugegeben: Wenn man sich so auf dem Markt der christlichen Literatur umschaut findet man wenig, was modernen intellektuellen Ansprüchen genügt. Vieles davon sind Lebenshilfeversuche für den christlichen Otto-Normalleser oder christliches Entertainment. Oft handelt es sich um Nachahmerprodukte dessen, was auch im säkularen Bereich gerade angesagt ist. Dazu kommt noch der Bereich der mehr oder weniger wissenschaftlichen Theologie. Danach wird es dünn. Die großen christlichen Denker des 19. bis 20. Jahrhunderts – über das 21. ist noch kein vorläufiges Urteil zu fällen – kann man fast an einer Hand abzählen. Ich zähle u. a. Søren Kierkegaard, Fjodor Dostojewskij, Lew Tolstoj, Dietrich Bonhoeffer, J. R. R. Tolkien, vielleicht noch Francis Schaeffer oder John Lennox dazu – und eben C. S. Lewis.

Dr. Norbert Feinendegen, gelernter Physiker, Philosoph und Theologe, hat sich nun daran gemacht, zahlreiche kleine Einzelschriften wie Essays, Vorträge, Briefauszüge und Passagen des 1963 verstorbenen christlichen Apologeten und Literaturprofessors C. S. Lewis erstmals ins Deutsche zu übersetzen. Diese Durchblicke sollen je nach Leser zu einem ersten oder weiteren Einblick in sein Werk und Denken anregen. Wie eine gute Predigt ist das Buch in drei Hauptblöcke gegliedert: Philosophie und Theologie, Geistesgeschichte und Literatur. Zu diesen Bereichen hat C. S. Lewis auch den Menschen des 21. Jahrhunderts noch einiges zu sagen. Wer bereits mit den Lewis-Klassikern „Pardon ich bin Christ“, „Die große Scheidung“ oder „Was man Liebe nennt“ vertraut ist, findet hier wertvolles Zusatzmaterial.

Fußnoten wären besser gewesen

Wertvoll ist auch die Einführung des Übersetzers in die drei Blöcke des Buches, da sie die notwendigen Hintergrundinformationen liefert, ebenso der bebilderte Anhang. In den eigentlichen Texten findet man hingegen eher wenig Persönliches über Lewis. Dazu ist zu erwähnen, dass für ein uneingeschränktes Lesevergnügen eine gehobene Allgemeinbildung nicht schadet, insbesondere, was den literarischen Block anbelangt, mit dem ich selbst mich am schwersten getan habe. Deshalb wäre es vom Verlag meines Erachtens besser gewesen, statt Endnoten Fußnoten zu setzen, da man so doch oft zum Blättern genötigt wird. Die Geschmäcker dürften hier aber verschieden sein.

Sehr bereichernd war für mich vor allem der philosophisch-theologische Block, in dem Lewis interessante Gedanken zu den Themen Apologetik, Bibelübersetzung, die Theodizeefrage oder das Verhältnis der christlichen Denominationen liefert. Lewis erweist sich hier im besten Sinne als Ökumeniker, was sicher zu seiner herausragenden Stellung unter den christlichen Literaten beigetragen hat. Im zweiten Block (Geistesgeschichte) ist vor allem der Blick auf die in verschiedenen Zeiten vorherrschenden Weltbilder interessant, während der dritte (Literatur) schon eher die Spezialisten ansprechen dürfte.

Von Johannes Renz

Leseprobe (PDF)

Verlag: fontis - Brunnen Basel
ISBN: 978-3-03848-168-3
Seitenzahl: 416
ÜBERBLICK DER REZENSIONEN
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