Menschen ermutigen, das möchte Bestseller-Autorin Damaris Kofmehl mit ihren Büchern. Dabei hat sie selbst viele menschliche Enttäuschungen erlebt. Gegen die Verbitterung hilft ihr das Vertrauen auf Gott.

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Von Christa Göth-Koebel

Ich lese, ja verschlinge die Autobiografie von Damaris Kofmehl, die gerade erschienen ist. Das unglaubliche Tempo ihrer Geschichte spiegelt sich in meiner Leseweise wider: Ich kann das Buch kaum beiseitelegen. Oft stockt mir der Atem und ich denke: „Nicht das noch!“ Wie zum Beispiel bei dieser Erfahrung während ihrer Arbeit mit Straßenkindern in Brasilien:

„Nach diesem Desaster brauchte ich dringend etwas Privatsphäre und Zeit, um mich wieder zu sammeln. Ich schloss die Tür meiner Wohnung auf – und blieb wie angewurzelt stehen. Ein starker Geruch nach Urin schlug mir entgegen. Ich folgte dem Geruch bis zu meinen Schuhen im Flur und da traf mich der Schlag: Sämtliche meiner Schuhe waren vollgepinkelt! Pastorin Sandra hatte doch tatsächlich ihren Hund in meine Wohnungelassen, um überall sein Geschäft zu verrichten! (…) Und als wäre dies noch nicht genug, stellte ich fest, dass all meine Kleider voller Ameisen waren, weil irgendjemand (…) Zucker darüber gestreut hatte. Ich konnte mich nicht erinnern, jemals so viel Bosheit gegen mich erlebt zu haben. Ich setzte mich aufs Bett und begann bitterlich zu weinen.“

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In hoher Schlagzahl, teils von engen Vertrauten, erlebt sie Verrat, Lüge, Verleumdung, Machtmissbrauch, Herzenshärte, Gier, Raub, Rache. Was immer es an zwischenmenschlicher Bosheit gibt, so scheint mir, Damaris hat es durchgemacht. Wer ist diese Frau? Hat sie sich einen Schutzmantel der Unantastbarkeit zugelegt? Ist sie wohl zynisch oder distanziert, verbittert oder einfach erschöpft?

Nur nicht verbittert werden!

An einem Spätsommersamstag besuche ich Damaris in ihrem Zuhause. Ihre herzliche Art ist gewinnend. Ich fühle mich gleich unglaublich wohl in ihrer Nähe und will es erst recht wissen: Wie kommt sie so ansteckend fröhlich aus ihrer schier unerträglichen Geschichte?

Wir tauchen schnell mitten hinein und gehen der Bitterkeitsfrage auf den Grund. Sie habe früh bittere Menschen kennengelernt und sich geschworen, nie so enden zu wollen, erzählt Damaris und berichtet ungeschönt von ihren inneren Kämpfen. Dabei verwendet sie ein eindrückliches Bild aus dem Film Spiderman 3: Wie eine teerartige, sich selbst vermehrende Masse sei die Bitterkeit. Erst nur ein kleiner Spritzer auf den Kleidern, doch wehe, sie wird nicht gleich entfernt. Dann dehnt sie sich unkontrolliert aus, wird zu einem Ganzkörperanzug, einer neuen Identität gleich. Das Entfernen wird zur Zerreißprobe, ein grausam schmerzhafter Prozess.
Von Anfang an wollte die Schriftstellerin ihre Autobiografie als Abschluss, nicht als Abrechnung schreiben. Angetrieben hat sie die Hoffnung, Lesenden Mut zu machen, die ebenso in schwierigen Situationen stecken oder durchlebt haben. Also musste die eigene Bitterkeit raus.

