Daniel Schneider: Tabu Trennung

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In Daniel Schneiders Buch wird, ohne zu bewerten, das Thema Scheidung bzw. Trennung im christlichen Kontext angesprochen. Daniel Schneider ist Journalist, weder Psychologe, noch Seelsorger, was dem Buch einen erfrischenden, teilweise „naiven“, aber genau deshalb sehr berührenden Stil verleiht. Denn genauso kann der Leser als ganz „normaler“ Mensch angesprochen und das Thema einmal nicht aus rein theologischer, psychologischer oder wissenschaftlicher Sicht behandelt werden. Man fühlt sich mitten drin, angesprochen, leidet mit und denkt mit.

Da das Buch weder nur ein Ratgeber, noch nur Kritik oder Zurechtweisung oder eine Darstellung der Meinung des Autors ist, ist es für ein breites Publikum interessant: Egal, ob man das Thema einfach nur spannend findet, ob vielleicht selbst gerade Probleme in der Beziehung hat – oder auch den einen oder anderen Konflikt beim Thema Christentum und Trennung erlebt hat. Dieses Buch kann eine sehr aufschlussreiche, bewegende und hilfreiche Lektüre sein, die definitiv den Horizont erweitert.

Zwar geht es auch darum, konservative Christen dazu aufzufordern, das Thema der Trennung nicht zu tabuisieren, sondern im Gegenteil, um mehr Trennungen zu vermeiden, sich damit und mit dem Thema Sex mehr und „lockererer“ auseinanderzusetzen, jedoch wertet Daniel Schneider dabei nicht und schafft es so, dass man zum Nachdenken angeregt wird. Er führt Interviews mit verschiedenen Menschen, die sich scheiden ließen, und die die unterschiedlichsten Konsequenzen und Gedanken dazu äußeren. Es wird dabei nichts beschönigt und nichts weggelassen. Dabei wird zum einen deutlich, woran Beziehungen scheitern können, was die Schwierigkeiten einer Trennung sind, was danach übrigbleibt, aber vor allem, was alle Personen vor der Verzweiflung bewahrt hat: die Liebe Gottes, die immer bleibt, auch bei Trennung und Scheidung.

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Wer sich mit dieser Botschaft auseinandersetzen möchte, der sollte dieses Buch unbedingt lesen. Es wird zwischendurch, auch mit Zitaten aus der Bibel oder anderen Werken, verdeutlicht, was bei uns als Menschen vor, während und nach einer Beziehung vorgeht, warum Beziehungen scheitern können, was aber nicht heißt, dass man den Glauben an die eine wahre Liebe verlieren darf. Es rüttelt auf, an seiner Beziehung zu arbeiten und vor allem in Bezug auf das Thema Kommunikation in christlichen Kreisen bisweilen etwas umzudenken.

Mich haben die unterschiedlichen Geschichten sehr berührt, da sie daran erinnern, wie wertvoll eine Beziehung ist, dass man daran immer arbeiten muss und dass dabei Gott immer an seiner Seite hat, der immer nur das Beste für unser Leben will. Und, ja, im Zweifel kann das auch mal die Scheidung sein, einfach weil wir Menschen sind und sündigen können.

Von Janike Pfefferle

Verlag: SCM Hänssler
ISBN: 978-3-7751-5758-2
Seitenzahl: 176
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