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In der Diskussion über eine Neuregelung der Organspende verlangt Unions-Fraktionsvize Johannes Singhammer (CSU) eine grundsätzliche Debatte darüber, wann ein Mensch tatsächlich tot ist. «Aus der Wissenschaft kommen Zweifel, ob der Hirntod noch als Definition des Todes gelten kann», sagte Singhammer der «Berliner Zeitung» (Mittwochsausgabe).

 So habe 2008 der Bioethikrat der USA festgestellt, dass das Funktionieren des Körpers nicht unbedingt kurz nach Eintritt des Hirntodes aufhöre. Diese Annahme sei jedoch bisher das Hauptargument für die Gleichsetzung von Hirntod und Tod gewesen. «Schauen Sie sich die Fälle an, wo hirntote Frauen noch nach Wochen gesunde Kinder zu Welt bringen», sagte Singhammer: «Wir brauchen eine grundsätzliche Debatte darüber, wann ein Mensch tot ist, und zwar sehr offen und ohne Tabus.»

 Ansonsten werde man die Ängste, die viele beim Thema Organspende haben, nicht abbauen können. Das sei aber Voraussetzung dafür, mehr Organspender zu gewinnen.

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 Mit scharfen Worten wandte sich der CSU-Politiker gegen den Vorstoß seines Parteikollegen und bayerischen Gesundheitsministers Markus Söder (CSU), die in Deutschland geltende Zustimmungsregelung für eine Organspende in eine Widerspruchslösung umzuwandeln. «Der Staat darf in unserem freiheitlich-demokratischen System gar nicht so stark in die Persönlichkeitsrechte eines jeden Einzelnen eingreifen», fügte Singhammer hinzu.

 Gegen den Vorstoß Söders wandte sich auch die Gesundheitsministerin von Mecklenburg-Vorpommern, Manuela Schwesig (SPD). «Eine automatische Regelung, wie sie die Widerspruchslösung vorsieht, halte ich für nicht vermittelbar», sagte sie der «Berliner Zeitung».

(Quelle: epd)