Wie war das eigentlich damals beim ersten Weihnachtsfest in Bethlehem? Eine Nacherzählung des zweiten Kapitels aus dem Lukasevangelium.

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Von Alexander Garth

Das erste Weihnachtsfest liegt mehr als 2.000 Jahre zurück. Es war eine gute Handvoll Hirten, die nachts ihre Herden hüteten, als das Unglaubliche geschah. Aufgescheucht durch eine Engelerscheinung machten sie sich auf den nächtlichen Weg in die Kleinstadt Bethlehem. Dort fanden sie in einem lausigen Stall das Neugeborene, seine Mutter Maria und Josef, ihren Verlobten, wie die Engel es ihnen gesagt hatten. Die Engel, die das Kommen des lang verheißenen Retters und Heilands verkündeten, erschienen nicht dem Ortspfarrer von Bethlehem, nicht den Theologen und Schriftgelehrten, nicht den Priestern im nahen Jerusalem. Nein, die Hirten waren die Ersten, die Gott in den Stall einlud – zur allerersten Weihnachtsparty auf dem Planeten. Die Arbeiter, die auf der sozialen Leiter ganz unten stehen, Vertreter des damaligen Proletariats – die wollte Gott dabeihaben, wenn sein großes Heilswerk mit dieser Welt beginnt: dass die Menschen Gottes Kinder und Freunde werden können.

Hirte zu sein ist ein harter Job, schlecht bezahlt, gefährlich noch dazu. Tag und Nacht arbeiten, niemals frei, für die Tiere verantwortlich, die einem nicht einmal gehören. Immerzu draußen übernachten. Es kann auch in Israel empfindlich kalt werden unter freiem Himmel. Ständig rumziehen auf der Suche nach guten Weideplätzen. Und dann die wilden Tiere, die sich gern ein Schaf als fette Mahlzeit holen! Hirte wird man nicht freiwillig. Das ergibt sich so. Und dann muss man’s halt machen, ein Leben lang, um sich seinen kärglichen Lebensunterhalt zu verdienen.

Die Nacht, die alles veränderte

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Und dann war da diese Nacht, die alles veränderte. Der Engel, der plötzlich erschien und mit ihm ganz viele Himmelsboten. Ein Strahlen erfüllte die Luft und der Engel redete etwas von einem „Heiland“, der geboren war im Ort der Familie Davids, also in Bethlehem, ganz in der Nähe. Wie jeder Jude kannten auch die Hirten die alten Prophetien von einem „Messias“, den Gott zu seinem Volk Israel senden würde, um es zu erlösen. Sollte das wirklich wahr sein? Löste Gott jetzt sein altes Versprechen ein, von dem in der Bibel berichtet wird? Erschüttert und neugierig geworden durch die Worte des Engels und die himmlische Musik, wollten die Hirten es wissen und liefen durch die Nacht nach Bethlehem. Dort fanden sie alles so, wie es ihnen gesagt worden war.

Nach dieser Nacht gingen sie fröhlich zurück in ihr hartes Leben. Sie sangen und priesen Gott aus vollem Herzen, weil er sein Versprechen wahr gemacht hatte. Wurde ihr Leben ein besseres? Die Hirten gingen in ihren grauen Alltag zurück, aber über der dumpfen Bassmelodie eines harten Lebens sangen sie die helle Oberstimme der Hoffnung und Begeisterung: dass die Liebe Gottes real und zum Anfassen unter uns Menschen erschienen ist.

Alexander Garth ist Pfarrer an der Stadtkirche der Lutherstadt Wittenberg.


Dieser Artikel ist zuerst in der Zeitschrift Lebenslust erschienen, die wie Jesus.de zum SCM Bundes-Verlag gehört.

 

 

 

 

 

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