Was unterscheidet einen normalen Berater am Königshof von einem echten Propheten? Und warum scheidet Daniel in dieser Frage die Geister?
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Von Daria Langeloh

Er ist klug, er ist schön, und er kommt aus reichem Haus. Deshalb wurde Daniel ca. 605 v. Chr. an den Hof des babylonischen Königs Nebukadnezar geholt, um als Berater zu arbeiten. Oberflächlich betrachtet war er genau das: Ein Berater unter vielen anderen, die dem König mit guten Ratschlägen zur Seite standen. Mit dem typischen Propheten hatte er nicht viel gemeinsam, denn im Gegensatz zu anderen wissen wir nicht, ob er eine Ausbildung in dieser Richtung gemacht hatte und er erlebte z. B. keine ausdrückliche Berufung von Gott in den Prophetendienst. Deswegen wird das Buch Daniel von den Juden bis heute nur zu den „allgemeinen Schriften“ gezählt.

Mehr Sein als Schein

Doch der erste Schein trügt. Wenn man das Buch Daniel liest, wird schnell klar, dass er und seine drei Freunde, die zusammen am Hof des Königs lebten, sehr wohl mehr waren als die anderen Berater. Nicht nur, dass sie aufgrund ihrer besonderen Ernährung schöner und stärker waren als ihre Kollegen. Gott gab ihnen auch ein besonderes Verständnis für die verschiedensten und kompliziertesten Themen und Daniel bekam darüber hinaus noch die Gabe, Visionen und Träume jeder Art zu deuten, was besonders in der zweiten Hälfte des Buches eine Rolle spielt.

Träume sagen und deuten

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Und diese einzigartige Fähigkeit Daniels gebrauchte Gott, um in Babylonien zu wirken und den Menschen seinen Willen mitzuteilen. Das erste Mal geschah dies, als Daniel bereits einige Jahre am Hofe des Königs gelebt hatte. Zu dieser Zeit hatte Nebukadnezar einen Traum, und aus Angst, belogen zu werden, sagte er zu seinen Beratern: „Sagt mir nicht nur, was mein Traum bedeutet, sondern auch, was ich geträumt habe! Sonst müsst ihr alle sterben!“ Natürlich konnte keiner von den Beratern sagen, was der König geträumt hatte und erst recht nicht, was der Traum bedeutete. Einzig und allein Daniel war in der Lage, diese Aufgabe zu lösen. Das schaffte er allerdings nur, weil er mit seinen Freunden Gott angefleht hatte, ihm die richtige Antwort zu geben. Der König war so beeindruckt von Daniels Leistung, dass er ihn zu einem der einflussreichsten Männer im Land machte. Diese Position nutzte Gott, um durch Daniel zu den Menschen im Land zu sprechen. Allerdings nicht zu den Israeliten, die im Land lebten, sondern zu den Königen von Babylonien.

Ehrlich und aufrichtig

Natürlich hätte Daniel nun die Gunst der Stunde nutzen können, um für sich selbst das Beste rauszuholen und für den Rest seines Lebens sorgenfrei am Königshof zu leben, wie das zum Beispiel die anderen „Berater“ am Königshof machten. Doch das tat er nicht. Stattdessen setzte er sich dafür ein, dass auch seine Freunde gute Jobs bekamen und hatte keine Angst davor, dem König gegenüber Gottes Botschaft zu verkündigen. Auch wenn das nicht immer gute Nachrichten waren. Denn eines nachts hatte der König wieder einen Traum und Daniel erklärte ihm, dass Gott ihm dadurch gesagt hatte, was auf ihn zukommen würde: Weil Nebukadnezar sich selbst verherrlichte und nicht nach Gott fragte, sollte er sieben Jahre lang leben wie ein Tier, ohne menschlichen Verstand. Nach Ablauf dieser Zeit würde er Gott loben und sein altes Leben zurückbekommen. Jeder andere in Daniels Position hätte Angst gehabt, dem König so eine schlechte Nachricht zu überbringen, oder hätte vielleicht sogar versucht, für sich selbst einen Vorteil aus der Situation zu ziehen. Doch nicht Daniel. Er war selbst so erschrocken über diese Ankündigung, dass er den König anflehte, sich doch an Gott zu wenden und zu ihm umzukehren. Aber Nebukadnezar hörte nicht auf ihn und es kam, wie er es vorausgesagt hatte: Der König lebte sieben Jahre lang wie ein wildes Tier und als er seinen Verstand zurückbekommen hatte, lobte er Gott.

