Jugendliche auf dem christlichen Camp "Praiseland" (Bild: praiseland)
Vera und Rainer Blauth träumten von einem christlichen Camp, draußen in der Natur. Mit einem Koffer voller Ideen kamen sie 2002 von einer USA-Reise nach Hause. Zwei Jahre später starteten sie Praiseland – zunächst ganz klein auf der Wiese von Rainers Vater. Inzwischen gastiert das Camp auf dem Margaretenhof im Hunsrück. Mitarbeiterin Valerie Gravenhorst hat uns die Arbeit vorgestellt.

Jesus.de: Das Ehepaar Blauth wollte seine christliche Jugendarbeit erweitern – wie kamen die beiden ausgerechnet auf die Idee eines Camps? Was war ihre Motivation dahinter?

Rainers Leidenschaft war schon immer Freizeitarbeit, mit jungen Menschen unterwegs sein und „geistliche Gemeinschaft auf Zeit leben“. Es macht einen Unterschied, ob man sich im Alltag mit der Frage nach Gott und den wichtigen Fragen des Lebens beschäftigt oder in der entspannten Atmosphäre des Urlaubs – so fing alles an. Camparbeit ist nochmal sehr speziell, das ist kein normaler Urlaub. Wir leben sehr reduziert und auf das wesentliche fokussiert mitten in der Natur mit allen Herausforderungen und Begrenzungen, trotzdem erleben wir Größe und Weite. Darüber hinaus ist eine Campwoche bei Praiseland ein Angebot, das für jeden Geldbeutel passt.

Wenn ich teilnehmen möchte, was gehört für Praiseland unbedingt in die Reisetasche?

Ein Schlafsack – nachts kann es kalt im Zelt werden. Und Wanderschuhe sind gut. Selbst wenn man keine Wanderung unternimmt, legt man auf dem Acker täglich einige Kilometer zurück. Das unterschätzen viele. Als Mitarbeiter braucht man auf jeden Fall seine blaue Mitarbeiter-Käppi mit der grünen Praiseland-Schrift drauf. Das ist unser Erkennungszeichen.

Teens auf dem christlichen Camp „Praiseland“.

Woraus besteht das Programm während eines Camps?

Jeder Tag startet mit einer Stillen Zeit, zuerst in einer kleinen Mitarbeitergemeinschaft und dann zusammen mit den Kindern im Zelt. Mit Frühstück und Programm geht es weiter. Mittags gibt es einen Gottesdienst. Da wackelt manchmal das große Veranstaltungszelt, weil es beim Gesang ordentlich abgeht. Dann hören wir eine geistliche Geschichte, die sich wie ein roter Faden durch die ganze Woche zieht. Danach geht es für eine Nachbesprechung in Kleingruppen. Am Abend kommen wir wieder alle zusammen und beenden den actionreichen Tag mit Liedern, einem kleinen Input und dem Segen für die Nacht. So haben wir an drei Punkten des Tages – morgens, mittags, abends – eine ganz konkrete Beschäftigung mit geistlichen Inhalten. Allein diese Regelmäßigkeit sich mit Gottes Wort zu beschäftigen, ob in Liedern, Geschichten oder Gebeten, macht den Tag besonders. Was ist euer Anspruch an jedes Camp? Wir sind sehr auf Innovation aus. Es soll nichts gemacht werden, was die Teilnehmer schon aus den Vorjahren kennen könnten.

In der letzten Sommerferienwoche veranstaltet ihr das Charity-Camp für Kinder aus finanziell benachteiligten Familien. Wie erlebt ihr das?

Das ist immer eine ganz besondere Zeit. Es gibt Kinder, die am Ende der Woche sagen: „Mich hat noch nie jemand ins Bett gebracht“. Sie haben es zum ersten Mal erlebt, dass sich jemand wirklich um sie kümmert. Dass es jeden Tag etwas Warmes und genug zu essen gibt … Das sind krasse Momente, wenn Kinder solche Selbstverständlichkeiten als Besonderheit wahrnehmen. Da spüren wir eine ganz große Dankbarkeit. Auch Kinder, die aufmüpfig sind, die sich nicht an die Regeln halten, spüren: Okay, hier bin ich trotzdem angenommen und ich werde nicht weggeschickt, wie es sonst mit mir gemacht wird.

„Praiseland bedeutet für mich pures Leben auf dem Acker“

Valerie Gravenhorst, Praiseland

Was bedeutet Praiseland für dich als Mitarbeiterin?

