Konzerttournee? Abgesagt. Einnahmen? Weggebrochen. Im Frühjahr steht Kindermusiker Daniel Kallauch wie viele freischaffende Künstler vor einer ungewissen Zukunft. Hier erzählt er, wie er sich in der Coronakrise neu erfunden hat.

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Jesus.de: Daniel Kallauch, im Frühjahr brach deine Jahresplanung zusammen. Es gab keine Konzerte, die geplante CD-Produktion stand auf der Kippe. Du hast dich dann für eine Crowdfunding-Kampagne entschieden…

Daniel Kallauch:…völliges Neuland für mich! Aber die Ausgangssituation war klar: Entweder ich ziehe das durch, oder es gibt keine CD. Und daran hängt ja nicht nur meine eigene berufliche Existenz: Ich habe Angestellte, für die ich verantwortlich bin.

Wie lief die Kampagne?

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Insgesamt war das eine unglaublich intensive Zeit für mich. Drei Wochen Vorbereitung plus 40 Tage Kampagne, das war wie ein Dauermarathon, das hat mich echt geschafft. Ich habe etliche kurze Videos produziert, um für das CD-Projekt zu werben. Außerdem habe ich 350 Personen persönlich angeschrieben, die ich in über 30 Jahren musikalischer Tätigkeit kennengelernt habe. Viele von denen haben das CD-Projekt unterstützt. Wenn ich dann reingeschaut habe, wieviel Geld Tag für Tag dazukam, stand ich oft nur staunend da und dachte: ‚Wow!‘

Bis zum Ende der 40-tägigen Kampagne sind schließlich 35.000 Euro zusammengekommen. Dadurch konnten wir die CD-Produktion plus Werbung bezahlen – und sogar einen zusätzlichen Studiotag, sodass wir außer den 13 Songs für die CD noch fünf weitere Lieder produziert haben. Die gab es jetzt als Dankeschön für alle Unterstützer. Und, am wichtigsten: Die CD „Knallvergnügt – von Gott geliebt“ ist wie geplant erschienen.

Du lebst als Künstler in erster Linie von deinen Auftritten. Vor einigen Monaten war nicht absehbar, ob das 2020 überhaupt noch möglich sein würde. Wie hat sich das entwickelt?

Ich hatte im August und September rund 20 Auftritte, davon 15 Open Air. Das waren Familiengottesdienste, Gottesdienste zum Schulanfang und zum Teil auch ’normale‘ Konzerte.

Normale Konzerte?

Jein. Nach der Crowdfunding-Kampagne habe ich mich hingesetzt und überlegt: Du musst etwas Neues machen, dich neu erfinden. Also habe ich ganz viele Veranstalter angeschrieben und ihnen gesagt: Vergesst meine Familienshow, vergesst die Besetzung mit großen Bühnenbild, Musiker und Techniker. Ab sofort gibt es von mir ‚Solo mit Vogel‘ – also mit meiner Handpuppe, dem Spaßvogel Willibald. Es ist mehr Unterhaltungsprogramm, weniger Gesang. Viel Puppenspiel und Geschichten. Wir machen das mit kleinem Team. Meine Frau und einer meiner Söhne unterstützen mich. Und diese Variante konnten sich zum Glück viele Veranstalter vorstellen.

Gab es keine Absagen?

Doch, auch. Aber dafür kamen teilweise kurzfristig neue Engagements rein. Zwischen Anfrage und Auftritt lagen manchmal nur 14 Tage. Das wäre vor Corona undenkbar gewesen. Insgesamt ist das alles gut gelaufen. Manchmal habe ich mich gefühlt wie in der Anfangsphase meines Künstlerdaseins – zum Beispiel bei einem Auftritt auf einem Biobauernhof in der Nähe von Ulm: Umkleide in der Eiersortierhalle, die Hühner schauten zu.

Wie sehen deine Pläne für den Rest des Jahres aus?

Mein Team und ich haben das erst im letzten Jahr neu produzierte Singspiel „Weihnachten ist Party für Jesus“ vollständig digital überarbeitet und mit vielen neuen Aspekten für die aktuelle Situation erweitert: Dazu gehört zum Beispiel eine Streaminglizenz, die es einfach macht einen Gottesdienst mit vielen zu teilen – oder auch digitale Checklisten und weitere Download-Inhalte, die einen Großteil der Arbeit übernehmen und es ermöglichen, in der aktuellen Situation trotzdem einen wunderschönen Weihnachtsgottesdienst zu erleben. Aktuell versuche ich, dieses Singspiel unter Kirchengemeinden, KITAS und anderen Veranstaltungsorten mit Weihnachtsprogramm bekannt zu machen.

Im Bezug auf Konzerte ist die Unsicherheit schon groß. Ich habe mich mal darauf eingestellt, dass es noch ein Jahr so weitergeht. Im Moment freue ich mich über jeden einzelnen Termin. Ursprünglich wollte ich nicht mit der aktuellen CD auf Tour gehen, jetzt mache ich das natürlich. Falls möglich, trete ich Ende Oktober wieder auf. Einige Termine wurden allerdings von den Veranstaltern abgesagt. Bei der Adventtour stehen zurzeit noch zehn von 13 Auftritten.

Und dann?

…werde ich kreativ. Lieder schreiben für 2022. Und extrem flexibel sein. [schmunzelt] Mein Vorteil ist, dass ich einen Vogel habe.

Vielen Dank für das Gespräch.

Die Fragen stellte Daniel Wildraut


CD von Daniel Kallauch Knallvergnügt
„Knallvergnügt – von Gott geliebt“ heißt die aktuelle CD von Daniel Kallauch.

Daniel Kallauch ist seit mehr als 30 Jahren als Kindermusiker mit seinem Spaßvogel Willibald unterwegs. Er hat inzwischen über 2.800 Auftritte im deutschsprachigen Raum absolviert.

Link: Homepage von Daniel Kallauch

 

 

 

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