Schreibend hat sie ihre Geschichte aufgearbeitet. Schnell merkte sie, dass sie die Verletzungen aus ihrer Vergangenheit trotz all ihrer Bemühungen nicht aus eigener Kraft loswerden konnte. In den unpassendsten Momenten schwappten die bitteren Gefühle und Gedanken hoch. Ihre Geschichte spielt sich durchgehend innerhalb der christlichen Szene ab. Dass ihr gerade hier so viel Leid widerfahren ist, ließ sie zusätzlich hadern. Sie hielt ihr wundes Herz Gott entgegen: „Ich komme damit nicht klar, ich kriege es nicht weg, ich weiß nicht wie. Ich will es, ich bete, ich flehe.“ Gott habe bestimmt gelacht, als er ihren ursprünglichen Zeitplan fürs Buch sah, sagt Damaris schmunzelnd. Nie hätte sie Zeit dafür gefunden. Das Buchprojekt hat länger gebraucht, weil sie länger brauchte.

„Wenn ich jetzt aufgebe, fallen viele mit um.“

Als bekannte Autorin steht Damaris in der Öffentlichkeit. Das habe ihr geholfen. Sie, die in ihren Büchern stets ermutigend davon berichtet hat, wie Gottes Wege immer weitergehen, wollte und konnte nicht aufgeben. „Viele Leute schauen auf mich. Wenn ich jetzt aufgebe, fallen viele mit um.“ Sie wollte erleben, wie Gott auch mit ihr den Weg aus dem Schlammassel herausgeht, und hat dabei erlebt, wie er ihr die Kraft dazu gegeben hat, obwohl es oft kaum auszuhalten war. Es fiel ihr schwer, in dieser Spannung zu leben, dass Jesus sofort heilen kann und doch den langen Weg mit ihr gegangen ist. Mittendrin wusste sie ja nicht, wie lange diese Phase anhalten würde.

Aufgeben war für Damaris noch nie eine Option gewesen und sie wusste bestimmt: Selbst wenn noch mehr Schlimmes kommen sollte, würde sie weitermachen. Einmal im Kämpferrhythmus drin, mache man halt einfach weiter, so sei nun mal ihr Charakter. Eine Kämpferseele, die auch in den tiefsten Tiefen nicht aufgeben würde.

Schubweise, durch heilsame Begegnungen mit Menschen, die zuhörten, halfen und beteten, wurde eine verhärtete Schicht um die andere abgetragen. Die Bitterkeit löste sich und das Buch wurde fertig.

Reflektierend sagt sie, dass sie immer eine Trennung zwischen Gott und den Menschen machen konnte und keine Wut auf Gott verspürte. Ganz im Gegenteil: Die tiefe Freude an Gott, die sie schon immer in sich getragen habe, sei ihr stets erhalten geblieben. Damaris sieht Gott auch in den kleinen Dingen. Manchmal, wenn sie schwer atmend beim Joggen stehen bleibt und ein noch so kleines Blümchen am Wegesrand entdeckt, denke sie: „Wow, das hat Gott für mich allein hier wachsen lassen“. Sie nennt solche Erlebnisse „Herzchen von Gott“, die ihr Herz berühren.

„Mutig den ersten Schritt wagen! Dann kommt Gott zehn Schritte entgegen.“

Viele Frauen stellen ihr Licht unter den Scheffel

„Mutig den ersten Schritt wagen! Dann kommt Gott zehn Schritte entgegen.“ Dieses Motto kennt Damaris nicht nur bei der Vergebung. Es ist eine Lebenshaltung, die sie vor allem Frauen zusprechen will. So viele Frauen stellen ihr Licht unter den Scheffel, verbergen ihre Gaben und Talente und trauen sich wenig zu. Damaris sieht in der Entmutigung eine Waffe Satans, speziell gegenüber Frauen. Die brave, zurückhaltende Rolle, die Frauen oft zugeschrieben wird, behagte ihr noch nie. Lieber zog sie in ihren Zwanzigern nur mit einer Plastiktüte los, um Chile zu bereisen. Sie sehnt sich nach mehr Wagemut und Gleichberechtigung: „Da ist Power und eine unglaubliche Sprengkraft drin, wenn Frauen umsetzen würden, was Gott ihnen aufs Herz gelegt hat. Wir haben alle mehr Kapazität, als man sich zugesteht, man traut sich nur nicht so.“ Wage man nicht den ersten Schritt, so blieben Visionen nur ein Traum im eigenen Herzen. Es sei eine Zusammenarbeit mit Gott. Damaris ist überzeugt, dass Gott nicht alles für uns, sondern ganz viel mit uns tun will.