Wie der Vater, so der Sohn

Und auch Nebukadnezars Nachfolger, seinem Sohn Belsazar, verkündigte David furchtlos Gottes Wort. Als Belsazar auf einem Fest mit seinen Gästen aus den heiligen Gefäßen der Israeliten trank, die sein Vater geraubt hatte, erschien plötzlich eine Hand und schrieb unverständliche Worte an die Wand. Wieder war es Daniel, der als einziger lesen und deuten konnte, was dort geschrieben stand. Furchtlos verkündete er dem König, dass Gott ihn wegen seines sündigen Lebens verurteilen und bestrafen würde. Und genau so geschah es noch in der gleichen Nacht.

Unter Gottes Schutz

Doch Daniel erlebte Gottes Handeln nicht nur aus der Zuschauerperspektive, sondern auch am eigenen Leib, denn er spielt die Hauptrolle in einer der bekanntesten Geschichten der Bibel: Zum Tode verurteilt wurde er zusammen mit einer Horde hungriger Löwen über Nacht in eine Grube gesperrt. Doch durch Gottes Schutz überlebte er und war nicht mal wütend auf den König, der ihn dort eingesperrt hatte.

Von Gott gebraucht

Durch diese und weitere eindrückliche Geschichten wird deutlich, warum Daniel eben kein normaler Berater des Königs war, sondern durchaus zu den Propheten gezählt werden kann. Dabei kommt es noch nicht einmal darauf an, dass er Träume und Visionen gedeutet hat, die auf zukünftige Ereignisse hinweisen. Ein Prophet ist nicht unbedingt jemand, der die Zukunft voraussagen kann. Sondern ein Prophet ist der, der sich von Gott gebrauchen lässt und sein Wort verkündet. Es kommt darauf an, eine enge Beziehung zu Gott zu haben und bereit zu sein, ihm zu gehorchen. Ohne Angst vor den Reaktionen der Menschen. Und ohne Arroganz.

Mut, Achtung und Respekt

Daniel hätte viele Möglichkeiten gehabt, einen Rückzieher zu machen, Gottes Botschaft etwas weniger streng zu verkündigen und damit Ärger zu vermeiden. Auch hätte er seine Sonderstellung nutzen können, um für sich selbst das Beste herauszuholen, ohne an seine Freunde zu denken. Oder er hätte auf die babylonischen Könige herabschauen können, denen er Gottes Strafe ankündigte. Doch Daniel war anders. Er sagte, was Gott ihm auftrug. Er kümmerte sich nicht nur um sich, sondern auch um seine Freunde. Und er begegnete allen Menschen mit Respekt und Achtung. Daniel war ein Berater, weil er den Königen bei schwierigen Entscheidungen zu Seite stand. Er war ein Diener, weil er Gott sein Leben gegeben hatte und ihm diente. Und er war ein Prophet, weil er seinen Mitmenschen Gottes Wort verkündigte.


Dieser Artikel ist zuerst in der Zeitschrift Teensmag erschienen, die wie Jesus.de zum SCM Bundes-Verlag gehört.

1 DIREKT-KOMMENTAR

  1. Über Daniel kann die Geschichtswissenschaft nicht viel sagen: Für die letzten 30 Jahre der Regierungszeit Nebukadnezars steht uns keine Chronik zur Verfügung, und dieser Zeitraum beginnt in dem Jahr, als Daniel den erste Traum Nebukadnezars deutet.

    Immerhin wissen wir etwas über Belsazar: er war nicht König. Lange Zeit war das ein Argument gegen die Glaubwürdigkeit des Danielbuchs, bis sich herausstellte, dass er als König anstelle seines Vaters Nabonid, des eigentlichen Königs, regierte – und somit auch nur den dritten Platz in seinem Reich vergeben konnte, wie Dan 5,7.16 korrekt schreibt.

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