Praiseland bedeutet für mich pures Leben auf dem Acker. Neben viel Action gibt es auch geistliche Tiefe: Die Arbeit mit anderen Christen inspiriert mich für meinen persönlichen Glauben. Dadurch, dass wir uns am Tag mehrmals mit Gottes Wort beschäftigen, ist das Camp eine Auftankstation für mein geistliches Leben. Dieses Lernen ist ein wichtiger Punkt für mich. Sich weiterzuentwickeln, über die eigenen Grenzen hinauszugehen, Neues zu entdecken und zu merken: „Wow, was ich alles schaffen kann“ – das macht Praiseland für mich aus. Die ständige Gemeinschaft mit Christen macht uns Mitarbeitern außerdem klar, in wessen Hand wir sind. Unser Miteinander ist von viel Liebe, Vergebung und Akzeptanz für den anderen geprägt. Und das, obwohl wir aus ganz unterschiedlichen Traditionen kommen. Rainer sagt immer ganz flapsig „Es ist egal, ob jemand mit viel oder wenig Wasser getauft wurde“. Wir gucken auf das, was uns eint. Außerhalb von Praiseland hätten wir wahrscheinlich gar nichts miteinander zu tun. In dieser Woche klappt das Miteinander. Es zählt nicht, was man beruflich macht, was man für einen Schulabschluss hat oder was man für Probleme mit sich herumschleppt. Hier ist man wichtig und angenommen, so wie man ist.

„Grenzerfahrungen haben mich wachsen lassen“

Deine schönste Erinnerung an ein Praiseland-Camp …

Das erste Mal war ich 2007 als Teenager dabei. Da habe ich Freunde gefunden, die mir bis heute sehr wichtig sind. Das allein ist schon klasse. In den darauffolgenden Jahren war ich auch als Mitarbeiterin in verschiedenen Bereichen eingebunden. Mich hat fasziniert, wie viel Verantwortung und Vertrauen mir als jungem und unerfahrenen Menschen entgegengebracht wurde. Natürlich bin ich auch manches Mal an meine körperlichen und emotionalen Grenzen gestoßen, aber ich habe mich nie allein gelassen oder überfordert gefühlt. Gerade diese Grenzerfahrungen haben mich wachsen lassen. Ich habe Herausforderungen gemeistert, mehr Selbstvertrauen bekommen und dabei gemerkt, dass auf Gott wirklich Verlass ist.

Das beste T-Shirt sollten Teilnehmer bei Praiseland wohl nicht anziehen … (Bild: praiseland)

In welcher Situationen hast du das besonders gespürt?

Einmal fing es an zu regnen, als wir gerade draußen die Schnitzel auf den Grill gelegt hatten. Ich habe mir große Sorgen gemacht, dass die Stimmung kippen könnte und die Kinder enttäuscht sind. Aber nein: Kinder ticken ja anders. Der Konsens war: „Bei Sonnenschein grillen kann ja jeder, wir haben sogar bei Regen gegrillt.“ Das fand ich total super. Wir hatten viel Spaß und ich war Gott sehr dankbar für das, was er aus der Situation gemacht hat.

Ihr bietet nicht nur Camps für Kinder und Jugendliche. Was noch?

Wir haben auch gerne Gastgruppen bei uns zu Besuch, wie Firmengruppen, die sich als Führungskräfte schulen lassen wollen oder Menschen, die bei uns ihre Hochzeit feiern oder eine Sommerparty veranstalten wollen. Unser Angebot ist breit gefächert.

Wie sieht so eine Zelt-Hochzeit aus?

Wie die Hochzeit ablaufen soll, kann das Brautpaar ganz individuell mit Rainer absprechen. Die Trauung könnte bei gutem Wetter unter freiem Himmel stattfinden, ansonsten in einem großen Veranstaltungszelt. Gefeiert wird dann im großen Küchenzelt, damit man nah beim Essen ist [lacht]. Die Gäste können auch in den Tipis übernachten. Eins muss man nur bedenken: Stöckelschuhe sind auf dem Acker eher ungeeignet [lacht].

Was sind eure Ziele für die Zukunft?

Zwei Jahre nacheinander konnte das Camp auf dem Margarethenhof im Hunsrück stattfinden und wir hoffen, dass wir dort dauerhaft bleiben und sogar ein ganzjähriges Angebot bieten können. Und vielleicht klappt es auch zusätzlich zum Camp einen Schulbauernhof zu gründen. Wer weiß, es liegt in Gottes Hand.

Danke für das Gespräch.


Die Fragen stellte Laura Schönwies

 

Info: Praiseland ist Mitglied im CVJM Pfalz e.V. und gehört zur Evangelischen Jugend der Pfalz. Neben den Sommercamps und den Charity-Camps bietet das Team von Praiseland Camps für verschiedene Altersgsruppen an. Wer sich dafür interessiert, kann sich hier informieren.