Mut gehöre dazu und das Lampenfieber kennt die Autorin gut. Die Chance, zu scheitern, redet sie nicht klein, doch man dürfe die Aussicht auf Erfolg auch nicht ignorieren. Falls mal etwas misslinge, halte sie sich an T. A. Edison, den Erfinder der Glühbirne, der über Misserfolg sagte: „Ich habe nicht versagt. Ich habe nur 10.000 Wege gefunden, die nicht funktionieren.“

Damaris’ verstorbener Mann Demetri hat sie stets ermutigt, ihren Fokus auf die positiven Ergebnisse zu setzen und auszuhalten, dass nicht jeder applaudiert. Ob beim Schreiben oder der Online-Church „Open Arms“ schaut die leidenschaftliche Mutmacherin auf die Menschen, die sie erreicht und durch ihre Arbeit aufbauen kann. Immer wieder bekommt sie bewegende Rückmeldungen, von Menschen, die durch ihre Botschaften Mut zur Veränderung und Mut zu einem Neuanfang mit Gott gefunden haben. So auch für ihr Buch „Kämpferseele“. Hierfür lebt und arbeitet sie.

Ruhiger, nicht langweiliger

Mit der Autobiografie „Kämpferseele“ und ihrem 50. Geburtstag beginnt für Damaris eine neue Phase. Gott habe sie ans Limit geführt, jetzt hoffe und glaube sie, dass die größten Stürme vorbei sind und ihr Leben ruhiger laufen werde. Gott wisse, was er uns zumutet, und sie denke, dass er ebenfalls finde: Jetzt reichts! Ruhiger hat nichts mit Langeweile zu tun, aber etwas weniger Dramatik und mehr Zeit für die Muße. Obwohl sie erst nicht wusste, ob sie nach zwanzig Jahren Auslandserfahrung wieder in der Schweiz Fuß fassen würde, fühlt sie sich wohl zurück am Ort ihrer Kindheit. Sie ist gerne draußen, wandert, joggt und entspannt sich bei einem guten Film. Damaris wirkt ausgeglichen und glücklich in dieser Phase. Die hohe Spannung und die Last vergangener Zeiten sind von ihren Schultern genommen.

Im Keller des Reihenhauses, das sie zusammen mit ihrer Mutter und dem knuffigen Vierbeiner Hero bewohnt, zeigt mir Damaris ihr Film- und Tonstudio. Von zu Hause aus produziert sie auf engstem Raum die Videobeiträge für die Internetkirche und nimmt gerade die Audio-Fassung ihres Buches auf. Für Letzteres hat sich die unermüdliche Macherin zur Hörbuchsprecherin ausbilden lassen. Sie schätzt die Abwechslung zwischen den verschiedenen Arbeitsbereichen und den Phasen ihres Alltags: Ganz intensiv öffentlich auf Tournee, extrem privat während sie an einem Buchprojekt arbeitet. Auf die Frage, ob sie sich einen Ruhestand vorstellen könne, antwortet sie lachend, dass Künstler nie in Rente gehen, und sie hoffe, bis achtzig schreiben zu können. An Ideen für nächste Bücher fehlt es ihr nicht. Ich freu mich drauf.


Das Porträt über Damaris Kofmehl schrieb Autorin Christa Göth-Koebel zuerst für die Zeitschrift Joyce (Ausgabe 04/2020). Joyce erscheint regelmäßig im SCM Bundes-Verlag, zu dem auch Jesus.de gehört.

 

 

 

Die Autobiografie von Damaris Kofmehl „Kämpferseele. Die Stürme meines Lebens“ ist gerade in der zweiten Auflage im SCM Hänssler Verlag erschienen. Der SCM Hänssler-Verlag gehört wie Jesus.de zur SCM Verlagsgruppe.