Das dänische Parlament diskutiert, ob künftig anderssprachige Predigten im Land ins Dänische übersetzt werden müssen. Von betroffenen deutschsprachigen Kirchen hagelt es dazu Kritik.

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Wie die „Evangelische Zeitung“ in ihrer aktuellen Ausgabe (20. Februar) berichtet, ist es Ziel des Regierungsvorschlags, die Inhalte von Predigten in ausländischer Sprache transparenter zu machen. Dänemarks sozialdemokratische Regierung will damit gegen islamistische Hassprediger vorgehen, die derzeit in dänischen Moscheen auf Arabisch demokratische Grundwerte kritisieren.

Kritik von deutschen Kirchenvertretern

Konsequenzen hätte das jedoch auch für die deutschsprachigen Kirchen: Nach dem aktuellen Gesetzentwurf müssten die Nordschleswiger Pastoren sämtliche Predigten übersetzen und an das dänische Kirchenministerium senden. „Allein der praktische Aufwand ist kaum zu stemmen“, sagt der Pastor von der Kirche Nordschleswig, Matthias Alpen. Er kritisierte zudem, dass sämtliche Glaubensgemeinschaften Dänemarks mit nichtdänischen Predigten durch das Gesetz über einen Kamm geschoren werden. „Es könnte der Eindruck entstehen, es gäbe einen Generalverdacht“, sagte Alpen.

Die deutsch-dänische Kieler Pastorin Annie Lander-Laszig bezeichnet den Gesetzentwurf als „undemokratisch und praxisfern“. Alle übersetzten Predigten müsse schließlich auch jemand lesen, sonst mache es keinen Sinn. „Wer soll das leisten? Es ist absurd“, sagte Lander-Laszig, die Ehrenvorsitzende der Deutsch-Dänischen Gesellschaft ist. Sie befürchtet „katastrophale Folgen“ für die deutsch-dänische Beziehung, wenn das Gesetz in Kraft tritt. Das dänische Parlament will in der zweiten Märzhälfte über den Entwurf entscheiden.

Zum Hintergrund

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Deutsche und dänische Bischöfe hatten den Plan der dänischen Regierung bereits im November mit einem gemeinsamen Brief an mehrere Minister scharf kritisiert. Der Schleswiger Bischof Gothart Magaard und seine dänischen Kollegen aus Hadersleben, Ripen und Kopenhagen erklärten, eine solche Gesetzgebung bringe ein hohes Maß von Misstrauen gegenüber der Sprachtradition der Minderheit zum Ausdruck.

Die deutsche Volksgruppe im dänischen Nordschleswig umfasst heute etwa 15.000 Mitglieder. Sie unterhält eigene Kindergärten, Schulen und Büchereien und gibt eine eigene Tageszeitung heraus. Die deutsche Kirche in Nordschleswig gliedert sich in fünf Pfarrbezirke und 30 Kirchengemeinden. Der dänischen Minderheit im deutschen Landesteil Schleswig gehören etwa 50.000 Menschen an.

2 DIREKT-KOMMENTARE

  1. Wozu gibt es denn Google Translator? Ich schreibe meine Predigten auf Deutsch und übersetze sie dann in die jeweilige Sprache, die gebraucht wird. Sprachliche Feinheiten lassen sich leicht ausbügeln, wenn man nochmal drüberliest.
    Wenn man damit Hasspredigern aller Art, egal wo sie herkommen, das Handwerk legen kann, finde ich es nicht übertrieben.

  2. Übersetzungspflicht für nichtdänische Predigten

    Wer kommt denn auf eine solche hirnrissige Idee. Einmal abgesehen davon, dass diese Idee im zugrunde liegenden Artikel bereits als unrealisierbar betrachtet wird: Ich würde die armen Übersetzer*innen bemitleiden, die dann neben den auch sprachlich guten Ansprachen auch jene lesen müssen, die voller (christlicher) Worthülsen und sehr wenig Inhalten sind.
    Aber was macht man mit jenen Redebegabten, die mit gekonnter Rethorik ihre Zuhörer auf den Kirchenbänken begeistern, aber mit ein paar Stichpunkten auskommen. Es gibt solche Prediger, Pfarrer*innen, Bischöfe und andere, die bei ihren Ansprachen keinerlei abzulesende Texte benötigen. Wieder andere sagen etwas anderes, als sie aufgeschrieben haben. Man sollte das Projekt einer Übersetzung aufgeben. Ich bin gewiss ein Gegner des Islamismus und jedweder hassverbreitenden Predigt, von wem auch immer. Aber schürt die Regel, etwas müsse in die Landessprache übersetzt werden, nicht den Anschein von Generalverdacht bei jenen, die zusammen zu Allah beten ? Der Übersetzungsgedanke liest sich wie ein Aprilscherz, aber als schlechter.

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